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Freitag, 13.10.2017

Die andere Tanke

Die Stadtwerke Elbtal bauen die erste öffentliche Stromtankstelle in Coswig. Doch im Kreis zapft kaum jemand.

Von Uta Büttner

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Die E-Tanke der Stadtwerke Elbtal in Radebeul-Ost. Im Jahr fahren hier nur so viele Autos ran, wie in einer Stunde an der herkömmlichen Tankstelle.
Die E-Tanke der Stadtwerke Elbtal in Radebeul-Ost. Im Jahr fahren hier nur so viele Autos ran, wie in einer Stunde an der herkömmlichen Tankstelle.

© norbert millauer

© Grafik/SZ

Coswig. Jetzt steht es fest: In Coswig wird die erste öffentlich zugängliche Stromtankstelle auf dem Parkplatz Alte Feuerwehr entstehen. Ursprünglich war der Bau noch in diesem Jahr geplant. „Realistisch ist Sommer 2018“, sagt der Technische Geschäftsführer der Stadtwerke Elbtal, Olaf Terno. Nach dem ersten Aufruf des Bundes zum Ausbau der Ladeinfrastruktur hatten die Stadtwerke Anfang März den Antrag auf Förderung gestellt. An der Ladestation mit einer Leistung von elf Kilowatt können dann die Batterien der Fahrzeuge mit einem Typ-2-Stecker aufgeladen werden. In einer Stunde hat man eine zusätzliche Reichweite von etwa 60 Kilometer „getankt“. Die Investitionssumme betrage 15 000 Euro, 40 Prozent werden vom Bund gefördert.

Wie viel das Aufladen in Coswig kosten wird, steht laut Olaf Terno noch nicht fest. Am Bahnhof Radebeul-Ost betreiben die Stadtwerke bereits seit Juli 2015 eine Ladesäule mit vier Ladepunkten. Für 3,7 Kilowatt Ladeleistung muss man pro Stunde einen Euro bezahlen, elf Kilowatt kosten pro Stunde drei Euro.

30 bis 40 Ladevorgänge jährlich gibt es dort. So häufig wird an einer herkömmlichen Tankstelle in einer Stunde am Tag gezapft. Die Nutzung der Stromtankstelle ist deshalb so gering, da es laut Terno nicht mehr als zehn Elektroautos in Radebeul und Coswig gibt. Der Energieversorger Enso betreibt in Großenhain und Moritzburg eine öffentliche Ladestation. Die Nutzung ist aufgrund der geringen Zahl an Elektrofahrzeugen auch dort gering. So wurden beide Ladesäulen 2016 zwölfmal genutzt. In diesem Jahr sei ein geringer Anstieg zu verzeichnen.

Enso-Pressesprecherin Claudia Kuba weist darauf hin, dass erst ab 2020 eine hohe Nutzung zu erwarten ist. Dann werden Fahrzeuge und Batterien so weiterentwickelt sein, dass größere Reichweiten erzielt werden und auch die Anschaffungskosten geringer sind. Aber so lange könne man nicht warten, um die Ladeinfrastruktur auszubauen. Denn diese ist auch ein wesentlicher Anreiz, um sich ein E-Auto anzuschaffen.

Deshalb will der Bund bis 2020 deutschlandweit 15 000 Ladestationen, darunter 5 000 Schnellladesäulen, mit 300 Millionen Euro fördern. Bei Schnellladesäulen mit einer Leistung über 22 Kilowatt kann man 80 Prozent der Batterie innerhalb von 30 Minuten aufladen. Diese Stationen entstehen vor allem an Autobahnen. Das normale Laden dauert ein bis zwei Stunden, wobei man je nach Leistung 20 bis 60 Kilometer hinzugewinnt. Die Nationale Plattform Elektromobilität der Deutschen Akademie der Technikwissenschaft hat ermittelt, dass es beim Ziel der Bundesregierung mit einer Million E-Fahrzeuge im Jahr 2020 70 000 öffentliche Ladepunkte geben müsse. Derzeit gibt es in Deutschland 10  700 an 4 730 Ladesäulen – darunter 530 Schnellladesäulen. Das sind die neuesten Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vom September.

E-Autos machen 0,05 Prozent aus

Im Landkreis Meißen sind laut Landratsamt derzeit 92 Elektrofahrzeuge und 763 Hybridfahrzeuge von insgesamt 194 690 zugelassenen Autos unterwegs. Auch wenn das Betreiben von Ladestationen aufgrund der wenigen Elektromobile noch unwirtschaftlich ist, prüfen die Stadtwerke Elbtal trotzdem zwei weitere Stromtankstellen in Coswig und Radebeul. Denn laut Olaf Terno müsse man irgendwann anfangen, „auch wenn der ökologische Fußabdruck, den man mit einem Elektrofahrzeug hinterlässt, nicht kleiner ist als mit einem herkömmlichen“. Deshalb ist auch die Enso für weitere öffentliche Stromtankstellen mit mehreren Kommunen auch im Landkreis Meißen im Gespräch. Pressesprecherin Claudia Kuba sagt: „Wenn vonseiten der Städte und Gemeinden Interesse besteht und geeignete Standorte gefunden werden, stellt Enso die nötigen Förderanträge für Ladesäulen.“

Auch Privatpersonen oder Firmen bieten das Aufladen von E-Fahrzeugen an. Viele Ladesäulen sind jedoch nicht frei zugänglich. So gibt es in Coswig einen Ladepunkt auf einem Privatgrundstück an der Kötitzer Straße 21.

Insgesamt existieren im Kreis Meißen 23 Plätze, wo Strom gezapft werden kann. In Nossen-Starbach stehen die einzigen beiden Schnelllade-Tankstellen. Meißen und Riesa verfügen über jeweils vier Ladesäulen, wobei in der Stahlstadt zwei weitere bereits in Planung sind. In Radebeul befinden sich vier. Weinböhla, Großenhain, Moritzburg und Radeburg haben zwei Plätze. In Nossen ist die dritte Lademöglichkeit eine Normalladesäule im Ortsteil Wendischbora. Eine Zapfsäule hat Thiendorf. Nicht alle Elektrotankstellen können rund um die Uhr angefahren werden.

Eine Liste und Informationen zu Öffnungszeiten und Abrechnungen sind im Internet unter www.goingelectric.de/stromtankstellen zu finden.