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Montag, 19.06.2017

Debatten trotz Videobeweis

Auch mit der neuen Technik wird weiter heftig über Regelfragen diskutiert. Das Durcheinander zeigt der FIFA, dass es ein schwieriger Weg ist zur erhofften totalen Fußball-Gerechtigkeit - das gilt auch für die Bundesliga.

Bei jedem Confed-Cup-Spiel verfolgen zwei Videoreferees und ein Linienrichter in einem Raum im Stadion die Partie auf mehreren Bildschirmen.
Bei jedem Confed-Cup-Spiel verfolgen zwei Videoreferees und ein Linienrichter in einem Raum im Stadion die Partie auf mehreren Bildschirmen.

© dpa

Moskau. Gleich in den ersten Partien des Confederations Cups kommt die neue Videotechnik mehrfach zum Einsatz. Die Entscheidungen der Referees aus der Videobox sind völlig korrekt, dreimal werden sogar Fehler der Schiedsrichter in Russland korrigiert. Und doch gibt es für den Fußball-Weltverband noch einiges zu tun. Viele Fans sind überfordert und auch die Spieler nicht richtig glücklich. (dpa)

Fragen und Antworten

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Wie funktioniert der Videobeweis beim Confederations Cup?

Bei jedem Spiel verfolgen zwei Videoreferees und ein Linienrichter in einem Raum im Stadion die Partie auf mehreren Bildschirmen. Trifft der Schiedsrichter bei spielentscheidenden Szenen wie Tor, Elfmeter, Roter Karte oder der Bestrafung eines falschen Spielers eine aus ihrer Sicht falsche Entscheidung, kontaktieren sie ihn über Funk. Das Spiel wird unterbrochen und der Schiedsrichter zeichnet mit den Armen ein Viereck in die Luft: Das Symbol, dass der Videobeweis zum Einsatz kommt. Die Videoreferees können die Szene mit bis zu 34 verschiedenen Einstellungen checken. Ihr Urteil geben sie an den Referee weiter.

Muss der Schiedsrichter das Urteil der Videoreferees akzeptieren?

Nein. Der Schiedsrichter kann es sofort annehmen oder sich die Szene auf einem Bildschirm am Spielfeldrand nochmals anschauen. Letztlich trifft er auf dem Platz dann die letzte Entscheidung. Beim Confed Cup folgten die Schiedsrichter in allen vier Fällen sofort den Videoreferees und lagen damit richtig.

Warum gibt es jetzt doch wieder Aufregung?

Das Problem ist nicht der Videobeweis als solcher, sondern die technische Umsetzung. Tor oder kein Tor? Bis zur Antwort auf die Gretchenfrage des Fußballs verging am Sonntag in je zwei Fällen bei den Spielen Chile gegen Kamerun (2:0) und Portugal gegen Mexiko (2:2) sehr viel Zeit. 56 Sekunden, 2:09 Minuten, 1:08 Minuten, 1:05 Minuten - das ist für Fans wie Spieler zu lang. Das zweite Problem: Zuschauer im Stadion und am TV und auch Spieler wie Trainer fühlten sich schlecht informiert, warum überhaupt der Videoreferee zum Einsatz kam. Ratlos standen sie auf dem Rasen herum. Diese Komplikationen rütteln an dem Grundprinzip des Fußballs als einfachem Spiel.

Was sagt die FIFA zu den Problemen?

Der Weltverband hatte vorab schon gewarnt. Das System ist noch in der Testphase, Holprigkeiten sind nicht auszuschließen. Nach den Ernstfällen in Moskau und Kasan versuchte die FIFA mit Videos bei Twitter und Erklärungen auf ihrer Homepage die Sachlage zu erläutern. Statements von Chef-Referee Massimo Busacca waren vorerst aber nicht vorgesehen. Hinter den Kulissen wurde eingeräumt: Die Präsentation der Abläufe für Fans im Stadion und im TV ist verbesserungswürdig.

Wie geht es weiter mit dem Videobeweis?

Nach dem Confed Cup wird das System in einigen nationalen Ligen weiter getestet - auch in der Bundesliga! Dabei wird sich der Videobeweis im Fußball-Alltag bewähren müssen. Die Ergebnisse werden dann vom International Football Association Board (IFAB) bewertet. Nur die Regelhüter des Fußballs können entscheiden, ob und in welcher Form der Videobeweis dauerhaft Einzug in den Profifußball hält.

Wird jetzt jeder Bundesliga-Spieltag von Video-Diskussionen begleitet?

