• Einstellungen
Freitag, 29.12.2017 Gerichtsbericht

Die Betreuerin und die 30 000 Euro eines alten Mannes

Statt die Finanzen eines Witwers zu verwalten, soll sich eine Pädagogin kräftig daran bedient haben. Vor Gericht schweigt sie.

Von Yvonne Popp

© dpa

Freital. Das Gesicht in die Hände gestützt, den Blick auf den Boden gerichtet, sitzt Andrea B. neben ihrem Verteidiger. Der Termin am Amtsgericht in Dippoldiswalde ist der Frau sichtlich unangenehm – kein Wunder, denn die Vorwürfe haben es in sich. Insgesamt 30 900 Euro soll sie veruntreut haben. Die 54-jährige Pädagogin war als Betreuerin für einen langjährigen Freund der Familie eingesetzt, von 1997 bis zu dessen Tod im Februar 2015. Nachdem die Frau des Freundes verstorben war, hatte ihn die Angeklagte zunächst zu sich in ihre Freitaler Wohnung geholt. Drei Jahre später aber musste sie den gesundheitlich angeschlagenen Mann in ein Pflegeheim geben. Dort besuchte sie ihn anfangs noch regelmäßig und nahm ihn an den Wochenenden mit zu sich und ihrer Familie. Daneben kümmerte sie sich auch um die finanziellen Angelegenheiten des Witwers.

Lange Zeit hatte die zuständige Rechtspflegerin an der Betreuungsarbeit der Angeklagten nichts auszusetzen. Aufgefallen war ihr nur, dass immer wieder viel Bargeld vom Konto des Seniors abgehoben wurde. Zur jährlichen Rechnungslegung, zu der ein Betreuer verpflichtet ist, konnte die Angeklagte aber nachweisen, dass ein Großteil des Geldes für Handwerkerleistungen am Haus des alten Mannes aufgewendet worden war. Alle übrigen Barabhebungen von seinem Konto, so sei es schriftlich niedergelegt gewesen, seien mit seinem Einverständnis erfolgt und hätten seine Richtigkeit.

Vor Gericht sagt die Rechtspflegerin, dass sie damals keinen Grund hatte, an den Angaben von Andrea B. zu zweifeln. Über die Jahre hinweg war dann alles so weitergelaufen, da alle Baraufwendungen angeblich genehmigt worden waren. Misstrauisch wurde die Rechtspflegerin erst, als die Angeklagte für das Jahr 2013 keine Belege vorweisen konnte. Ihr sei die Tasche mit den entsprechenden Unterlagen aus dem Auto gestohlen worden, hatte sie damals erklärt. Der alte Mann aber konnte dieses Mal die Ausgaben nicht bestätigen, da sich sein Gesundheitszustand in der Zwischenzeit verschlechtert hatte.

In einem psychiatrischen Fachkrankenhaus waren bei ihm schon Jahre zuvor eine Demenzerkrankung und auch psychotische Schübe festgestellt worden. Es muss also bezweifelt werden, ob ihm überhaupt klar war, was er da immer abgesegnet hatte. Kurioserweise hatten ihm die Ärzte bis zum Schluss volle Geschäftsfähigkeit attestiert.

Andrea B. gab schließlich eine eidesstattliche Erklärung ab, in der sie beteuerte, dass alle Ausgaben im Sinne ihres Schützlings getätigt worden seien. Als sich dann aber herausstellte, dass die Frau schon länger keinen persönlichen Kontakt mehr zu dem Witwer pflegte, schaltete die Rechtspflegerin die Betreuungsbehörde ein. Das Amt leitete einen Betreuerwechsel ein und erstatte Anzeige.

Die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, dass Andrea B. die 30 900 Euro, die sie zwischen Dezember 2012 und Oktober 2014 vom Konto des Mannes abgehoben hatte, zu Unrecht ausschließlich für sich verwendet hatte. Da die Angeklagte schweigt und der Geschädigte nicht mehr gefragt werden kann, müssen nun zahlreiche Zeugen gehört werden. Der Prozess wird fortgesetzt.

Desktopversion des Artikels