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Mittwoch, 15.11.2017

Das Technik-Relikt aus den goldenen Zwanzigern

Das unscheinbare Türmchen an der August-Bebel-Straße verwundert so manchen Fußgänger. Dabei hilft es bei der täglichen Kommunikation.

Von Annechristin Bonß

Das Türmchen an der August-Bebel-Straße hilft bei vielen Telefongesprächen in Strehlen. Noch hat die Telekom die Anlage in Betrieb.
Das Türmchen an der August-Bebel-Straße hilft bei vielen Telefongesprächen in Strehlen. Noch hat die Telekom die Anlage in Betrieb.

© René Meinig

Dresden. Diesen Spaziergang entlang der August-Bebel-Straße wird Brigitta Weinreich so schnell nicht vergessen. Die 83-Jährige war auf dem Weg zum Arzt an der Ecke zur Gustav-Adolf-Straße vorbeigekommen und hatte das Türmchen entdeckt. Versteckt hinter wucherndem Grün steht dort ein verrosteter alter Metall-Turm. Die Tür ist verriegelt. Unbekannte haben hässliche Schriftzüge darauf hinterlassen.

Die Entdeckung ließ die Dresdnerin nicht mehr los. Schon immer hat sich Brigitta Weinreich für Geschichte interessiert. Doch was hat es mit dem Türmchen auf sich? Zuerst hat sie sich an das städtische Liegenschaftsamt gewendet, von dort wurde sie an die Telekom verwiesen. Im Shop auf der Prager Straße halfen ihr zwei Mitarbeiter. „Das könnte ein Fernmeldeverteiler sein“, sagt sie. Das jedenfalls hat das Gespräch mit den Telekom-Mitarbeitern ergeben. Im Stadtmuseum erfuhr die alte Dame, dass der Verteiler wohl aus den 1920er-Jahren stammen, durchaus aber auch älter sein könnte. „Ob es so etwas auch noch an anderen Stellen in der Stadt gibt?“, fragt sich Brigitta Weinreich. Und ob die alte Technik noch in Betrieb ist?

Ist sie. Das bestätigt zumindest der Sprecher der Telekom. „Es handelt sich um einen alten Linienverzweiger, der auch noch von uns genutzt wird. Sobald wir die dort verlaufenden Leitungen nicht mehr benötigen, werden wir diesen alten Linienverzweiger auch nicht mehr nutzen“, teilt Georg von Wagner auf Nachfrage mit. Zu technischen Details schweigt er. Auch, ob und wann eine Sanierung vorgesehen ist, lässt er offen.

Claus Hegewald von der Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik kennt sich aus mit alter Telekommunikationstechnik. Noch heute werden von dem Verteiler aus die ankommenden Gespräche an die kleinen Kästen in den Wohngebieten verteilt. Von dort aus führen einzelne Kabel zu jedem individuellen Anschluss. Historische Technik aller Art hat der Verein gesammelt. Auf einer Grünfläche an der Zwickauer Straße gegenüber dem Eisenbahnmuseum kann diese besichtigt werden. Die Geschichte haben die Vereinsmitglieder in den Bänden 16 und 17 der Geschichtsbücher Dresdens aufgeschrieben.

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