Die Deutsche Fußball Liga hatte sich freiwillig beim IFAB als Probe-Liga gemeldet. Schon in der vergangenen Saison liefen sogenannte nicht scharfe Tests mit Videoreferees ohne Kontakt zum Schiedsrichter und ohne Einflussmöglichkeit. Das wird nun anders. Mit etwa zwei bis drei Situationen rechnet man im Durchschnitt pro Spieltag - hitzige Debatten sind also programmiert. Interessant dürfte sein, ob die Liga aus den Problemen in Russland noch Konsequenzen zieht. Bislang ist nur ein Videoreferee pro Spiel vorgesehen, statt der drei beim Confed Cup. Diese Personalstärke wird von Insidern als kritisch bewertet, gerade wenn Entscheidungen schnell getroffen werden müssen. Dennoch sagte DFL-Direktor Ansgar Schwenken am Montag: „Wir fühlen uns aufgrund der umfangreichen Vorbereitungen gut gerüstet.“

Wird das System auch bei der WM im kommenden Sommer eingesetzt?

FIFA-Boss Gianni Infantino wünscht sich das. Die Entscheidung trifft aber auch hier das IFAB bei seiner Sitzung im März 2018. Frühestens dann könnte der Videoreferee in den Regelkatalog offiziell aufgenommen und für die WM verpflichtend gemacht werden.

Hier gibt es den Videobeweis schon

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Basketball:

Seit 2014 können die Schiedsrichter in der Bundesliga ihre Entscheidungen selbst über einen Monitor am Kampfrichtertisch überprüfen und gegebenenfalls ändern. Die Situationen, die angeschaut werden können, sind genau festgelegt - unter anderem: ob ein erfolgreicher Korb ein Wurf für zwei oder drei Punkte war oder ob die 24-Sekunden-Uhr bereits abgelaufen war. Auch international und in der NBA ist der Videobeweis üblich.

Eishockey:

Technische Hilfsmittel beim Torentscheid sind im Eishockey Normalität. Bei strittigen Entscheidungen kann der Schiedsrichter in einer Spielunterbrechung den Videobeweis nutzen. Dem Unparteiischen werden verschiedene Videobilder vom Torschuss gezeigt. In der DEL sind daher Übertorkameras Pflicht. Bei TV-Übertragungen werden auch die Wiederholungen der seitlichen und hinteren TV-Kameras zurate gezogen. Über Fouls wird nicht entschieden.

Handball:

Bei der WM 2017 war erstmals offiziell der Videobeweis im Einsatz. Neben der Kontrolle, ob ein Ball hinter der Linie war oder nicht, können die Schiedsrichter auch checken, ob die Spielzeit bereits abgelaufen war, als ein Tor erzielt wurde. Auch bei groben Fouls, die übersehen wurden, können sie die Technik nutzen.

Hockey:

Bei Turnieren des Hockey-Weltverbandes FIH gibt es zwei Arten von Videobeweisen: „Umpire Referral“ und „Team Referral“. Ein „Umpire Referral“ darf ausschließlich von den Schiedsrichtern angefordert werden. Hier geht es darum: Ist ein Tor korrekt erzielt worden oder nicht. Beim „Team Referral“ kann per Video geklärt werden, ob zum Beispiel eine Strafecke oder ein Siebenmeter-Entscheid berechtigt ist. Jedes Team hat das Recht, den Video-Referee einzuschalten. War der Einwand berechtigt oder kann keine abschließende Klarheit erzielt werden, behält das Team sein Einspruchsrecht. Wenn nicht, ist dieses Recht verwirkt.

Tennis:

Das Hawk-Eye ist im Tennis sehr populär, sowohl bei Spielern als auch bei Zuschauern. Jeder Spieler hat pro Satz dreimal die Möglichkeit, das Hawk Eye zu befragen. Lag der Schiedsrichter falsch, behält der Spieler seine drei Einspruchsmöglichkeiten. Liegt der Spieler falsch, verliert er einen Versuch.

Leichtathletik:

In der Leichtathletik sind bewegte Bilder bei Protesten als Beweismittel zugelassen - allerdings normalerweise erst nach den Wettkämpfen. Dann berät eine Jury im sogenannten Technischen Informationszentrum des Stadions oder der Halle über den Protest. Neben Videos sind auch andere Beweismittel zugelassen.

Fechten:

Im Fechten ist der Videobeweis längst Alltag und gehört zum Standardprogramm wie Parade und Riposte. Ein Fechter kann je Gefecht grundsätzlich zwei strittige Situationen via Technik klären lassen. Fällt die Entscheidung zu seinen Gunsten aus, darf er das beliebig oft anwenden.

Golf:

Im Golfsport ist der Videobeweis stark eingeschränkt worden. Die Regelhüter der Dachverbände USGA und R&A reagierten im April 2017 auf den Fall Lexi Thompson. Damals war einem TV-Zuschauer des Turniers in Kalifornien aufgefallen, dass die US-Amerikanerin ihren zuvor auf dem Grün markierten Ball an einer falschen Stelle niedergelegt hat. Der übereifrige Fan meldete sich daraufhin bei der US-Damen-Tour LPGA, und Thompson bekam nachträglich vier Strafschläge aufgebrummt. Dadurch verpasste Thompson ihren zweiten Major-Sieg. Nun werden Regelverstöße, die unter normalen Umständen nicht mit bloßem Auge zu sehen gewesen wären, nicht mehr per Videobeweis geahndet.

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