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Donnerstag, 15.03.2018

Der Umbruch bei den Eislöwen

Der Trainer bleibt, aber sonst soll in der nächsten Saison einiges anders werden – die ersten Entscheidungen sind gefallen.

Von Sven Geisler

Sie sind allein in der Arena: Trainer Franz Steer und Geschäftsführer Volker Schnabel versuchen nach dem frühen Saisonaus der Eislöwen, den Blick bereits auf die nächste Saison zu richten.
Sie sind allein in der Arena: Trainer Franz Steer und Geschäftsführer Volker Schnabel versuchen nach dem frühen Saisonaus der Eislöwen, den Blick bereits auf die nächste Saison zu richten.

© Matthias Rietschel

Es nutzt nichts, sich diese Saison schönzureden. Volker Schnabel, Geschäftsführer der Eislöwen, versucht es deshalb gar nicht. „Wir haben unsere sportlichen Ziele verfehlt. Das ist ärgerlich, und dafür gibt es keine Ausreden“, sagt er. Zum ersten Mal seit 2013 haben die Dresdner die Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga 2 verpasst. Das hat auch finanzielle Konsequenzen, obwohl die laut Schnabel weniger dramatisch sind. „Wir werden die Lizenz trotzdem ohne große Auflagen bekommen, können aber keine Reserven bilden“, erklärt der Herr der Zahlen, der diese jedoch streng geheim hält.

Stattdessen kündigt Schnabel an: „Ein Weiter so kann und wird es nicht geben.“ Es seien Veränderungen nötig, von denen eine Personalie allerdings ausdrücklich ausgenommen ist. Die SZ nennt die wichtigsten Punkte für die Erneuerung.

Vertrauen in den Trainer

Franz Steer bleibt Chefcoach. Sein Vertrag, meint Schnabel, musste nicht verlängert werden, weil der bis 2019 gelte. Bei der Verpflichtung des neuen Trainers im Mai 2017 hieß es noch, es gebe eine Option für ein zweites Jahr. „Er war meine erste Wahl, weil er ein sehr guter Eishockey-Fachmann ist, große Erfahrungen hat und mit jungen Leuten arbeiten kann“, erklärt Schnabel sein Vertrauen in Steer. Alles andere habe man intern besprochen.

Der Bayer Steer ist mit der Bilanz nach seinem ersten Jahr in Sachsen selber unzufrieden. „Aber das hilft nichts“, meint der 59-Jährige. „Wir müssen nach vorne schauen und es besser machen.“ Auch er habe sich hinterfragt und werde seinen Umgang mit der Mannschaft ändern. Seine Erkenntnis: „Ich lasse es gerne laufen, aber der eine oder andere Spieler hätte vielleicht eine klarere Ansprache gebraucht oder auch mal auf der Tribüne sitzen müssen.“

Umbruch im Team

Die ersten Abgänge stehen fest: Torwart Henning Schroth, die Verteidiger Shawn Boutin, Thomas Schmid und Gustav Veisert sowie die Stürmer Matt Siddall, Tadas Kumeliauskas und Marius Garten müssen gehen. „Das Gespräch mit Marius war für mich sehr emotional, weil ich ihn als Person und Sportler sehr schätze“, sagt Steer. „Aber er hat leider eine schwache Saison gespielt.“ Torhüter Sebastian Stefaniszin und Angreifer Nick Huard bleiben vorerst in der Warteschleife. Der 36 Jahre alte Petr Macholda muss die Karriere nach seiner Schulterverletzung wohl beenden.

Bei allen anderen Spielern stehen die Entscheidungen noch aus, einige könnten am Freitagabend ab 18 Uhr beim Saisonabschluss mit Fans in der Energieverbundarena bekannt gegeben werden.

Leitwölfe gesucht

Steer hat direkt damit begonnen, sich Spieler anzuschauen, wobei der Ausflug nach Litvinov zufällig zustande kam. „Das hat mich am vorigen Sonntag gerettet“, meint der Coach. „Dadurch bin ich mal auf andere Gedanken gekommen.“ Außerdem standen vier Spieler auf dem Eis, die bereits angeboten werden. „Wir versuchen natürlich, Leader zu bekommen“, sagt Steer, denn: „In der Mannschaft hat es keine Probleme gegeben, vielleicht ist sie sogar zu brav gewesen.“ Auf seiner Liste stünden einige Profis, die er vorigen Sommer oder während der Saison gerne geholt hätte. „Ich werde in nächster Zeit viel rumfahren, recherchieren und telefonieren“, so Steer.

Chance für den Nachwuchs

Fix sind drei Neuzugänge aus der eigenen Jugend: Arne Uplegger, der bereits in der DEL 2 zum Einsatz kam, Tim Heyter und Timon Ribnitzky bekommen einen Profi-Vertrag. „Es ist ein Zeichen, dass der Nachwuchs eine Chance hat“, sagt Schnabel. Falls sie den Sprung nicht sofort schaffen, sollen sie in Erfurt in der Oberliga Spielpraxis auf Männer-Niveau erhalten. Steer kündigt an, weitere Talente hochzuziehen, wenn sie sich im Juniorteam anbieten. Das spielt gerade um die Qualifikation für die neue U20 Division I, der künftig höchsten deutschen Nachwuchsliga – am Sonntag zu Hause gegen Rosenheim.

Coach für die Fitness

Einen entscheidenden Grund für das enttäuschende Abschneiden sieht Steer in der Fluktuation im Kader durch Verletzungen und Wechsel. Ein weiterer aber liege darin, dass einige Spieler schon nicht in der besten Verfassung in die Saison gegangen sind. „In der Phase über Weihnachten, in der es viele Spiele gibt, braucht man eine bessere Grundkondition.“ Die Vorbereitung über den Sommer absolvieren die Eishockey-Profis zum größten Teil individuell. Diesmal aber bekommen sie dafür konkrete Vorgaben. Steer arbeitet ab sofort mit Athletiktrainer Niels Böttger zusammen. Am Dienstag und Mittwoch absolvieren die verbliebenen Eislöwen umfangreiche Tests, auf deren Grundlage sie ihre Trainingspläne erhalten. Die Tests werden im August wiederholt. „Wer sie nicht erfüllt, muss entweder viel Geld zahlen oder wird für uns nicht auflaufen“, kündigt Steer an.

Hoffnung auf Aufstieg

Zum Etat für die nächste Saison will sich Schnabel nicht äußern. „Wir führen Gespräche und hoffen, dass Sponsoren dazukommen.“ Er soll mindestens genauso hoch sein wie in dieser Saison, also etwa 2,3 Millionen Euro. Davon unabhängig kündigt Schnabel an, dass die Eislöwen bis Ende März die Bürgschaft von 816 000 Euro aufbringen, um als einer von sechs DEL 2-Klubs die Bedingungen für eine neue Auf- und Abstiegsregelung mit der DEL ab der Saison 2019/20 zu erfüllen. „Stand heute werden wir dazugehören“, sagt Schnabel.

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