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Freitag, 19.05.2017

Die Bosel fährt wieder

Das Fährschiff startet am Freitag zur ersten Sonderfahrt. Mit repariertem Getriebe und Elektronik, die das Fahren sicherer macht.

Von Ines Scholze-Luft

Schöne neue Technik. Auf dem Fährschiff Bosel – hier im Hafen Coswig-Kötitz –, das auch für Sonderfahrten eingesetzt wird, gibt es jetzt ein Schiffs-Navi. Herms Gruber (r.) ist bei der VGM für die Fähren zuständig. Nur fürs Foto hat er mal die Hände ans Steuerrad gelegt. Sonst stehen da ausgebildete Schiffsführer. Eigentümer der Bosel ist die Stadt Coswig. Deshalb schaut sich auch Ordnungsamtschef Olaf Lier die neuen Geräte genau an.
Schöne neue Technik. Auf dem Fährschiff Bosel – hier im Hafen Coswig-Kötitz –, das auch für Sonderfahrten eingesetzt wird, gibt es jetzt ein Schiffs-Navi. Herms Gruber (r.) ist bei der VGM für die Fähren zuständig. Nur fürs Foto hat er mal die Hände ans Steuerrad gelegt. Sonst stehen da ausgebildete Schiffsführer. Eigentümer der Bosel ist die Stadt Coswig. Deshalb schaut sich auch Ordnungsamtschef Olaf Lier die neuen Geräte genau an.

© Arvid Müller

Coswig. Es hat dann doch etwas länger gedauert, bis die Dichtungen für die Getriebepumpe angekommen sind. Auf die haben Herms Gruber, bei der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) zuständig für die Fähren, und Maik Motzek von der Meißner Schiffsreparaturwerkstatt sehnlichst gewartet. Beim Fährschiff Bosel hatte es das Getriebe entschärft. Gerade noch als Ersatz für die Fähre Kötitz – wegen eines Motorschadens außer Betrieb – über die Elbe unterwegs, erwischte die Defekthexe auch noch dieses Schiff.

Zum Glück konnte die Kötitz kurz darauf ihren Dienst wieder antreten. Doch die Bosel musste – festgemacht im Kötitzer Hafen – auf ihren Neustart warten, etwa anderthalb Wochen länger als erhofft. Das bedeutete fünf ausgefallene Sonderfahrten. Ärgerlich und vor allem ein finanzieller Verlust für die VGM, sagt Herms Gruber. Die Fähre eine Stunde zu chartern, kostet 135 Euro, egal ob mit Passagieren oder ohne. Und eine Fahrt von Coswig bis zum Dresdner Blauen Wunder und zurück kann schon bis fünfeinhalb Stunden dauern.

Weil die nächsten Sonderfahrten quasi vor der Tür stehen, war die Freude umso größer, als die aus Belgien gelieferten Dichtungen am Dienstag endlich bei Maik Motzek in Meißen eintrafen. Der machte sich gleich ans Werk, um sie ins Bosel-Getriebe einzubauen, wechselte drei Simmerringe und vier Dichtungen. So konnte das Getriebe noch am selben Tag ins Schiff zurück. Nach einigen Restarbeiten startete Donnerstagmorgen die Probefahrt mit Schiffsführer Steffen Zeuner. Alles in Ordnung.

Das freut Herms Gruber. Denn die nächste Sonderfahrt steht heute im Plan, mit gut gefülltem Schiff. Um die 26 Gäste sind dann zwischen Coswig und Meißen unterwegs. Und das geht so weiter, am Sonnabend darauf und an den nächsten Sommer-Wochenenden. Auch die Weinfahrten ab August sind gut gebucht.

Herms Gruber hat noch eine Neuigkeit von der Bosel, die auch Coswigs Ordnungsamtschef Olaf Lier wichtig ist. Schließlich ist die Stadt Eigentümer der Fähren, betrieben werden sie von der VGM. Und die Bosel ist als Einzige für Längsfahrten zugelassen, sozusagen als Fahrgastschiff.

Mit einer Art Schiffs-Navi hat sie jetzt eine Neuerung an Bord, die das Fahren noch sicherer macht. Neben Tiefenmesser, Radaranlage und Funkgeräten verfügt sie über ein AIS, ein automatisches Schiffsidentifizierungssystem, das – seit Kurzem für alle Fähren Pflicht – über den Namen und die Position sämtlicher Schiffe in der Umgebung informiert. Ein großer Vorteil beim Begegnen und Überholen, sagt Olaf Lier. Und spricht von einer deutlich geringeren Kollisionsgefahr. Das System funktioniert selbst in der Ruheposition. So hat die Bosel trotz ihrer Zwangspause im Kötitzer Hafen jedem Vorbeifahrenden signalisiert, wer sie ist und wo sie liegt.

Doch das ist nur ein Teil der Neuerung. Denn das große Fährschiff hat noch mehr zu bieten, mehr als die anderen Fähren. Bei der Bosel ist das AIS verbunden mit einem ECDIS-Gerät, einem elektronischen Navigationsinformationssystem, speziell für die Binnenschifffahrt. Das heißt, Schiffsnamen und -positionen sind in der elektronischen Wasserstraßenkarte sichtbar, beispielsweise auf einem Laptop.

Der auf der Bosel Genutzte hat dadurch ein zweites Leben erhalten – er ist nämlich ein ausgedienter Schulrechner, erklärt der Ordnungsamtschef. Und ergänzt, dass sich mit den kombinierten Geräten sogar um die Ecke schauen lässt. So werden selbst noch nicht vom Radar erfasste Schiffe sichtbar. Beispielsweise hinter einer Kurve oder hinter einer Einmündung. Das macht sich vor allem bei Dunkelheit, Nebel und auf größere Entfernung als echtes Plus bemerkbar. Denn auf der elektronischen Karte lassen sich auch Schiffsverkehrszeichen am Ufer und im Fluss erkennen.

Die Fährschiffe sind gut gerüstet – so die einhellige Meinung des VGM-Fährenverantwortlichen und des Ordnungsamtschefs. Beide hoffen, dass sie nun möglichst lange von Schadensmeldungen wie in diesem Frühjahr verschont bleiben.

www.marinetraffic.com