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Samstag, 13.01.2018

Der Traum vom eigenen Skaterpark

Viele Jahre trafen sich die Mitglieder von „Bautzen rollt“ illegal an der Teichnitzer Straße. Nun zahlen sie für das Gelände eine Pacht – und haben Großes vor.

Von Marleen Hollenbach

Zeit zum Ausruhen haben sie kaum: Marcus Döring (l.) und Marcel Flakowski vom Verein „Bautzen rollt“ wollen das Gelände an der Teichnitzer-Straße in einen Skaterpark verwandeln. Dafür suchen sie Menschen, die mit anpacken oder spenden wollen.
Zeit zum Ausruhen haben sie kaum: Marcus Döring (l.) und Marcel Flakowski vom Verein „Bautzen rollt“ wollen das Gelände an der Teichnitzer-Straße in einen Skaterpark verwandeln. Dafür suchen sie Menschen, die mit anpacken oder spenden wollen.

© Uwe Soeder

Bautzen. Wer die zwei Skater treffen will, muss sich erst einmal durch das große Eisentor trauen. Vorbei geht es an kleinen Müllbergen, an einer alten Halle mit graffitiverzierten Wänden. Nur, wer hier noch nicht umgedreht ist, lernt sie kennen: Zwei engagierte junge Männer, die mit viel Elan und tausend Ideen im Kopf eine Brache an der Teichnitzer Straße umgestalten wollen. Dass ihr Treffpunkt einladender aussehen könnte, ist den beiden bewusst. Gern hätten sie mehr Ordnung auf dem Areal. Doch das braucht Zeit. Mit ihrem großen Projekt stehen sie schließlich erst am Anfang.

„Mit 30 gründet man entweder eine Familie oder einen Verein“, sagt Marcel Flakowski, einer der beiden Skater. Der 29-Jährige hat sich für die zweite Variante entschieden und „Bautzen rollt“ mit ins Leben gerufen. 25 Mitglieder gehören schon dazu – und nun, mit der Fläche an der Autobahnbrücke, auch ein eigener Vereinssitz.

Angefangen hat alles 2011. Damals entdeckten die Skater die Brache an der Autobahnbrücke. Ängstlich bauten sie dort die erste kleine Rampe auf. „Wir haben damit gerechnet, dass es gleich Stress gibt“, sagt Marcel Flakowski. Doch der Ärger blieb aus. Also legten die Skater 2012 richtig los, stellten eine Rampe nach der anderen auf das Gelände, nutzen den Ort als Treffpunkt. Irgendwann kamen sie mit dem Besitzer der Fläche ins Gespräch. „Man hatte großes Verständnis für uns. Am Ende haben wir uns auf einen Pachtvertrag geeinigt“, sagt der 27-jährige Marcus Döring. Der Vertrag besteht seit September und ist für die Skater der Startschuss für etwas Großes.

Die Vereinsmitglieder wollen zunächst auf der Fläche aufräumen, den Müll beseitigen. Im Mai haben sie bereits einen Arbeitseinsatz geplant. Aus einem leeren Gebäude soll dann eine Skaterhalle entstehen, damit sie auch im Winter und bei Regen auf den Brettern stehen können. Außerdem wollen sie in der Halle einen glatten Betonboden aufbringen, auf dem auch Kinder und Jugendliche leicht fahren können. Weil das alles Geld kostet, sammeln sie Spenden. 1 700 Euro sind für die Pacht und die ersten Umbauprojekte bereits zusammengekommen. 5 000 benötigen sie.

Und das ist noch nicht alles. Die beiden träumen davon, dass auf dem Gelände irgendwann einmal Konzerte oder Lesungen stattfinden. Nicht nur Skater sollen sich dort treffen, sondern alle Menschen, die etwas gestalten wollen. „Wer zum Beispiel gärtnern will, kann das hier gern machen“, erklärt Marcel Flakowski.

Beim Skaten lernten sich die beiden kennen. 15 Jahre ist das her. Damals, so berichten sie, gab es einen richtigen Hype. Kaum ein junger Bautzener, der nicht aufs Brett steigen wollte. Doch die Begeisterung verflog bei einigen wieder, andere zogen weg. Immer weniger Jugendliche trafen sich zum Skaten. Die beiden Freunde blieben dabei. Heute geben sie Workshops und stellen fest, dass sich wieder mehr Jugendliche fürs Skaten interessieren.

Aber was macht den Reiz des Skatens aus? Die beiden überlegen kurz. „Es ist auch das Drumherum“, meinen sie dann. Diese Einstellung der Skater, die Offenheit allen Menschen gegenüber. Damals sei es egal gewesen, ob jemand in die Förderschule oder aufs Gymnasium ging. Beim Skaten waren sie alle Kumpels. Und das ist auch noch heute so. „Wenn du in einem fremden Land auf andere Skater triffst, wirst du sofort geduzt. Das gehört zu dieser Szene einfach dazu“, erklärt Marcus Döring.

Beide Männer stammen aus Bautzen, arbeiten mittlerweile aber als Sozialarbeiter in Dresden. Dass einer von ihnen noch in Bautzen wohnt, der andere regelmäßig seine Heimatstadt besuchen kommt, hat vor allem etwas mit dem Grundstück an der Teichnitzer Straße zu tun. Ohne dieses Projekt hätten sie Bautzen vielleicht schon für immer den Rücken gekehrt. „Es ist ein gutes Gefühl, dass wir hier selbst etwas in die Hand nehmen können. Dass wir eben nicht einfach alles so lassen, wie es ist“, sagt Marcel Flakowski.

Bei all dem Spaß, den sie am Gestalten der Fläche haben, ist den Skatern aber eines wichtig: Bautzens Oberbürgermeister hatte angekündigt, eine Skaterhalle zu errichten. Und das soll er auch umsetzen. Die Fläche des Vereins könne eine solche Anlage nicht ersetzen. „Wenn die Stadt zum Beispiel im Gesundbrunnen so eine Möglichkeit schafft, könnte ich mir vorstellen, dass dort noch viel mehr Jugendliche hinkommen“, sagt Marcel Flakowski, der den Oberbürgermeister persönlich an dieses Versprechen erinnern will.

Mehr Informationen zum Verein gibt es im Internet unter www.facebook.com/bautzen.rollt

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