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Freitag, 29.12.2017 Jahresrückblick 2017

Das war das Sportjahr 2017

Es gab Aufstiege, Trainerwechsel, auch Abstiege. Zwei Sportler aus dem Landkreis träumen von Olympia 2018.

Von Frank Thümmler

Lokalsport-Rückblick 2017

Ein seltenes Bild aus der Kabine der Lausitzer Füchse: Die Daumen gingen nach dem letzten Hauptrunden-Heimspiel der Saison 2016/17 nach oben. Mit Platz sechs hatten sich die Füchse direkt für die Play-offs qualifiziert. Dieses Jahr wird es schwieriger.
Ein seltenes Bild aus der Kabine der Lausitzer Füchse: Die Daumen gingen nach dem letzten Hauptrunden-Heimspiel der Saison 2016/17 nach oben. Mit Platz sechs hatten sich die Füchse direkt für die Play-offs qualifiziert. Dieses Jahr wird es schwieriger.

© Thomas Heide

Landkreis. Das Sportjahr 2017 bot für die Sportler aus dem Landkreis Görlitz wieder die ganze Palette der Emotionen – unbändigen oder auch stillen Jubel nach Erfolgen wie bittere Enttäuschungen. Einen Überblick, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, bietet diese Seite.

Lokalsport-Rückblick 2017

Fußball

Der FC Oberlausitz Neugersdorf hat sich nach dem Aufstieg 2015 fest in der Regionalliga Ost etabliert. Nach Platz fünf im ersten Jahr sprang in der zweiten Saison in der vierten Liga der achte Platz heraus. Auch in der aktuellen Saison besteht keine akute Abstiegsgefahr. Aktuell belegt das Team den 13. Platz mit gerade einmal vier Punkten Rückstand auf Platz sechs. Außerdem haben die Neugersdorfer gute Chancen, das Sachsenpokalfinale zu erreichen, müssen dafür im Halbfinale den Landesligisten Radebeul ausschalten. Schlagzeilen machte der Trainerwechsel von Vragel da Silva zurück zum Aufstiegstrainer Manfred Weidner. Offiziell wurden sportliche Gründe genannt, gemunkelt wurde über die Nähe da Silvas zu einem dubiosen Spielervermittler in Brasilen.

Zwei Ligen tiefer, in der Landesliga, hat sich der FV Eintracht Niesky als Aufsteiger mit dem am Ende neunten Platz gut geschlagen. Aufstiegstrainer Gerd Seifert hörte danach auf. Sein Nachfolger Uwe Kuhl konnte weniger überzeugen. Seitdem das Trainergespann Paul Neumann/Anne Ritter übernommen hat, läuft es viel besser. Die Nieskyer überwintern auf dem achten Tabellenplatz.

Ein sensationell gutes Jahr 2017 hatte der FSV Oderwitz: ungeschlagener Kreismeister, Kreispokalsieger, Einzug ins Sachsenpokal-Viertelfinale mit einem Sieg über den Landesligisten Lößnitz und als Aufsteiger in der Landesklasse aktuell Tabellenzweiter, mit nur einer Niederlage in der ersten Halbserie und punktgleich mit dem Spitzenreiter FSV Neusalza-Spremberg. Der amtierende Vizemeister Rot-Weiß Bad Muskau ist auch noch in Reichweite. In der Kreisoberliga kämpfen derweil der VfB Weißwasser und der VfB Zittau um Titel und Aufstieg, während vom einstigen Aushängeschild NFV Gelb-Weiß Görlitz nicht viel übrig geblieben ist. Nach dem Rückzug aus der Landesliga 2016 scheiterte in diesem Jahr das Vorhaben, eine Mannschaft in der Landesklasse zu melden. In der Kreisoberliga geht es derzeit gegen den Abstieg.

Bei den Frauen ist der FC Silesia Görlitz Vize-Sachsenmeister geworden, hat aber auf den möglichen Aufstieg verzichtet. Die Frauen aus Spitzkunnersdorf behaupten sich seit Jahren mit eigenen Kräften in der Sachsenliga.

