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Donnerstag, 11.01.2018

„Der Schmerz ist unermesslich“

Schwere Stunden in Kandel: Bei einem Trauergottesdienst gedenken viele Menschen der im Dezember getöteten 15-jährigen Mia. Der Pfarrer findet Worte des Trosts. Aber mancher ist unversöhnlich.

Von Jasper Rothfels

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Besucher des Gottesdienstes am 11. Januar vor der St. Georgskirche in Kandel.
Besucher des Gottesdienstes am 11. Januar vor der St. Georgskirche in Kandel.

© dpa

Kandel. Ein Ort trauert. Gut zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod der 15-jährigen Mia in Kandel sind am Donnerstag mehrere Hundert Menschen in die St. Georgskirche gekommen, um Abschied von dem Mädchen zu nehmen. Es sind Verwandte, Bekannte und Freunde oder einfach nur Bürger des Ortes, die gefasst oder mit Tränen im Blick das Foto von Mia neben dem Altar betrachten. Ein freundliches Mädchen, das nun auf dem Kandeler Friedhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Pfarrer Arne Dembek spricht aus, was viele denken: „Fassungslos stehen wir da und begreifen, wie ohnmächtig wir sind.“ Er hat das Mädchen vor nicht einmal zwei Jahren konfirmiert.

Aber Dembek scheint nicht verloren inmitten des Schmerzes und der Seelen-Pein, die ihn umgeben. In klaren Worten schafft der 42-Jährige es, auf die Gefühle der Eltern einzugehen, an das Mädchen zu erinnern - und vor der negativen Kraft von Vorurteilen zu warnen.

Das scheint in diesen Tage besonders wichtig in Kandel, wo nach dem Tod der 15-Jährigen eine Flut von Hassbekundungen und Drohungen über Menschen hereingebrochen ist, die sich mit Flüchtlingen befassen. Denn Mia soll durch die Hand eines Flüchtlings gestorben sein - eines jungen Afghanen, mit dem sie bis wenige Wochen vor der Tat zusammen war.

In warmen Worten spricht Dembek von dem Mädchen, das immer seinen eigenen Kopf gehabt, das die Eltern furchtlos und schwindelfrei auf die österreichischen Berge begleitet habe und das Tiere geliebt habe. Mia habe klar und ehrlich zu sich und anderen sein können, ein verschmitztes Lächeln und ein ansteckendes Lachen gehabt. Sie war auf einer neuen Schule, schrieb gute Noten. „Es hätte nicht mehr lange gedauert, und sie wäre ihre eigenen Wege gegangen - eine starke, junge Frau, der Stolz der Eltern. Es ist anders gekommen“, sagt der Geistliche in Richtung der Verwandten. „Der Schmerz ist unermesslich.“

Auch der Leiter von Mias neuer Schule, Rainer Sprotte, beklagt den Verlust. „Wir alle, die gesamte Region hat ihr Gleichgewicht verloren und kann nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagt er. Mia sei bei ihren Mitschülern wegen ihrer ruhigen und freundlichen Art sehr beliebt gewesen. Sie war stellvertretende Klassensprecherin, fleißig und hilfsbereit. „Wir werden sie sehr vermissen“, sagt Sprotte.

Am Ende hat der Gottesdienst, in dem der Sänger Johan Günther unter anderem das Lied „Hallelujah“ vorträgt, manchem tatsächlich so etwas wie Trost gespendet. Es sei eine würdige und für viele befreiende Trauerrede gewesen, sagt ein 49-Jähriger, der seinen Namen nicht nennen will.

Doch nicht alle sind versöhnt. Auf der Hauptstraße des knapp 10 000 Einwohner zählenden Ortes sagt ein Passant auf die Frage nach seinen Gefühlen: „Das wollen Sie nicht wissen, was ich da sagen würde.“ Und nach einigem Zögern: „Alle Ausländer raus!“ Ein 60-Jähriger sagt, die Tat sei völlig inakzeptabel, aber: „Sowas passiert überall auf der Welt.“ Deutschland habe viele Waffen ins Ausland verkauft, auch deshalb gebe es viele Flüchtlinge. „Ein Thema, das man nicht in zehn Minuten diskutieren kann“, sagt er. (dpa)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Anke

    Wie kann es sein, dass bestimmte Menschen, die vor Gewalt und Unrecht fliehen, als Schutzsuchende in ihrem Zufluchtsland selber Gewalt und Unrecht praktizieren? Was können wir in Zukunft tun, damit sich solche schrecklichen Taten nicht wiederholen?

  2. Der Schweißer

    @Anke: Weil es einfach das Frauenbild des Islam ist. Verhindern lässt sich sowas bestimmt nicht mit Gendergaga, Teddybärenwerfen und Indoktrination der weiblichen Teenies im KiKa.

  3. Dresdnerin

    Ich finde es nicht tröstlich, wenn die Trauergäste erst mal darauf hingewiesen werden, dass nicht alle Flüchtlinge gewalttätig sind (Quelle: Welt). Dies hat meines Wissens niemand behauptet und Trauernde erst mal für unmündig zu erklären und ihnen Verallgemeinerung zu unterstellen, ist in meinen Augen Opfer verhöhnend. Laut Sozialpsychologie ist es das Dominanzstreben und nicht die Ängstlichkeit eines Menschen, was anfällig für Extremismus und Fremdenfeindlichkeit macht. Gewaltopfer und Angehörige sind also nicht per se extremismusgefährdet und müssen nicht unter Generalverdacht gestellt werden!

  4. L.T.

    Kandel? War da was? Sicher nur ein Einzelfall regionaler Bedeutung ...

  5. herzdame

    Ein typischer ...Presseartikel: anmaßend, belehrend, Einfluss nehmend. Die Betroffenen vor Vorurteilen zu warnen. Hätten sie sie nur gehabt, da es ja nicht der erste Einzelfall ist. Die Formulierung "soll gestorben sein" ist an Perfidität nicht zu überbieten und verhöhnt jeden Leser. Verniedlichung und herunter spielen: "passiert überall auf der Welt". Alle Muster eingehalten, das ist nur noch Geschreibsel und kein Journalismus mehr.

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