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Montag, 20.03.2017

Den Frühling im Blick

Seit fast 20 Jahren beobachtet Dieter Klix höchst amtlich das Wetter – auch, wenn die Messgeräte ohne ihn arbeiten.

Der Wettermann von Kubschütz: Dieter Klix arbeitet seit fast 20 Jahren ehrenamtlich für den Deutschen Wetterdienst. Obwohl die Messgeräte heutzutage vollautomatisch arbeiten, ist die helfende Hand des 75-Jährigen sehr gefragt.
Der Wettermann von Kubschütz: Dieter Klix arbeitet seit fast 20 Jahren ehrenamtlich für den Deutschen Wetterdienst. Obwohl die Messgeräte heutzutage vollautomatisch arbeiten, ist die helfende Hand des 75-Jährigen sehr gefragt.

© Uwe Soeder

Kubschütz. Jeden früh pünktlich um sieben zieht es Dieter Klix hinaus – egal, ob es stürmt oder blitzt oder schneit. Es sind nur ein paar Schritte von seinem kleinen Haus, das am Ortsrand von Kubschütz steht, vorbei an dem kleinen Wäldchen, in dem die wilden Schneeglöckchen blühen, bis hinauf auf die kleine Anhöhe, auf der die Messgeräte arbeiten: 232 Meter über Null.

Die Frühlings-Wetter-Rekorde in der Region

Über die Anhöhe pfeift der Böhmische Wind. Dieter Klix hat sich längst daran gewöhnt. Er wird das dann gleich aufschreiben. „Leicht böig“, wird er für diesen Morgen notieren. Aber jetzt muss er erst einmal nach den Geräten sehen. Hier auf der kleinen Anhöhe am Ortsrand von Kubschütz steht eine der ältesten Messstationen des Deutschen Wetterdienstes. Seit 1863 wird hier das Wetter beobachtet – anfangs nur mit einem Niederschlagsmessgerät, seit 1945 allumfassend.

Seit 1998 ist das kleine gut eingezäunte Stück Wiese mit den Messgeräten das Reich von Dieter Klix. Er hatte sich damals auf einen Aufruf des Deutschen Wetterdienstes gemeldet, der ehrenamtliche Wetterbeobachter suchte.

Dieter Klix schließt das Tor auf. Eigentlich hat er hier draußen nicht mehr viel zu tun. Seit 2004 arbeiten die Messgeräte alle vollautomatisch. Der 75-Jährige muss nur ab und zu sehen, ob der Bodentemperaturfühler noch im genauen Abstand zur Erde liegt, ob das Niederschlagsmessgerät zu leeren ist und alle Geräte in Ordnung sind. Er muss nicht mehr wie früher dreimal am Tag alle Daten ablesen und zum DWD nach Potsdam übermitteln. Aber der morgendliche Kontrollgang zu seiner Station steckt im Blut. Auch, weil Dieter Klix diesen herrlichen freien und weiten Blick liebt, der er von der Anhöhe aus ins Oberlausitzer Bergland hat. Weil die Sonnenaufgänge von hier oben aus so schön sind.

Den Frühling liebt Dieter Klix ganz besonders. Er liebt es, wenn die Natur erwacht. Jeden Morgen ein Stückchen mehr. Jede einzelne Blume guckt er sich an, jeden Vogel kann er beobachten. „Dieses Jahr ist der Frühling wieder besonders schön“, schwärmt Dieter Klix. Für die Meteorologen hat er ja nicht am 20., sondern schon am 1. März begonnen. Am 4. März hat die Station in Kubschütz schon 15,1 Grad Höchsttemperatur gemessen und ein Tagesmittel von über zehn Grad.

Daten gehen automatisch nach Potsdam

Dieter Klix genießt noch mal den Blick übers Bergland, dann geht er zurück ins Haus und schaltet den Wettercomputer ein. Nur zur Sicherheit. Die Daten aus den Messgeräten sind längst automatisch in Potsdam registriert. Nur wenn Schnee liegt, muss er noch selber ran, muss die Höhe der Schneedecke messen und den Schnee abwiegen, um das Wasseräquivalent zu ermitteln: Für den ehemaligen Physik- und Astronomielehrer kein Problem.

Die Messdaten aus Kubschütz dienen dem Deutschen Wetterdienst nicht nur zur Wetter- und Klimaüberwachung, sie werden auch für Vorhersagen, Wetterwarnungen, Gutachten und Auskünfte hinzugezogen und für die meteorologische Forschung benötigt. Die Messwerte landen auch in den Datenbanken von Oda Thiessen-Thom im Regionalen Klimabüro. Aus den jahrelangen Statistiken kann die Meteorologin viel Staunenswertes herauslesen: welcher Frühlingsanfang der Wärmste oder der Kälteste war, wann der meiste Schnee lag oder am längsten die Sonne schien.

Und auch die Statistiken aus Kubschütz zeigen: Es wird im Trend immer wärmer. Die Anzahl der Frosttage mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nimmt in den Frühlingsmonaten tendenziell ab. Die Zahl der Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad dagegen steigt stetig.

„Wind: leicht böig“ schreibt Dieter Klix jetzt auf sein A4-Blatt „März 2017“. Akribisch protokolliert der Rentner bis heute täglich Höchst- und Tiefsttemperaturen, Niederschläge und sonstige Wetterbesonderheiten. „Wenn ich mal aufhöre“, sagt er, „übergebe ich das alles der Gemeinde.“ Die dicken Hefter sind ein kleiner Schatz.

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