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Dienstag, 13.02.2018

Die Aussteigerin

Hollywoods coole Blonde Kim Novak hat die Filmbranche lange verlassen. Klar Stellung bezieht sie trotzdem – auch mit 85.

Von Barbara Munker

Kim Novak wird am heutigen Dienstag 85 Jahre alt. Obwohl sie sich schon früh aus Hollywood zurückzog, nagten noch „viele dunkle Gefühle“ an ihr.
Kim Novak wird am heutigen Dienstag 85 Jahre alt. Obwohl sie sich schon früh aus Hollywood zurückzog, nagten noch „viele dunkle Gefühle“ an ihr.

© dpa/Ian Langsdon

Sexy, blond und kühl – das war das Erfolgsrezept von Kim Novak, der „Sharon Stone der 50er-Jahre“. Mächtige Hollywoodbosse hatten das junge Fotomodell zur Sexgöttin hochstilisiert, Alfred Hitchcock machte sie durch „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (1958) unvergesslich. Doch die Glamour-Karriere hatte Schattenseiten. Kurz vor ihrem 85. Geburtstag reiht sich Novak als „MeToo“-Opfer zu der wachsenden Zahl von Frauen, die Sexismus und Missbrauch erlebt haben. Die weltweite Debatte mit Vorwürfen von sexueller Belästigung habe auch sie aufgerüttelt. Sie habe „all die dunklen Gefühle“ in ihren Erfolgsjahren nie richtig zugelassen.

Novak, die jetzt 85 Jahre alt wird, grenzte sich schon früh von der Traumfabrik ab. „Sie wollten mich komplett verändern“, sagte die Schauspielerin über ihre Hollywood-Jahre. Sie wollte nicht wie andere Stars in eine Krise geraten und ein tragisches Endes erleben, schreibt sie auf ihrer Webseite. Aus Protest gegen die Vereinnahmung durch die Studios flüchtete sie in die abgelegene kalifornische Aussteiger-Gegend um Big Sur, dann weiter nördlich in den Nachbarstaat Oregon. Mit ihrem zweiten Ehemann, einem Tierarzt, lebt sie seit den 1980er-Jahren auf einer Ranch. Nur selten ließ sie sich noch in Hollywood sehen, wie 2012, als sie auf dem Vorplatz des historischen Chinese Theatre ihre Handabdrücke im feuchten Zement hinterließ.

Die Einladung zur Oscar-Gala zwei Jahre später wollte sie erst nicht annehmen, doch am Ende willigte die damals 81-Jährige ein, auf der Bühne eine Trophäe auszuhändigen. Ihr Auftritt – mit einem maskenhaft wirkenden Gesicht – löste eine Spott-Lawine aus. „Kim sollte ihren Schönheits-chirurgen verklagen“, schrieb Donald Trump in einem Tweet in der Oscar-Nacht 2014. Erst nachdem er seine Kandidatur für das Weiße Haus erklärt hatte, ruderte er zurück. Er hätte den Tweet besser nicht gesendet, so Trump. Novak hatten die bösen Kommentare tief getroffen. Doch diesmal schwieg sie nicht: „Schade, dass Mobber nicht erst denken, bevor sie den Mund aufreißen“, sagte sie in einer TV-Show. Und würde sie Trump wählen?, fragte der Moderator. „Willst du mich auf den Arm nehmen? Ach du lieber Gott, Nein!“. (dpa)

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