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Samstag, 21.01.2017

Der vorbestrafte Saubermann

NPD-Kreischef Marco Wruck plädiert für Recht und Ordnung. Selbst fiel er mehrfach mit Vermögensdelikten auf.

Von Sebastian Kositz

Eloquent, korrekt gekleidet: Marco Wruck gibt als Chef des NPD-Kreisverbandes gern den Saubermann. In der Vergangenheit war er allerdings selber mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Eloquent, korrekt gekleidet: Marco Wruck gibt als Chef des NPD-Kreisverbandes gern den Saubermann. In der Vergangenheit war er allerdings selber mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

© Uwe Soeder

Hemd, Krawatte, eine Anzughose. Marco Wruck gibt sich seriös. Der 32-Jährige wirkt wie aus dem Ei gepellt. Mit dem Handy am Ohr steht er im Rahmen der geöffneten Eingangstür eines Hauses in einem kleinen Dorf bei Weißenberg. Er winkt freundlich, hat für die Besucher von der Sächsischen Zeitung sogar Kaffee vorbereitet. Der Chef des Kreisverbandes der rechtsextremen NPD ist gesprächsbereit.

Bereits nach den Krawallen im September auf dem Bautzener Kornmarkt hat sich Marco Wruck gesprächsbereit gezeigt. Als einer der Initiatoren der rechten Demonstrationen saß der junge Mann erst bei Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos), später bei Landrat Michael Harig (CDU) am Tisch. Für ihre Gespräche mit Rechtsextremen hatten die beiden Politiker massive Kritik einstecken müssen.

Bestraft wegen Vermögensdelikten

Marco Wruck aalt sich indes in der medialen Aufmerksamkeit. Es gehe darum, in Bautzen Recht und Ordnung durchzusetzen, betont der 32-Jährige gern auch in die Richtung laufender Kameras. Dabei hat es der NPD-Anführer mit dem Recht selbst nicht immer sehr genau genommen. Marco Wruck, der zur Bundestagswahl als Direktkandidat für die rechtsextreme Partei antreten möchte, ist mehrfach vorbestraft – allen voran wegen Vermögensdelikten.

Ursprünglich stammt der 32-Jährige nicht aus der Region. Vor knapp fünf Jahren war er von Berlin in das Dorf bei Weißenberg gezogen – der Liebe wegen. Mit seiner Freundin, der gemeinsamen Tochter und zwei Stieftöchtern wohnt er seitdem in einem kleinen Haus. Das gehört zum Familienbesitz seiner Freundin und stand schon einmal im medialen Fokus. Als im Juni 2013 ein Unwetter ganze Landstriche in Ostsachsen verwüstete, war auch das Gebäude arg betroffen. Die Sächsische Zeitung berichtete mehrfach über das Schicksal der Familie. Hortkinder aus Großharthau hatten sogar Spenden gesammelt. Eine absolute Katastrophe sei die Flut gewesen, sagt Marco Wruck. Eine Einschätzung, an der so niemand zweifeln mag.

Als junger Mann Mist gebaut

Im Jahr darauf muss der heutige NPD-Chef allerdings auf der Anklagebank im Bautzener Amtsgericht Platz nehmen. Dort wird er wegen Betrugs zu zehn Monaten Haft verurteilt. „Das hängt mit dem Hochwasser zusammen“, erklärt Marco Wruck. Damals betrieb er in Weißenberg eine Marketing- und Vertriebsagentur, hatte unter anderem übers Internet mit Restposten gehandelt. Die finanziellen Schäden am Wohnhaus durch die Flut seien enorm gewesen, summierten sich laut Marco Wruck auf fast 50 000 Euro. Nicht einmal die Hälfte davon habe die Versicherung übernehmen wollen. Alles, was bei ihm an Geld da war, habe er in die Schadensbeseitigung gesteckt. Auch Geld, dass Kunden für bestellte Waren bereits gezahlt hatten – ohne das die Lieferungen jemals überhaupt rausgingen. „Ich wusste mir einfach nicht mehr anders zu helfen“, beteuert Marco Wruck. Die Firma gibt es übrigens nicht mehr, derzeit lebt der NPD-Mann von Sozialhilfe.

Offenkundig wusste sich Marco Wruck aber auch schon früher in Geldsachen nicht anders zu helfen. Die Staatsanwaltschaft in Görlitz bestätigt, dass Marco Wruck „mehrfach, überwiegend wegen Vermögensdelikten, vorbestraft“ ist. Als junger Mann habe er eben „Mist gebaut“, erklärt Marco Wruck, spricht von Betrugssachen im Onlinebereich, wofür er zu Geldstrafen verurteilt worden sei. Auch damals sei die Situation schwierig gewesen. „Ich will es aber nicht schönreden. Straftat bleibt Straftat“, zeigt sich der 32-Jährige selbstkritisch. Irgendwann sei dann der Punkt gekommen, „wo man aufhört“.

Keine Parteibeiträge bezahlt

Doch auch in diesen Tagen werden erneut Anschuldigungen in Geldsachen laut. Da beklagt sich einerseits der frühere Chef des NPD-Kreisverbandes, Jürgen Kötzing aus Wachau, über eine mangelnde Zahlungsmoral. Marco Wruck war bereits im Juni 2015 in die Partei eingetreten und zunächst für einige Monate an Bord gewesen, bevor er im November 2016 erneut Mitglied und kurz darauf sogar zum Nachfolger von Jürgen Kötzing gewählt wurde. Parteibeiträge und die Aufnahmegebühr habe er 2015 aber nie bezahlt – trotz wiederholter Mahnungen. Jürgen Kötzing, der inzwischen die NPD verlassen hat, spricht von einem Schaden in Höhe von fast 100 Euro, der so der Partei entstanden sei.

Marco Wruck macht aus dieser Angelegenheit keinen Hehl. Er habe das Geld persönlich übergeben wollen, um ein direktes Treffen mit Jürgen Kötzing zu erwirken – angeblich, um über eine aus seiner Sicht nicht tragbaren Äußerung zum Umgang mit kriminellen Flüchtlingen zu sprechen, die im Sommer in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ zitiert worden war und für einen Eklat gesorgt hatte. Zu einem Treffen zwischen den beiden Kameraden kam es jedoch nicht. Nachgezahlt hat Marco Wruck die Beiträge übrigens nie. „Wozu auch? Die Mitgliedschaft ist annulliert worden“, sagt der 32-Jährige.

Von einer Stornierung kann indes beim Bautzener Hotelier Michael Pfützner keine Rede sein. Für den 9. September hatte Marco Wruck in dessen Pension einen Franzosen und einen Österreicher eingemietet. Beide traten an diesem Abend auf der von Marco Wruck mitorganisierten Demonstration auf dem Kornmarkt auf. Doch bisher ist die Rechnung nicht beglichen.

Marco Wruck erklärt, dass die Buchung nur im Auftrag eines Mitorganisators der Demo erfolgt sei. Der müsse eigentlich zahlen. Letztlich wolle der 32-Jährige jetzt dennoch die Kosten übernehmen. Auf das Geld wartet Michael Pfützner allerdings bis heute. Von einer Anzeige wegen Einmietungsbetrug hat er abgesehen – bislang. Andernfalls könnte es für Marco Wruck bald ein erneutes Wiedersehen vor Gericht geben,

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