Handball

Dominierender Verein im Landkreis ist nach wie vor der SV Koweg Görlitz, gefolgt vom TBSV Neugersdorf. Die Görlitzer Frauen behaupten sich als Sechste in der Oberliga, der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Und die Koweg-Männer, die die vergangene Saison in der Sachsenliga auf dem Bronzeplatz beendet haben, haben als aktuell Dritter mit nur einem Punkt Rückstand auf den Spitzenreiter durchaus Titelchancen. Das Besondere (in diesen Spielklassen): Die meisten Spieler beider Teams kommen aus dem eigenen Verein.

Der TBSV Neugersdorf spielt mit beiden Mannschaften in der Verbandsliga, die Männer behaupten sich in dieser Liga ununterbrochen seit vielen Jahren, sind aktuell Tabellenachter, die Frauen haben gute Chancen, nach ihrem Wiederaufstieg in diesem Jahr die Klasse zu halten. Bei den Männern hat der SSV Stahl Rietschen als Ostsachsenmeister den Sprung in die Verbandsliga geschafft und behauptet sich punktgleich mit den Neugersdorfern gut – im Gegensatz zu ihren Vorgängern von Rot-Weiß Sagar, für die diese Liga auch wegen vieler Personalprobleme eine Nummer zu hoch war.

Eishockey

Die Lausitzer Füchse aus Weißwasser sind die einzige Profi-Sportmannschaft im Landkreis. In der vergangenen Saison gelang mit einer oft begeisternden offensiven Spielweise der direkte Einzug in die Play-offs der zweiten deutschen Eishockeyliga, wo im Viertelfinale allerdings Kassel zu stark war. Viele Spieler waren nach der starken Saison nicht zu halten. Mit einem erneuerten Kader lief es in dieser Saison bislang nicht so gut. Erfolgstrainer Hannu Järvenpää warf das Handtuch, Co-Trainer Robert Hoffmann übernahm den Chefposten. Seitdem zeigt der Trend nach oben. Die Play-offs sind immer noch drin.

Drei weitere Mannschaften spielen in der Regionaliga Ost, in der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Für die Nieskyer Tornados ist diese Klasse rein sportlich zu niedrig. Die Nieskyer sind erneut souveräner Regionalmeister geworden. Ein Aufstieg in die Oberliga, in der im festen Freitag-Sonntag-Spielrhythmus gespielt wird, ist für die Nieskyer Amateure aber nicht machbar. Die zeitliche Belastung für die Spieler und wohl auch die finanzielle für den Verein wären zu hoch. In dieser Saison führen die Nieskyer mit zwölf Siegen aus zwölf Spielen die Tabelle schon wieder mit großem Vorsprung an. In Jonsdorf ist man nach wie vor froh, Eishockey wiederbelebt zu haben. In Bad Muskau erhält man den Sport seit vielen Jahren. Für beide Vereine ist es im Moment schwer, Spiele in der Regionalliga zu gewinnen.

Gewichtheben

Maß der Dinge im Landkreis sind nach wie vor die Stemmer von Fortschritt Eibau, die sich als nach wie vor stärkstes Dorf mit ausschließlich Sportlern, die aus dem eigenen Verein stammen, in der 1. Bundesliga behaupten und unglaubliche fünf deutsche Meistertitel eingefahren haben. Und starker Nachwuchs rückt immer wieder nach, wie der Bronzeplatz von Sina Franziska Schache bei den Jugend-Europameisterschaften, und starke Auftritte von Pauline Walzak und den Geschwistern Nancy und Erik Ludwig bei Europameisterschaften beweisen. Auch in Görlitz und Zittau wird gute Arbeit geleistet, die Kampfgemeinschaft behauptet sich in der 2. Bundesliga.

