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Dienstag, 26.09.2017

Das macht nicht jeder:

Unbekannte Ausbildungsberufe

Orthoptisten behandeln Sehstörungen, die bei Kindern gut behandelt werden können. Bild: fotolia.com © deagreez (#164195899)
Orthoptisten behandeln Sehstörungen, die bei Kindern gut behandelt werden können. Bild: fotolia.com © deagreez (#164195899)

Ein Blick in die Statistik des Berufsbildungsberichts 2017 verrät: Bei jungen Frauen waren Kauffrau für Büromanagement, medizinische Fachangestellte und Verkäuferin die Berufe, in denen im vergangenen Jahr die meisten Ausbildungsverträge abgeschlossen worden sind, dicht gefolgt von Kauffrau im Einzelhandel und zahnmedizinischer Fachangestellten. Bei jungen Männern waren Ausbildungen zum Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker, Kaufmann im Einzelhandel, Industriemechaniker sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik besonders beliebt. Aber was ist mit Berufen, die nicht jeder kennt?

Laut des Berufsbildungsberichts 2017 gibt es in Deutschland 327 anerkannte duale Ausbildungsberufe - unmöglich, alle zu kennen. Unter einigen Berufen kann man sich zwar aufgrund der Berufsbezeichnung etwas vorstellen, andere hingegen sind eher unbekannt, wie beispielsweise der Vorpolierer. Der Name lässt vermuten, dass in dem Beruf irgendetwas poliert wird, und damit liegt man gar nicht so falsch! Vorpolierer arbeiten in der Herstellung von Schmuck- und Kleingeräten. Sie bearbeiten Metalloberflächen und bereiten diese für das Feinpolieren vor. Dabei werden Schleifpasten und Poliermittel aufgetragen und Schleifmaschinen und Handschleifbürsten eingesetzt. Anschließend reinigt der Vorpolierer die Metallteile mittels Ultraschall oder in chemischen Spezialbädern und führt Qualitätskontrollen durch. Bei dieser Arbeit ist besondere Sorgfalt gefragt. Da aus den Metallteilen später u.a. Schmuckstücke gefertigt werden, brauchen Vorpolierer außerdem ein gutes Gespür für Formen und Farben.

Ein weiterer unbekannter Beruf findet sich im Gesundheitsbereich: Hier denkt man natürlich zuerst an die Arzthelfer beim Hausarzt, Zahnarzt oder Tierarzt. Von einem Orthoptisten hingegen haben die meisten noch nie gehört. Dabei ist der Orthoptist ein sehr interessanter Ausbildungsberuf, besonders für junge Leute, die gerne mit Kindern arbeiten. Orthoptisten arbeiten in Augenarztpraxen, augenärztlichen Abteilungen von Krankenhäusern und Kliniken sowie in Frühförderstellen für Sehbehinderte. Sie sind die Experten für Sehstörungen, die gerade bei kleinen Kindern sehr gut behandelt werden können. Die Ausbildung zum Orthoptisten erfolgt an einer Fachschule für Orthoptik.

Für eine Funktionsjacke mit verschweißten Nähten, die ihren Träger vor Wind und Wetter schützt und noch dazu atmungsaktiv ist, braucht es mehr als Nadel und Faden. Nähen, Schweißen und Kleben sind die Arbeitstechniken, mit denen technische Konfektionäre Schutz- und Wetterkleidung herstellen - nicht nur für Menschen, sondern auch im großen Stil für LKWs, Anhänger und Boote. Neben Planen und Abdeckungen zählen weiterhin Zelte, Sonnenschirme, Markisen und andere Dinge aus textilen Werkstoffen zum Repertoire der technischen Konfektionäre.

Zu diesen unbekannten Berufen kommen noch neue oder modernisierte Berufe hinzu, über die sich Jugendliche in ihrer Orientierungsphase ebenfalls gut informieren sollten. Hinter vielen Berufen, die auf den ersten Blick verstaubt und antiquiert anmuten, stecken oftmals spannende Tätigkeiten, bei denen hochmodernes Equipment und digitale Technologien eingesetzt werden.

Manchmal werden im Zuge einer Modernisierung mehrere Berufe zusammengelegt, wie beispielsweise bei den Büroberufen, doch auch das Gegenteil kann der Fall sein: So wurde das Berufsbild des technischen Zeichners gesplittet und durch die beiden Berufe technischer Systemplaner und technischer Produktdesigner ersetzt. Am Reißbrett mit Lineal und Zirkel steht heutzutage niemand mehr. Stattdessen wird mit modernen CAD-Programmen am Computer gearbeitet und Gegenstände, Geräte, Anlagen und Systeme zwei- oder dreidimensional dargestellt. Technische Systemplaner wählen als Fachrichtung entweder die Versorgungs- und Ausrüstungstechnik, die Stahl- und Metallbautechnik oder die elektrotechnischen Systeme. Technische Produktdesigner hingegen wählen zwischen Produktgestaltung und -konstruktion sowie Maschinen- und Anlagenkonstruktion.

Die Berufslandschaft ändert sich also ständig. Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen sollten sich für die Recherche nach einem passenden Ausbildungsberuf ausreichend Zeit nehmen und sich auch über Berufe informieren, die nicht zu den TOP 10 in den einschlägigen Statistiken zählen.

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