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Samstag, 12.08.2017

Der Klimawandel und die Folgen

In der Oberlausitz wird es heißer und trockener. Die Region steht schon jetzt vor ganz neuen Herausforderungen.

Von Sebastian Kositz

Die Statistik belegt, dass es in der Oberlausitz immer mehr heiße Sommertage gibt, zudem treten immer mehr Dürreperioden auf. Zugleich warnen Fachleute vor mehr Unwettern und Starkregenereignissen und fordern deshalb Politik und Wirtschaft zum Handeln auf.
Die Statistik belegt, dass es in der Oberlausitz immer mehr heiße Sommertage gibt, zudem treten immer mehr Dürreperioden auf. Zugleich warnen Fachleute vor mehr Unwettern und Starkregenereignissen und fordern deshalb Politik und Wirtschaft zum Handeln auf.

© Uwe Soeder

Radeberg. Heiße Sommertage und anhaltende Trockenheit, im Gegenzug mehr Starkregen und Unwetter – das Klima in der Region hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Eine Tatsache, die jetzt auch durch den aktuellen Energie- und Treibhausgasbericht des Landkreises Bautzen gestützt wird. Zugleich fordert die Studie zum Handeln auf. Denn durch die Klimaveränderungen steht die Region plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen.

Die Statistik: Höhere Temperaturen, längere Dürrephasen im Landkreis

Augenscheinlich lassen die Zahlen keine sehr großen Unterschied erkennen. Um 0,6 Grad Celsius ist zwischen 1990 und 2010 die Jahresmitteltemperatur im Kreis Bautzen gestiegen, hat sich der Wert von 8,7 Grad Celsius auf 9,3 Grad erhöht. Doch der kleine Unterschied hat weitreichende Folgen. Die Anzahl der Sommertage – also jene Tage, an denen die Temperaturen über 25 Grad klettern – hat in dem genannten Zeitraum deutlich zugenommen. Statt 34 gibt es jetzt im Schnitt 41 Sommertage.

Zugleich belegen die Statistiken mehr Trockenheitsperioden. Die Oberlausitz ist davon im sachsenweiten Vergleich sogar überdurchschnittlich betroffen, wie Dr. Johannes Franke vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, erklärt. Auf Zahlen dieser Behörde beruhen die Ausführungen im Energie- und Treibhausgasbericht. Demnach hat sich die Häufigkeit der meteorologischen Rahmenbedingungen für starke oder extreme Trockenheit im Vergleich mit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nach Worten des Klimaforschers verfünffacht.

Die Ursachen: Fachleute sehen Hauptschuld beim Menschen

Der Energie- und Treibhausgasbericht des Kreises benennt die von den Menschen verursachte Treibhausgaskonzentration als Hauptursache für die seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachtete Erwärmung. „Das lässt sich nicht leugnen und ist wissenschaftlich belegt“, sagt Jürgen Besold von der Energieagentur des Landkreises, die hinter dem Bericht steckt. Die aktuellen Treibhausgaswerte seien in den vergangenen 800 000 Jahren so nie vorgekommen.

Die Folgen: Das Hochwasserrisiko in Ostsachsen nimmt deutlich zu

Tatsächlich haben sich laut Dr. Johannes Franke die jährlichen Niederschlagsmengen kaum verändert. Aber: Während es im Frühjahr heute im Schnitt weniger regnet, kommt es im Sommer viel öfter zu Starkregen. Die Risiken für Überschwemmungen nehmen zu, allen voran kleine Bäche drohen mit verheerenden Folgen über die Ufer zu treten. Zugleich bedeuten die Trockenheitsperioden Probleme für Landwirtschaft. Die Zunahme der heißeren Tage im Sommer bringt zudem gerade auch für ältere Menschen und Kinder eine deutlich erhöhte Belastung für den Kreislauf mit sich.

Die Herausforderungen: Klimaschutz, aber auch Schutz vor dem Klima

Für Jürgen Besold ergeben sich aus den Tatsachen zum Klima zwei wichtige Handlungsfelder für die Politik und Wirtschaft. Einerseits gehe es darum, das Klima zu schützen, indem der Treibhausgasausstoß möglichst minimiert wird. Zugleich müsse aber auch der Schutz vor dem Klima angepackt werden. Was den Treibhausgasausstoß betrifft, gibt es immerhin schon eine gute Nachricht. Denn seit 1990 ist der im Landkreis Bautzen um fast ein Fünftel gesunken. Während kurz nach dem Mauerfall die Statistik noch 10,7 Tonnen Treibhausgas je Einwohner und Jahr auswies, waren es 2014 nur noch etwas mehr als acht Tonnen. Bis 2020 sollen es weniger als acht Tonnen sein. „Ich gehe davon aus, das wir das Ziel erreichen“, so Jürgen Besold, der unter anderem auf erneuerbare Energien und energieeffizienteres Bauen setzt.

Indes sehen Fachleute auch Handlungsbedarf beim Schutz vor den Folgen der Klimaveränderungen. Von Klimaanpassung spricht Jürgen Besold, der dabei auf den Flutschutz als bekanntes Beispiel verweist und wo in den vergangenen Jahren bereits Millionen investiert worden. Doch die Forderungen von Fachleuten gehen weiter. In einer Klimastudie für den Raum Dresden war bereits die Schaffung von mehr Grünflächen im öffentlichen und privaten Bereich empfohlen worden. Der Landwirtschaft drohen Ernteverluste allen voran bei Sommerkulturen. Und auch die Industrie, deren Produktion auf Kühlung angewiesen ist, muss sich darauf einstellen, dass dafür künftig mehr Energie nötig sein wird.