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Freitag, 02.03.2018

Der Team-Check vor dem Pokalfinale

Viele Experten sehen die DSC-Volleyballerinnen klar im Vorteil, der SZ-Vergleich zeigt: Es wird am Sonntag ganz eng.

Von Alexander Hiller

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Damals durfte auch Katharina Schwabe über den Pott jubeln. Im jüngsten Punktspiel gegen Wiesbaden (3:0) ballerte sie Stock unabsichtlich einen Ball ins Gesicht.
Damals durfte auch Katharina Schwabe über den Pott jubeln. Im jüngsten Punktspiel gegen Wiesbaden (3:0) ballerte sie Stock unabsichtlich einen Ball ins Gesicht.

© Robert Michael

Lisa Stock ballt die Faust. Der 23-jährige Libero vom VC Wiesbaden holte als einzige Spielerin ihres Teams bereits den DVV-Pokal. Vor zwei Jahren mit dem DSC.
Lisa Stock ballt die Faust. Der 23-jährige Libero vom VC Wiesbaden holte als einzige Spielerin ihres Teams bereits den DVV-Pokal. Vor zwei Jahren mit dem DSC.

© Jan Huebner

Auf dem Papier ist die Rollenverteilung vor dem Finale um den Pokal des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) ziemlich klar. Den etablierten Spitzenklub Dresdner SC, derzeit Tabellenzweiter der Bundesliga, dürften viele Experten vor dem Endspiel am Sonntag, 16.30 Uhr, in der Mannheimer SAP-Arena gegen den VC Wiesbaden (4.) in der Favoritenrolle sehen. Das sieht der DSC naturgemäß anders, zumal Wiesbaden am vorigen Wochenende den amtierenden deutschen Meister Schwerin mit 3:2 entzauberte. Auswärts. Die SZ vergleicht die beiden Pokalfinalisten.

Zuspiel


Vielleicht das größte Plus für den fünffachen deutschen Meister aus Dresden. Zieht die routinierte Mareen Apitz wie gewohnt souverän die Spielfäden, läuft es meistens rund. Falls die 30-jährige Dresdnerin eine Pause braucht, steht mit der US-Amerikanerin Madison Bugg (23) eine nahezu gleichwertige, talentierte Stellerin bereit.

VC-Regisseurin Irina Kemmsies (21) liegt im ligaweiten Ranking für die Zuspieleffizienz aus eigener Annahme auf Rang acht, Apitz und Bugg auf Position zwei und drei. Auch die internationale Erfahrung spricht für die 135-fache Nationalspielerin Apitz, die den Pott mit dem DSC 2010 schon einmal gewann.

Punkt für den DSC: 1:0

Diagonal


Die Statistik spricht auch auf dieser Position deutlich für Dresden. Neuzugang Piia Korhonen ist die beste Punktesammlerin der Bundesliga. Die 21-jährige Finnin holte bislang 324 Punkte. Allerdings ist Kimberly Drewniok (240) als Linkshänderin wohl noch eine Spur unausrechenbarer und in Topform. Die stellte das 20-jährige deutsche Top-Talent am Sonntag mit 23 Punkten gegen Schwerin unter Beweis.

Unentschieden: 1,5:0,5

Außenangriff


Hier ist der VC Wiesbaden individuell ein wenig besser aufgestellt. Tanja Großer und Karolina Bednarova punkten effektiver als ihre DSC-Gegenüber Katharina Schwabe und Eva Hodanova.

„Uns fehlt im Außenangriff etwas die Durchschlagskraft“, hatte Trainer Alexander Waibl jüngst bemängelt. Vor allem gegen Teams auf Augenhöhe ist der vermeintliche Schwachpunkt im Moment augenscheinlich. Allerdings kann DSC-Spielführerin Katharina Schwabe an guten Tagen jeden Block zur Verzweiflung bringen und mit spektakulären Punkten immer wieder emotionale Highlights setzen und ihr Team mitreißen.

Plus für Wiesbaden: 1,5:1,5

Mittelblock

Die große Stärke des vierfachen Pokalsiegers aus Sachsen: Mit der deutschen Nationalspielerin Barbara Wezorke (24), der Serbin Ivana Mrdak (24) und Slowenin Sasa Planinsec (22) hat Waibl ein Trio von internationalem Format zur Verfügung, das sowohl in der Blockarbeit als auch im Schnellangriff durch die Mitte ligaübergreifend überragende Statistikwerte abliefert.

Vor allem Mareen Apitz beliefert das jeweils eingesetzte Mittelblock-Duo immer wieder mit kurzen und damit kaum abzuwehrenden Pässen. Auf dieser Position hat der VC Wiesbaden zwar die Serbin Tanja Sredic (neun Punkte gegen Schwerin) nachverpflichtet, die ist in Mannheim jedoch nicht spielberechtigt, weil sie im Halbfinale noch nicht zum Kader gehörte.

Vorteil DSC: 2,5:1,5

Libero


Beide holten 2016 gemeinsam den Pokal nach Dresden – als Libero Nummer eins und zwei. Jetzt stehen sich Myrthe Schoot (29/DSC) und Lisa Stock (23/Wiesbaden) auf verschiedenen Seiten des Netzes als Führungsspielerinnen gegenüber. In der Quote der perfekten bis guten Annahme unterscheiden sich beide kaum. Schoot kommt auf 46,6, Stock auf 45,9 Prozent.

Das Zünglein an der Waage könnte hier die Erfahrung sein. Vize-Europameisterin Myrthe Schoot kennt alle Tricks und Kniffe, Höhen und Tiefen. Stock spielt sich gegen ihren Ex-Verein aber auch gern in einen Rausch, muss allerdings aufpassen, dass sie emotional nicht überdreht.

Unentschieden: 3:2

Die Trainer


Die Erfolge sprechen deutlich für Alexander Waibl. Der 49-jährige Schwabe führte den Dresdner SC zum Triumph im Europapokal (2010, Challenge-Cup), drei Meistertiteln in Folge und zwei Pokalsiegen.

Der 53-jährige VC-Coach Dirk Groß verfügt über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Der Hesse arbeitete als Nationaltrainer für die Schweizer Juniorinnen-Auswahl, für die Schweizer Spitzenklubs Kanti Schaffhausen und Volley Könitz sowie als Nachwuchs-Bundestrainer im DVV. Als Co-Trainer des Schweriner SC wurde er schon einmal deutscher Meister. Ein Titel mit Wiesbaden fehlt ihm noch.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Kribü

    Als großer Fan der DSC-Volleyballerinen wünsche ich dem Team für das Pokalendspiel alles Gute und hoffe, dass das große Saisonziel, der Pokalsieg, erreicht wird. Doch im Sport kann es nicht nur einen Sieger geben. Die Analyse deckt sich mit meinen Einschätzungen. Unsere Dresdnerinnen haben zuletzt zweimal gegen die „Übermannschaft“ aus Stuttgart und auch beim amtierenden Meister in Schwerin ihre derzeitigen Grenzen deutlich aufgezeigt bekommen. Das waren schon drei „bittere Niederlagen“ mit deutlichem Ausgang! Die Wiesbadener sind in der scheinbaren Außenseiterrolle für mich sogar im Vorteil. Deren Generalprobe zuletzt mit dem Sieg in Schwerin würde ich als Vorteil sehen und somit stehen die analysierten Chancen 3:3. Die Tagesform wird die Entscheidung bringen. Ob dazu Daumen drücken hilft?

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