• Einstellungen
Dienstag, 21.03.2017

Die dunkle Seite der Nacht

Mafia auf Mallorca: Ein Diskothekenbetreiber soll Polizei und Politik für sich – und gegen die Konkurrenz – arbeiten lassen haben.

Von Martin Dahms

Der Mega-Park in Palma ist eine von Cursachs Großdiskotheken.
Der Mega-Park in Palma ist eine von Cursachs Großdiskotheken.

© picture alliance / dpa

Bartolomé Cursach, genannt Tolo, erhält dieser Tage viel Zuspruch. Vielleicht zu viel. Die Medien „verdrehen“ die Tatsachen und „fantasieren“, schrieb einer der 1 700 Beschäftigten des Mallorquiner Diskothekenbetreibers in einem Facebook-Eintrag. Einer drohte gar einem Zeugen: „Ihr wisst nicht, was ihr da angestellt habt. Das wird für dich nicht folgenlos sein.“ Cursach sitzt in Untersuchungshaft. Angesichts solcher Einschüchterungsversuche hielt es der Richter für angemessen, ihn und den Generaldirektor seiner Gruppe, Bartolomé Sbert, hinter Gittern zu lassen.

Mallorquiner Nächte sind lang. Doch was für die Urlauber ein unbeschwertes Vergnügen ist, ist für andere ein hartes Geschäft. Eines, das sie sich von niemandem verderben lassen wollen. Seit gut drei Jahren ermitteln ein Untersuchungsrichter und ein Staatsanwalt gegen mutmaßliche mafiöse Strukturen in der Lokalpolizei von Palma de Mallorca. Die Spuren führten schließlich mitten hinein ins Nachtleben. Die Angelegenheit ist ernst: Die beiden Ermittler erhielten von der Guardia Civil die Erlaubnis, eine Waffe zu tragen, weil sie sich an Leib und Leben bedroht fühlten.

Der Untersuchungsrichter spricht von einer „kriminellen und pseudomafiösen Gruppe“, die in Mallorca nach der Macht über die Nacht gestrebt habe. Laut Dutzenden Zeugenaussagen ist Cursach der Kopf dieser Gruppe und Sbert dessen rechte Hand. Cursach hat in den vergangenen vier Jahrzehnten auf Mallorca ein „führendes Familienunternehmen der Unterhaltungsbranche“ aufgebaut, so beschreibt er es selber auf seiner Website. Am bekanntesten sind seine Diskotheken, die zu den größten Europas gehören, zum Beispiel das BCM in Magaluff oder der Mega Park an der Playa de Palma. 1,5 Millionen Kunden zählen seine Unternehmen im Jahr, zu denen auch Hotels und Sportanlagen gehören.

Bei seinem Aufstieg zum Mallorquiner Diskothekenkönig soll ihn die Lokalpolizei von Palma kräftig unterstützt haben. Die spanische Ausgabe von Vanity Fair lässt einen Filmemacher von der Insel, Ivo Erasmo, zu Wort kommen, der es gewagt hatte, zwei Cafés in Palma zu eröffnen. „Sie schicken eine erste Patrouille vorbei, um zu sehen, was da läuft“, erzählt er. „Wenn du Glück hast, ist ihnen dein Geschäft nur egal. Wenn nicht, beginnen die Besuche. Einer nach dem anderen, bis sie mit dir Schluss gemacht haben.“ Schließlich lässt sich jeder Betrieb durch häufige Inspektionen in die Knie zwingen. Notfalls sollen sich die Polizisten auch Verstöße gegen diese oder jene Norm ausgedacht haben.

Die Lokale von Cursach ließen die Beamten hingegen in Ruhe. Und wenn sie doch einmal vorbeikamen, kündigten sie ihre Besuche vorher an. Laut Zeugenaussagen erhielten die Polizisten die üblichen Gegenleistungen: Privatpartys, auf denen es Alkohol, Kokain und Frauen gab. Und natürlich freien Zugang zu Cursachs Lokalen. An den feucht-fröhlichen Festen nahmen auch Bürgermeister, Polizeichefs und Politiker teil. Eine der Prostituierten auf den Partys soll zudem minderjährig gewesen sein. Für den guten Draht zu lokalen Politikern sorgte CursachsVize Sbert, der Anfang der 1990er-Jahre das Amt des Tourismusgeneraldirektors in der damaligen Regionalregierung innehatte. Die Vernetzung war nützlich: So wurden sogar Entscheidungen darüber beeinflusst, an welchen Orten Taxi- oder Bushaltestellen eingerichtet wurden – natürlich bevorzugt direkt neben Cursachs Diskotheken und Hotels.

Desktopversion des Artikels