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Dienstag, 24.01.2017

Der Ex-Kapitän fühlt sich abgeschoben

Marcel Rodman ist Anfang Januar nach Bietigheim gewechselt. Dabei wollte er seine Karriere bei den Eislöwen beenden, sagt er.

Von Sven Geisler

Hier saßen sie noch einträchtig und gut gelaunt nebeneinander: Marcel Rodman (l.) und Eislöwen-Trainer Bill Stewart. Das war beim Termin zum Mannschaftsfoto vor der Saison. Inzwischen ist ihr Verhältnis gestört.
Hier saßen sie noch einträchtig und gut gelaunt nebeneinander: Marcel Rodman (l.) und Eislöwen-Trainer Bill Stewart. Das war beim Termin zum Mannschaftsfoto vor der Saison. Inzwischen ist ihr Verhältnis gestört.

© Robert Michael

Bill Stewart ist nie um eine Antwort verlegen, und nicht selten holt der Trainer der Dresdner Eislöwen auch mal etwas weiter aus, erklärt bild- und gestenreich. Aber als die Sprache auf Marcel Rodman kommt, wehrt der Kanadier energisch ab: „No comment!“ Das Interview, das sein Ex-Kapitän dem Fachmagazin Eishockey-News gegeben hat, möchte er nicht kommentieren. Es scheint durchaus sinnvoll, dass sich Stewart bei dem Thema zurückhält, denn andernfalls könnte er sich in Rage reden.

Was Rodman nämlich von sich gegeben hat, wirft kein gutes Licht auf die Eislöwen. Demnach habe der 35 Jahre alte Slowene nicht mit einem Wechsel nach Bietigheim gerechnet. „Ich war nicht derjenige, der sich anderweitig nach einem Team umgesehen hatte“, sagt er. „Eigentlich dachte ich daran, meine Karriere in Dresden zu beenden, da wir uns dort sehr wohl gefühlt haben.“ Zugespitzt formuliert: Rodman fühlt sich abgeschoben. Erst am 8. Januar habe er vor dem Derby in Weißwasser erfahren, dass es sein letztes Spiel für die Blau-Weißen werden sollte. „Sicher war ich traurig, und es war nicht einfach, wenn du weißt, dass du kein Teil dieses Teams mehr bist“, sagte Rodman der Eishockey-News. Zum Abschied schoss er noch ein Tor.

Der Angreifer war im Sommer 2015 nach Dresden gekommen, hatte sich aber in der Vorbereitung schwer verletzt und musste wegen eines Bandscheibenvorfalls an der Halswirbelsäule operiert werden. Während seiner Zwangspause assistierte er Stewart an der Bande, zu Beginn dieser Saison bestimmte ihn der Coach zum Kapitän. Allerdings entzog er ihm das Amt Ende Dezember. Das war bereits ein Zeichen, dass er mit den Leistungen des Eishockey-Weltenbummlers unzufrieden war. Dahin ließ sich auch Stewarts Aussage zu Rodmans Wechsel nach Bietigheim deuten: Er habe bedeutenden Anteil an der positiven Entwicklung, trotzdem sei es wichtig, den nächsten Schritt zu gehen. Wie er das meinte, zeigt die Verpflichtung des sieben Jahre jüngeren Finnen Juuso Rajala.

Wie Rodman die Absetzung als Kapitän aufgenommen hat, sei dahingestellt, sie war jedoch ein Zeichen, dass sein Stellenwert im Team nicht mehr dieser Aufgabe entsprochen hat. Er behauptet nun im Interview: „Mein Agent informierte mich, dass mich das Team nicht mehr haben wollte, und eigentlich wollte ich Dresden nicht verlassen.“ Volker Schnabel, Eislöwen-Geschäftsführer, möchte Wechsel „grundsätzlich nicht im Nachgang in der Öffentlichkeit auswerten“, er sagt aber: „Rodman war bei uns mit einem Vertrag bis zum Saisonende ausgestattet und hat dem Wechsel seinerseits im Einvernehmen mit allen Parteien zugestimmt.“ Deshalb sei er „einigermaßen verwundert über seine Wahrnehmung des Transferprozesses“. Nach Informationen der SZ ist ihm der Klub sogar in privaten Belangen entgegengekommen, damit sein Sohn bis Sommer in Dresden zur Schule gehen kann.

Mit Bietigheim wurde Rodman 2013 bereits Meister in der DEL 2. „Hier hatte ich die wohl beste Zeit meiner Karriere“, sagt er – und strebt nun die Wiederholung mit den Steelers an. Am Dienstag, 19.30 Uhr, kommt er mit dem Tabellenführer zum Spitzenspiel nach Dresden. Ein Wiedersehen, das nicht nur Freude macht.

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