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Freitag, 06.10.2017

Der Weltenbummler

Timo Walther wurde in Bangkok geboren und spielte in Toronto, Peking und Minnesota. Jetzt ist er bei den Eislöwen.

Von Maik Schwert

Er ist mit seinen 19 Jahren schon viel herumgekommen.
Er ist mit seinen 19 Jahren schon viel herumgekommen.

© Robert Michael

Er ist sein ganzes Leben durch die Welt gereist und nun in Dresden angekommen. Im Pass von Timo Walther steht Bangkok als Geburtsort. Seine Eltern arbeiten als Diplomaten beim Auswärtigen Amt und waren am 20. Januar 1998 gerade in der thailändischen Hauptstadt tätig, als ihr Sohn auf die Welt kam. Zwei Jahre später ging es nach Kanada. „Da haben wir vier Jahre in Toronto gelebt“, erzählt der 19-Jährige. „Irgendwann hat mein Vater mich zu den Spielen der Maple Leafs mitgenommen.“ Anschließend wollte der Sohn auf Schlittschuhen laufen. „Ich hatte wohl auch Talent. Jedenfalls hat mir Eishockey gleich super viel Spaß gemacht.“

Seitdem arbeitet er an seinen Fähigkeiten – immer wieder in anderen Kontinenten, Ländern und Städten: erst vier Jahre in Berlin, dann genauso lange in Peking und schließlich in Mannheim. „In Peking sind wir als chinesische Mannschaft mit Ausländern aus vielen Nationen, beispielsweise Russen und Schweizern, in einer kleinen Liga und bei internationalen Turnieren in Kanada und den USA gestartet.“ Der Teenager lernt schnell, sich an neue Umfelder zu gewöhnen und neue Freunde zu finden. „Das geht bei mir ruckzuck. Es ist mein Alltag. Klar habe ich dadurch vielleicht nur ein oder zwei richtig gute Kumpel, aber es ist wichtig für meine Entwicklung gewesen. Ich bin froh darüber, habe relativ viele Kulturen, Sprachen und viel Wissen mitgenommen.“ Er beherrscht außer Deutsch noch Englisch und Französisch.

Walther entschied sich 2016 nach dem Abitur sogar für ein Jahr allein im Ausland und ging nach Minnesota zu den Magicians in die nordamerikanische Nachwuchsliga. „Ich wollte mich da behaupten und weiterentwickeln. Das gab den Ausschlag. Es war eine sehr schöne Erfahrung. Ich habe viel gelernt, bin gereift und möchte es für nichts tauschen.“ Schließlich kann er seitdem Checks zu Ende fahren, den Puck blocken, ordentlich passen und platziert schießen. Das macht Walther jetzt in Dresden. Die Eislöwen sind sein erster Klub als Profi. Er spricht von perfekten Bedingungen und einer Stadt, die einiges bietet. „Ich habe mich super eingelebt, bin sehr zufrieden.“

Die Heimatstadt heißt Mannheim

Walther wohnt mit seiner Freundin in seiner nächsten Wahlheimat. „Ich bin immer da zu Hause, wo meine Eishockeytasche steht.“ Aber eigentlich ist es Mannheim, die Stadt, aus der seine Mama kommt. Da lebt ein Großteil seiner Familie, Tante, Onkel, Oma, Opa – nur seine Eltern nicht. Sie wohnen derzeit in Hongkong. „Wir haben uns im Sommer das erste Mal seit gut einem Jahr gesehen. Das geht uns meistens so, dass wir uns pro Saison nur einmal treffen.“ Dieses Mal könnte es ein-, zweimal häufiger sein. Seine Eltern haben die U-20-Weltmeisterschaft im Dezember in Frankreich und Dresden im Februar in ihrem Terminkalender stehen. „Die Spiele mit der Nachwuchsnationalmannschaft, die ich in den vergangenen Tagen absolviert habe, sind auf der einen Seite zwar eine zusätzliche Belastung, zum anderen aber auch eine große Chance. Alle Einsätze machen mich besser.“ Auch die bei den Eislöwen. Er will solide spielen, wenn er das Vertrauen des Trainers bekommt. Franz Steer setzt den Angreifer meistens im vierten Block ein. „Timo bringt gute Voraussetzungen mit“, sagt der Trainer. „Er ist ein charakterlich einwandfreier, sehr strebsamer junger Mann mit jeder Menge Potenzial.“ Steer erwartet nicht zu viel von Walther in dessen erster Profisaison. Er hat bisher viel Freude an und mit ihm.

Schließlich gehört der Stürmer genau zu den Spielern, die in das Konzept des Trainers passen: einer mit Perspektive. Und einer, der sich besonders auf das erste Sachsenduell der Saison freut. „Ich bin gespannt auf das Spiel in Crimmitschau“, sagt Walther. „Ich habe schon viel von den Derbys gehört und weiß, dass es viel körperlicher zur Sache geht.“ Vor dem Auftritt am Sonntag bei den Eispiraten erwarten die Eislöwen am Freitag den EC Bad Nauheim.

Dabei muss Steer weiter auf Torhüter Sebastian Stefaniszin und Verteidiger Petr Macholda verzichten. Auf Walther kann er dagegen bauen. „Er hat sich in allen Tests beim Deutschen Eishockey-Bund verbessert. Das zeigt, dass wir nicht schlafen.“ Der Trainer betrachtet es als eine seiner Hauptaufgaben, junge Leute wie Walther stärker zu machen. „Wenn Timo so gut spielt, dass er einen Vertrag in der Deutschen Eishockey-Liga bekommt, dann habe ich alles richtig gemacht“, sagt Steer.

Die DEL ist Walthers großes Ziel,. Falls das nicht gleich funktioniert, dann bleibt die DEL 2 eine Option. „Ich kann mir vorstellen, noch ein, zwei Jahre in dieser Liga zu spielen“, sagt Walther – auch weiter bei den Eislöwen. Er erkennt besonders die Unterschiede bei der Taktik zwischen Nachwuchs und Profis. „Früher sind wir schon mal kopflos rumgerannt oder haben stur die vorgegebenen Wege eingehalten. Jetzt geht es darum, das Spiel zu erkennen, es zu lesen, ein Verständnis dafür zu entwickeln.“ Walther probiert es. Steer hilft ihm.

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