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Dienstag, 24.04.2018

Das Nachwuchs-Talent

Amelie Lehmann ist 13 Jahre alt und gehört zu den Besten in ihrer Altersklasse. Sie durfte schon für Deutschland starten.

Von Christian Kluge

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Die Rodewitzerin Amelie Lehmann, die beim SV Demitz-Thumitz mit dem Badmintonsport begann, ist seit Sommer 2017 am Sportgymnasium Jena. Hier präsentiert sie ihren Pokal, die Medaille und die Urkunde für Platz drei bei der Deutschen Doppel-Meisterschaft der Altersklasse u13 im März 2018.
Die Rodewitzerin Amelie Lehmann, die beim SV Demitz-Thumitz mit dem Badmintonsport begann, ist seit Sommer 2017 am Sportgymnasium Jena. Hier präsentiert sie ihren Pokal, die Medaille und die Urkunde für Platz drei bei der Deutschen Doppel-Meisterschaft der Altersklasse u 13 im März 2018.

© Christian Kluge

Amelie Lehmann (2.v.links) bei der Siegerehrung mit ihrer Doppelpartnerin Ros Riedel (links). Das Duo hat im März 2018 Bronze bei der Deutschen Meisterschaft der u13 geholt.
Amelie Lehmann (2. v. links) bei der Siegerehrung mit ihrer Doppelpartnerin Ros Riedel (links). Das Duo hat im März 2018 Bronze bei der Deutschen Meisterschaft der u 13 geholt.

© privat

Badminton. Zuhause in Rodewitz südlich von Bautzen ist die 13-jährige Amelie Lehmann nur noch selten. Aber nicht, weil es im Spreetal nicht schön ist – sondern weil sich das junge Mädchen sportlich weiterentwickeln will. Und im Badminton geht das in Ostsachsen nur begrenzt. Bis zum Nachwuchsstützpunkt in Zittau. „Da habe ich früher schon bei Björn Wippich trainiert“, erzählt Amelie, die wenigstens in den Osterferien mit ihren Eltern Steffi und Stefan mal ein paar Tage Urlaub machen konnte.

Seitdem sind Abstecher in die Heimat bis Mai erst mal nicht geplant – es steht einfach viel, viel Sport auf dem Wochenendprogramm. Und, kein Heimweh? „Nein, ich habe mich gut eingewöhnt in Jena“, sagt Amelie, die am Anfang ein paar Probleme hatte, weil sie allein in einem Zimmer gewohnt hat – und der ganze restliche Flur mit Jungs-Unterkünften belegt war.

Die Jungen sind in der Überzahl


Auch heute ist das Verhältnis Mädchen/Jungs in ihrer Schulklasse nicht gerade ausgeglichen. „Wir sind drei Mädels und 15  Jungs. Aber inzwischen wohne ich mit einer Ringerin aus Apolda in einem Zimmer.“ Damit kommt die Rodewitzerin gut zurecht. Die beiden Mädels gehen in ihrer Freizeit auch gerne mal bummeln in der Innenstadt, die laut Papa Stefan „eine ziemlich junge Stadt mit vielen jungen Leuten“ ist. Und sportlich läuft es inzwischen immer besser. Amelie hat in diesem Jahr auch schon einmal den Sprung in die Nationalmannschaft der Altersklasse u 13 geschafft und durfte in Frankreich und Dänemark für Deutschland starten . Bei der Deutschen Meisterschaft der u 13 im März diesen Jahres hat sie mit ihrer Doppel-Partnerin Ros Riedel die Bronzemedaille gewonnen.

