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Donnerstag, 14.09.2017

Der Traum vom Spielplatz

Jahrelang sammelte eine Steinigtwolmsdorferin Geld für neue Spielgeräte. Der Einsatz hat sich gelohnt.

Von Ingolf Reinsch

Der öffentliche Kinderspielplatz in Steinigtwolmsdorf macht wieder was her – dank der Initiative von Steffi Schierz. Sie organisiert seit fast fünf Jahren Kindersachenbörsen. Mit deren Erlös sowie mit Spenden und Gemeindegeldern konnte der Spielplatz modernisiert werden.
Der öffentliche Kinderspielplatz in Steinigtwolmsdorf macht wieder was her – dank der Initiative von Steffi Schierz. Sie organisiert seit fast fünf Jahren Kindersachenbörsen. Mit deren Erlös sowie mit Spenden und Gemeindegeldern konnte der Spielplatz modernisiert werden.

© Steffen Unger

Steinigtwolmsdorf. Ein Nachmittag auf dem Steinigtwolmsdorfer Spielplatz. Kinder erobern den Kletterturm. Sie rutschen, schaukeln, balancieren und haben ihren Spaß. Am Rand sitzen Eltern und unterhalten sich. Genau so hatte es sich Steffi Schierz vorgestellt, als sie vor knapp fünf Jahren eine Initiative startete, um den zwar gepflegten, aber in die Jahre gekommenen Spielplatz moderner zu machen. Da die Gemeinde nicht gleich das Geld hatte, neue Spielgeräte zu kaufen, startete die Steinigtwolmsdorferin eine Initiative. Im Frühjahr 2013 organisierte sie die erste Kindersachenbörse im Ort, Kuchenbuffet inklusive. Reinerlös aus Standgebühren und Kuchenverkauf: 150 Euro. Der Grundstock für ein neues Spielgerät war gelegt.

Manche im Ort haben sie am Anfang belächelt, erinnert sich Steffi Schierz. Aber die alleinerziehende Mutter, deren Tochter jetzt fünfeinhalb Jahre alt ist, hielt durch, gab nicht auf. „Ich bin kein Typ, der den Kopf in den Sand steckt“, sagt sie. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, organisiert sie die Kindersachenbörsen und sammelt Geld für den Spielplatz. Es gibt immer wieder Leute und Dinge, die ihr Mut machen, sagt Steffi Schierz. Dazu gehören vor allem ihre Familie und Leute, die sie bei den Börsen unterstützten und Arbeitseinsätze durchführten. Die Gemeinde griff die Initiative dankbar auf und stellt für die Kleiderbörsen den Versammlungsraum des Feuerwehrhauses kostenlos zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bild des Spielplatzes veränderte, wuchs auch die Spendenbereitschaft. Als erstes wurden das Klettergerüst und das Karussell neu gestrichen. Dann wurde die Schaukel erneuert. In diesem Sommer konnte nun die Kletterburg aufgebaut werden. Ein Großteil der Kosten von 5 000 Euro stammt aus dem Erlös der Kindersachenbörsen und weiteren Spenden. Die Gemeinde stockte den Betrag auf und setzte ihren Bauhof ein. Eine Balancierschlange soll noch hinzu kommen.

In die Heimat zurückgekehrt

„Ich bin froh, dass wir das Ziel erreicht haben und vor allem, dass der Spielplatz gut angenommen wird“, sagt Steffi Schierz. Jeden Nachmittag tummeln sich dort die Kinder. Und auch für die Kindergartengruppe ihrer Tochter ist es ein Highlight, wenn es am Vormittag mal auf den „anderen“ Spielplatz geht, berichtet die 38-Jährige. Auch wenn es natürlich auch in der Kita einen schönen Spielplatz gibt.

Steffi Schierz wuchs in Steinigtwolmsdorf auf. Sie machte ihr Abi in Bautzen, lernte anschließend Speditionskauffrau, lebte und arbeitete 17 Jahre lang in den Altbundesländern. Nach der Geburt ihrer Tochter kehrte sie in ihren Heimatort zurück. Zum einen, weil Oma und Opa dort leben. Zum anderen, weil es hier wesentlich leichter ist, einen Betreuungsplatz fürs Kind zu finden. Zur Arbeit pendelt sie jeden Tag zu einer Spedition in Neugersdorf.

Für die zehnte Kindersachenbörse an diesem Sonnabend sind alle Standplätze schon lange weg. Wahrscheinlich wird es die letzte Börse sein. „Ich bin beruflich inzwischen so eingespannt, dass ich das nicht mehr leisten kann“, sagt Steffi Schierz. Um alles vorzubereiten, nimmt sie am Freitag einen Urlaubstag. Zwar fanden sich bisher immer Helfer, aber keiner, der sich den Hut aufsetzen möchte. Ganz habe sie die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es mit den Börsen weitergeht, sagt sie. Für Steffi Schierz ist jedoch jetzt die richtige Zeit, den Schnitt zu machen: Der Spielplatz im Ort kann sich wieder sehen lassen.

Kindersachenbörse am 16. September von 9 bis 12 Uhr im Feuerwehrhaus an der Grenzstraße.

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