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Freitag, 10.03.2017

Der Preistreiber

Stefan Kutschke ist Dynamos erfolgreichster Torjäger – doch seine hohe Trefferquote hat auch einen Haken.

Von Sven Geisler

Dynamos bange Frage: Kann Stefan Kutschke im Sommer auch dem 1. FCNürnberg die Zunge rausstecken?
Dynamos bange Frage: Kann Stefan Kutschke im Sommer auch dem 1. FC Nürnberg die Zunge rausstecken?

© Robert Michael

Er ist die personifizierte Torgarantie. Stefan Kutschke trifft derzeit bei Dynamo Dresden nicht nur regelmäßig, sondern in Aue und gegen Kaiserslautern gleich doppelt. Seine beachtliche Trefferquote: elf in der zweiten Liga, zwei beim Sensationssieg über RB Leipzig im DFB-Pokal. „Diesen Lauf möchte ich natürlich so lange es geht fortführen“, sagt der Stürmer. Das wäre sicher wünschenswert. Einerseits. Andererseits treibt er so selber den Preis in die Höhe.

Kutschke ist nur ausgeliehen, müsste zum 1. Juli zurück nach Nürnberg, weil er dort einen Vertrag bis 2018 hat. Doch er will lieber in Dresden bleiben, in seiner Heimatstadt und bei seinem Lieblingsverein. Das hatte er schon während der Winterpause deutlich gesagt und meint deshalb jetzt nur: „An der Aussage gibt es nichts zu korrigieren.“ Dynamo sei sein erster Ansprechpartner, und das habe er den Verantwortlichen mitgeteilt. Es dürfte für die Dresdner alles andere als leicht werden, die Ablösesumme zu stemmen. Die ist frei verhandelbar – und die Nürnberger wissen natürlich, was ein guter Zweitliga-Torjäger wert ist. Sie haben in der Winterpause Guido Burgstaller, der bis dahin 14-mal getroffen hatte, für 1,5 Millionen Euro an den FC Schalke 04 verkauft.

Kein Kontakt mit Nürnberg

Allerdings dürfte es in den Verhandlungen eine Rolle spielen, dass Kutschke vor der Ausleihe nach Dresden im Januar 2016 bei den Franken schon aussortiert worden war, sich ins Profi-Training einklagen musste. Und das Verhältnis ist nach wie vor unterkühlt, sofern es überhaupt eins gibt. „Es ist nicht so, dass es eine Verbindung gibt und sie nachgefragt haben: Stefan, wie geht’s?“, sagt der 28-Jährige. Er geht nicht davon aus, dass sich daran nach der Entlassung von Alois Schwartz als Chefcoach in dieser Woche etwas ändert.

Dynamo hat dem „Club“ bereits ein Angebot gemacht, wie Sportvorstand Ralf Minge auf Nachfrage der SZ bestätigt: „Unsere Intention ist hinterlegt.“ Über die Höhe oder eine mögliche Schmerzgrenze lässt er sich nichts entlocken. „Das ist schon ein bisschen komplexer“, meint er. Uwe Neuhaus ist sich aber sicher: „Der Ralf weiß schon genau, wie weit er gehen muss. Das brauche ich ihm nicht zu sagen.“

Kutschke hofft, dass die Gespräche „positiv verlaufen“, sich die Vereine also auf seinen Verbleib bei Dynamo einigen. Bis dahin könnte es aber noch dauern. Minge spricht von einer „Hängepartie“, in der es für Nürnberg derzeit keine Veranlassung für einen Schnellschuss gebe. Auf die lange Bank schieben lassen will er das Thema jedoch nicht. „Wir sind nicht blauäugig, müssen uns auch nach rechts und links umschauen. Zu gegebener Zeit werden wir unsere Deadline benennen.“

Der Angreifer selbst soll davon unberührt einfach das weitermachen, was er am besten kann: Tore schießen. Nicht mal Minge will dieser Preistreiberei Einhalt gebieten. „Nein, nein!“, meint Kutschke und lacht. „Er sagt: Stefan, nimm’ alles mit, was kommt – so hilfst du auch dem Verein.“ Er hat selber keine richtige Erklärung für seine anhaltende Treffersicherheit, nicht mal ein Ritual, auf das er sie zurückführen könnte. „Ich genieße das Vertrauen, das in mich gesetzt wird.“

Damit wird auch seine Geduld belohnt. Anfangs fügte er sich klaglos in die Jokerrolle, erzielte in der Rückrunde der Aufstiegssaison in 15 meist verkürzten Einsätzen drei Treffer. „Im Sommer hieß es dann: Angriff.“ Doch zunächst behauptete Pascal Testroet den einzigen Platz in der Spitze, Kutschke durfte aber gegen seinen Ex-Klub aus Leipzig im Pokal ran, und seine Tore zum 2:2-Ausgleich machten den Sieg im Elfmeterschießen möglich. Damit sei es losgegangen, sagt er und meint, dass er sich Selbstvertrauen geholt hat.

Das konnte er auch während der Wintervorbereitung steigern, in den Testspielen erzielte er vier Tore. „Natürlich wirst du befreiter, wenn du merkst, du kommst in den Rhythmus, entwickelst eine gewisse Routine, einen Ablauf.“ Wie selbstbewusst Kutschke inzwischen ist, zeigte die Szene gegen Kaiserslautern, als er sich den Ball schnappte zum Elfmeter. „Es sagen ja viele, der Gefoulte sollte nicht schießen“, weiß er, „aber wenn man von einer Sache überzeugt ist, sollte man es auch tun.“

Er verwandelte sicher zum Ausgleich kurz vor der Pause, machte seinen zweiten Doppelpack perfekt. Schon in Aue hatte er zweimal getroffen, dort allerdings zweimal nach dem gleichen Schema: Ecke, Kopfball, Tor. Das könnte am Sonnabend wieder funktionieren, denn die größte Schwäche der in der Rückrunde noch sieglosen Würzburger Kickers sind die Standards. Insgesamt zwölf der 24 Gegentreffer kassierten sie nach einem ruhenden Ball. „Natürlich gibt es einen Plan und Lösungsansätze“, sagt Kutschke, „aber es wäre fatal, den vorher zu verraten.“

Er weiß, dass er sich auf rustikale Abwehrarbeit einstellen muss, aber die „Kanten“ schrecken den 1,94 Meter großen Stürmer nicht. „Ich glaube, dass mir das eher liegt als ein filigraner Innenverteidiger.“ Aufhalten lassen will er sich in seinem Lauf sowieso von niemandem, auch nicht von der nun gestiegenen Erwartungshaltung. Die empfinde er als positiven Druck, „mit dem ich gerne umgehe und dem ich mich gerne stelle“.

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