weitere Mannschaftssportarten

Vereine aus dem Landkreis sorgen auch in anderen Sportarten für überregional starke Ergebnisse: Die Volleyballerinnen aus Weißwasser sind in Sachsens höchste Spielklasse aufgestiegen und kämpfen dort aktuell um den Klassenerhalt. Bei den Männern hat der VV Zittau als Tabellenzweiter der Sachsenklasse realistische Aufstiegschancen. Im Tischtennis hat sich Stahl Krauschwitz in der Landesliga behauptet, während Post Görlitz den direkten Wiederaufstieg geschafft hat. Beide Teams müssen für den Klassenerhalt aber noch punkten. Für das so erfolgreiche Mädchenteam des FSV Neusalza-Spremberg gab es mit dem Abstieg aus der Sachsenliga einen kleinen Rückschlag. In der aktuellen Saison ist der Wiederaufstieg noch möglich. Absoluter Höhepunkt des Jahres war aber das Gastspiel der Champions-Tour in Neusalza-Spremberg, unter anderem mit Timo Boll und den schwedischen Olympiasiegern Jan-Ove Waldner und Jörgen Persson an der Platte. Die Badmintonspieler von Robur Zittau haben die Sachsenliga gewonnen und führen auch in dieser Saison die Tabelle wieder an. Im Basketball stellt der Görlitzer BC das derzeit beste Team des Landkreises, wurde in der vergangenen Saison in der Landesliga Dritter, und steht derzeit wieder auf einem dritten Platz. Und dann gibt es noch die Ringer vom SV Grün-Weiß Weißwasser. Als Landesligameister 2016 hatten die Weißwasseraner die Aufstiegskämpfe in die Regionalliga gewonnen, die nach Umstrukturierungen im Verband aber plötzlich die zweithöchste deutsche Liga war. Die Grün-Weiß-Männer nahmen das Abenteuer an, schlugen sich tapfer, feierten einen Sieg, konnten den Abstieg aber nicht verhindern.

Wintersport

Unter den Einzelsportlern sind die besten Wintersportler aus dem Süden des Landkreises diejenigen, die die meisten Hoffnungen auf internationale Erfolge machen. In der vergangenen Saison erkämpfte sich Skilangläufer Valentin Mättig vom Bertsdorfer SV mehrere Weltcupeinsätze und lief mit guten Platzierungen im B-Weltcup seine bislang wohl beste Saison. Die Niedercunnersdorferin Julia Belger kehrte mit zwei achten Plätzen von der U23-WM aus Park City (USA) zurück und überzeugte bei ihren Einsätzen im Continental-Cup. Beide machen sich trotz Trainingsrückstands nach Verletzungen Hoffnungen auf einen Platz im deutschen Olympiateam und haben bei der am Sonnabend beginnenden Tour de Ski die Chance, sich zu qualifizieren. Der Neugersdorfer Martin Hahn gewann bei der U23-WM im Zehn-Kilometer-Einzelwettbewerb die Bronzemedaille. Angesichts der extrem starken Konkurrenz in Deutschland ist für ihn ein Olympiastart aber unrealistisch. Der 20-Jährige hat aber schon erste Weltcup-Starts hinter sich.

weitere Einzelsportler

Das wohl wichtigste Sportereignis 2017 im Landkreis waren die deutschen Meisterschaften der Senioren-Leichtathleten in Zittau mit mehr als 1 000 Athleten aus fast 600 Vereinen. Leistathleten aus dem Landkreis holten 26 Medaillen. Deutsche Meister wurden der Zittauer Mario Renner (Hürdensprint), die Weißwasseranerinnen Christina Friedrich (Dreisprung) und Christine Kaiser (300 m Hürden) sowie die Zittauerin Ulrike Hiltscher, die nicht nur bei der DM drei Titel gewann, sondern auch bei den Europameisterschaften in Aarhus (Dänemark) vierfach triumphierte. Jetzt steht sie als „Senioren-Leichtathletin des Jahres“ noch bis Sonntag online zur Wahl.

Ihr wohl bestes Jahr hatte Beachvolleyballerin Anni Schumacher aus Weißkeißel, die bei internationalen und hochklassigen nationalen Turnieren zehnmal auf dem Siegerpodest stand, dreimal davon ganz oben. Weil sie aber keine realistische Chance sieht, vom Verband international nominiert zu werden, hat die 29-Jährige im Herbst ihre Karriere beendet.

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