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Sonntag, 28.01.2018

Der Befreiungsschlag

Die Eislöwen glauben nach dem 7:4 gegen die Kassel Huskies an eine Kehrtwende und hoffen auf eine Erfolgsserie.

Von Maik Schwert

Endlich wieder jubeln: die Torschützen Alexander Höller und Nick Huard.
Endlich wieder jubeln: die Torschützen Alexander Höller und Nick Huard.

© Ronald Bonß

Alle zusammen. Der Aufruf des Stadionsprechers kommt an. „Auf geht’s, Löwen, kämpfen und siegen“, singen die meisten der 2 645 Zuschauer am Sonntagabend in der Dresdner Eishalle. Die Eislöwen tun ihnen den Gefallen – immer wieder. Dabei fängt auch dieses Duell gegen die Kassel Huskies im Auftaktabschnitt „beschissen“ an, sagt Steven Rupprich. Es dauert keine vier Minuten, da liegen die Dresdner durch André Reiß mit 0:1 hinten. Aber es kommt noch schlimmer. In der 5. Minute vergibt Alexander Höller einen Penalty – der vierte hintereinander, den ein Eislöwe nicht nutzt. In Unterzahl kassieren sie durch James Wisniewski das 0:2 (12.). Böse Erinnerungen kommen auf – an die drei Niederlagen in dieser Saison gegen den Angstgegner aus Hessen und die sechs Pleiten in den vergangenen sechs Spielen.

Mit jeder Menge Motivation

Doch dieses Mal läuft es anders. „Schießt ein Tor für uns“, skandieren die Fans. Das dauert zwar ein bisschen, aber irgendwann machen es die Dresdner. Thomas Pielmeier nutzt eine Überzahl zum 1:2 (17.). Auch, als sie durch Jens Meilleur im Mitteldrittel erneut mit zwei Toren hinten liegen, geben sie nicht auf (30.). In dieser Szene reagiert Eislöwen-Trainer Franz Steer stinksauer. Wild gestikulierend läuft er hinter der Bande auf und ab und rüttelt seine Mannschaft dadurch wach. „Wir haben immer an uns geglaubt“, sagt Höller. Dieses positive Denken verleiht Stärke. Nick Huard gelingt keine 60 Sekunden später wieder der Anschlusstreffer.

Mit jeder Menge Motivation gehen die Dresdner in den Schlussdurchgang. Sie treffen durch Höller, Rupprich (beide 42.) und Martin Davidek (54., 56.) viermal in Folge und drehen dieses Duell. Stefan Della Rovere schafft zwar noch eine Ergebniskorrektur (59.), aber Tadas Kumeliauskas macht mit seinem Treffer ins leere Tor in der gleichen Minute alles klar. 7:4 (1:2, 1:1, 5:1) steht es am Ende.

Dafür lässt Huskies-Coach Rico Rossi bei der Pressekonferenz auf sich warten. Er muss erst mal mit seinem Team in der Kabine einiges bereden. Dann zollt er den Eislöwen seinen Respekt. „Dresden hat gekämpft, war im letzten Drittel deutlich besser“, sagt er. 40 Minuten lang habe seine Mannschaft einen guten Auftritt gezeigt, aber dann sei sie ins offene Messer gelaufen, habe zu riskante Entscheidungen getroffen und vergessen, einfaches Eishockey zu spielen. „Wir müssen lernen, uns besser an unser Konzept zu halten.“

Das tun dieses Mal die Eislöwen. „Das Spiel hat wieder äußerst ungünstig angefangen“, drückt es Steer etwas gewählter als Rupprich aus. Kassel sei wie eine Rakete gestartet und habe seinem Team keine Zeit zum Luft holen gelassen. „Dann ist auch der Penalty nicht ins leere Tor gegangen.“ Das sei charakteristisch für die Aktionen seiner Mannschaft. Doch dieses Mal zeigt sie Charakter. „Wir haben es mit unserem Willen geschafft, das Spiel zu drehen.“ Das Team sei geschlossen zurückgekommen. Jeder habe sehr gut gearbeitet und zu 100 Prozent seinen Job gemacht.

Einen Spieler hebt er besonders heraus: Marco Eisenhut, „Denn für einen Goalie ist es in so einer Situation nicht leicht, ins Spiel zu kommen.“ Der Torhüter hält seine Mannschaft mal wieder im Spiel. Außerdem bedankt sich Steer bei den Zuschauern für deren Geduld. Schließlich hört er keine Trainer-raus-Rufe, sondern sieht am Ende stehende Ovationen.

„Wir haben mit den Fans im Rücken die Wende geschafft“, sagt Rupprich. Das Team habe Moral gezeigt und alles reingeschmissen. „In so einer schwierigen Situation und bei so einem schlechten Lauf ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und eine Einheit bilden.“ Auch nach dem 0:2 und 1:3 habe das Publikum die Mannschaft noch angefeuert. „Wir glauben an uns und die Fans auch. So macht Eishockey Spaß.“

Die Rückkehr der Spielfreude

Die Lust am Spiel spürt auch Höller wieder mehr. „Der Charakter in der Mannschaft ist intakt“, sagt er. „Viele haben uns ja schon abgeschrieben.“ Doch dieses Duell sei bezeichnend gewesen. „Wir sind zurückgekommen, haben es an uns gerissen, bestimmt und verdient gewonnen.“ Höller weiß aber auch: „Das war nur eine Partie und ein Erfolg.“ Von einem Befreiungsschlag will er noch nicht reden. „Wir müssen weiter hart trainieren. Dann können wir die Kehrtwende schaffen und eine Siegesserie starten.“ Es habe zwar wieder lange gedauert, bevor seine Mannschaft in Schwung gekommen sei. „Aber wir haben uns Chancen erarbeitet und sie auch verwertet.“ Die Ausbeute liegt bei 41:38 Schüssen höher als bisher und die Fehlerquote niedriger – zwei Gründe, die drei Punkte daheim gemeinsam mit den Fans zu feiern.

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