Doch wie begann eigentlich die sportliche Laufbahn von Amelie Lehmann, die auch noch einen fünf Jahre jüngeren, fußballbegeisterten Bruder hat – er spielt beim SV Oberland Spree – und eine 17-jährige Schwester, die in ihrer Freizeit gern mal Volleyball spielt. „Mit sieben Jahren habe ich es mit Fußball versucht, weil alle in meiner Familie diesen Sport mal betrieben haben“, erinnert sich das junge Mädchen. „Aber das war nicht so mein Ding.“

Federball mit Oma und Opa


Da sie mit Oma und Opa im Garten gern mal Federball spielte, wechselte Amelie zum Badminton. Eine Hochburg damals war auch das 18 Kilometer von Rodewitz entfernte Demitz-Thumitz, wo die engagierte Trainerin Dörthe Ehrhard mit ihrem Betreuerteam den Nachwuchs in die richtige sportliche Spur brachte. Die inzwischen 73-Jährige verfolgt auch heute noch die sportlichen Schritte ihrer ehemaligen Schützlinge, die drangeblieben und inzwischen richtig gut geworden sind.

„Amelie kam damals zu uns und war wie Annabella Jäger, Anja Hübner und Tim Kuchinke badmintonverrückt“, erinnert sich Ehrhard. „Wir haben sie zunächst zum Stützpunkt nach Gittersee in Dresden delegiert. Aber sie wollte mehr. Durch Trainingslager, Turniere und dem guten Draht zu Annabella ist sie soweit gereift, um den Schritt nach Jena zu wagen.“ Die Putzkauerin Annabella Jäger – sie geht inzwischen an einem Gymnasium in Nürnberg zur Schule und ist Bundesligaspielerin – war auch lange Jahre das sportliche Vorbild von Amelie. „Jetzt sind das eher Doppel-Olympiasieger Lin Dan aus China – er war auch fünfmal Weltmeister – oder Lee Chong Wei aus Malaysia“, erzählt Amelie Lehmann.

Wie stellt es die junge Rodewitzerin eigentlich an, auch mehrere Jahre ältere Spielerinnen regelmäßig zu düpieren? Wie beispielsweise beim Sachsenranglistenturnier der u 19, das sie in diesem Jahr mit ihrer neuen Doppelpartnerin Pheline Krüger aus Dresden gewinnen konnte. Das verrät Papa Stefan: „Beim Aufnahmetest am Sportgymnasium Jena wurde Amelie eine sehr gute Technik bescheinigt.“ Damit setzte sie sich gegen drei der fünf anderen Bewerberinnen auf einen Platz an der Jenaer Schule durch.

Und die jetzt schon 1,64 Meter große Schülerin selbst ergänzt: „Größe ist gut beim Badminton. Aber die Schnelligkeit ist viel wichtiger! Dennoch gibt es auch viele kleinere Sportler, die in der Weltrangliste vorne mitmischen.“

Aber eins steht auch fest. Ohne die Unterstützung ihrer Eltern hätte Amelie das alles nicht schaffen können. Denn weder Zittau noch Dresden noch Jena liegen von Rodewitz aus so günstig, dass ein junges Mädchen dort problemlos hinfahren und trainieren kann. Meistens ist es Mama Steffi, die den „Fahrdienst“ für ihre talentierte Tochter übernommen hat. An den wenigen Wochenenden, wenn sie zu Hause ist, geht es Freitagmittag nach Jena, um Amelie zu holen und Sonntagnachmittag zurück. Ebenso versucht Steffi Lehmann, zu Turnieren mitzufahren, die in Deutschland stattfinden, um dort etwas Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen.

Amelie liebt große Puzzles


Die neue Saison 2018 wird übrigens nicht ganz leicht für Amelie Lehmann, denn sie gehört ab jetzt zum jüngeren Jahrgang in der Altersklasse u 15. „Da muss ich mich dann durchkämpfen. Wenn ich über die Südostrangliste die Teilnahme an den Deutschen Ranglistenturnieren schaffe und dort zweimal unter die besten Acht komme, dann kann ich auch bei der Deutschen Meisterschaft starten.“ Zuletzt die Frage nach den Hobbys in der knapp bemessenen Freizeit der Rodewitzerin, die in Jena jeden Tag trainiert, manchmal auch zweimal. Amelie lächelt und sagt: „Alles, wo ich meine Ruhe habe. Am liebsten große Puzzles.“ Das ist sicher ein guter Ausgleich zum anstrengenden Sportlerleben.