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Montag, 13.11.2017

Der Naturfreund für Schiebock

Wolfgang Oldorf kümmert sich mit seinen Mitstreitern um Teiche, Tiere und Pflanzen. Er hat aber auch einiges mit den Gärten der Bischofswerdaer vor.

Von David Berndt

Wolfgang Oldorf ist der Vorsitzende der neuen Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) in Bischofswerda. Der Großdrebnitzer hat sich Schafe angeschafft und das nicht nur zum Streicheln.
Wolfgang Oldorf ist der Vorsitzende der neuen Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) in Bischofswerda. Der Großdrebnitzer hat sich Schafe angeschafft und das nicht nur zum Streicheln.

© Steffen Unger

Bischofswerda. Auf die Frage, warum er ausgerechnet Schafe hat, kontert Wolfgang Oldorf aus Großdrebnitz: „Warum nicht?“ Eine richtige Antwort gibt er nicht, verrät aber immerhin, was mit einigen Tieren passieren wird und dass dabei ein Fleischer eine Rolle spielt. Oldorf ist da Pragmatiker, und so hält er es auch mit seiner Arbeit für den Naturschutzbund (Nabu) in und rund um Bischofswerda. „Wir sind Generalisten und wollen die Menschen hier mit unseren Themen erreichen.“ Mit wir meint der 63-Jährige die Ortsgruppe Bischofswerda, die sich Anfang April gegründet hat. Oldorf ist Vorstandsvorsitzender. Von ihm kam die Initiative zur Gründung.

Das hat aber auch mit Eva Mey aus Großharthau zu tun, erzählt Oldorf, der vor fünf Jahren aus dem Schwarzwald hierher kam, weil seine Schwester damals in Kamenz lebte. „Ich hatte mich anfangs bei der Ortsgruppe in Kamenz engagiert, wollte mich aber näher an meinem Wohnort und auch mit anderen Themen einbringen“, sagt der Diplomagraringenieur mit Doktortitel, der sich im Gegenzug zu den vielen Ornithologen in Kamenz viel besser mit Fischen auskennt und eher als Multiplikator betrachtet. Er lehrte und forschte zu Beginn seiner Laufbahn an der Uni Göttingen, und als es kein Geld mehr für seine Stelle gab, wurde Oldorf zum freiberuflich planenden Ingenieur für Fischzuchtanlagen. Mittlerweile ist er im Vorruhestand.

Irgendwann kam der Kontakt zur jetzigen zweiten Vorsitzenden der Ortsgruppe, Eva Mey, zustande. Sie kümmerte sich bereits um die Lobchenteiche in Großharthau, aber allein wäre es der Diplombiologin wohl kaum gelungen, das brachliegende Gelände wieder begehbar zu machen. So hatte die Ortsgruppe Bischofswerda noch vor ihrer Gründung eine Basis gefunden, repariert fleißig Zu- und Abläufe und entwuchert das Gelände, denn Wolfgang Oldorf und Co haben noch viel vor, vor allem mit dem größeren der beiden Teiche. Es soll mal Führungen für Kitakinder und Schüler geben, bei denen Fischotter, Kraniche und Gelbbauchunken zu entdecken seien. Und die Röderteiche sowie der Schwarzteich sollen auch noch dazukommen. Alle diese Gewässer gehören dem bundesweit agierenden Nabu, der für seine Mitglieder nicht nur vor Ort solche Objekte kauft und ihnen die Nutzung überträgt. Ina Ebert, Sprecherin des Nabu Sachsen, ist begeistert von der bisherigen Arbeit in Schiebock. „Die Nabu-Gruppe Bischofswerda ist von Beginn sehr aktiv, organisierte bereits zahlreiche Veranstaltungen und präsentiert sich mit eigener Internetseite.“

Das dürfte auch so bleiben, denn viel vor hat Wolfgang Oldorf auch mit den Gärten der Leute rund um Bischofswerda, auch wenn die noch nichts davon wissen. Er fängt damit in den Gärten an, die viel zu ordentlich, ja fast schon steril seien oder wie Oldorf es am liebsten jedem zurufen würde: „Hört auf, Eure Gärten zu putzen wie ein Klo!“ Das Gras dürfe auch mal wachsen und müsse nicht ständig gemäht werden, Stauden sollten sich breitmachen und blühen, um Lebensräume für Insekten zu schaffen. Überall englischer Rasen bringe rein gar nichts. „Die Industrie will uns zwar ständig erzählen, was alles weg muss, weil sie ihre Produkte verkaufen will, aber das ist meistens nicht im Interesse der Natur“, sagt der Großdrebnitzer. Deswegen findet er es auch toll, dass der Agrarbetrieb aus seinem Ort seit Mai dabei ist, auf ökologischen Landbau umzustellen. „Das habe ich mit Freude gesehen und gespürt. Auf den Feldern gibt es kein Totspritzen mehr.“

Vielen Menschen seien diese ganzen Zusammenhänge oft gar nicht bewusst, und deshalb will die Nabu-Ortsgruppe darüber informieren. Nicht alle Mitglieder sind, wie Oldorf und Mey, Leute vom Fach und das sei auch gar nicht notwendig. „Letztlich sind es einfach Naturfreunde. Wir haben zum Beispiel eine Bankkauffrau, wir haben Handwerker und jeder hat seine Vorlieben und Interessen.“ Wer Interesse habe mitzumachen, könne zu den monatlichen Treffen ins Schiebocker Stübel kommen oder sich bei Wolfgang Oldorf melden. Alle Infos dazu stehen auf der Homepage. „Momentan stehen wir bei 76 Mitgliedern, aber von denen sind nicht alle aktiv. Wir sind ein Kollektiv und keine Ein-Mann-Show. Es ist unglaublich, wie sich die Leute engagieren in ihrer Freizeit.“

www.nabu-biw.de