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Donnerstag, 07.12.2017

Das lange Warten auf Grün

Bürger beschweren sich über Ampelschaltungen an der Meißner Straße. Die SZ hat die Zeiten getestet.

Von Peter Redlich und Vivien Götze

Die SZ hat die Zeiten gestoppt: Wie lange dauert es, bis Grün kommt? Wie viel Zeit haben die Bürger zum Überqueren der Straße? Hier an der Ampelanlage Meißner Straße, Gradsteg.
Die SZ hat die Zeiten gestoppt: Wie lange dauert es, bis Grün kommt? Wie viel Zeit haben die Bürger zum Überqueren der Straße? Hier an der Ampelanlage Meißner Straße, Gradsteg.

© Norbert Millauer

Andreas Schweizer aus Radebeul ist unzufrieden. „Ich muss an den Ampeln Meißner Straße/Gradsteg oder an der Meißner Straße/Hauptstraße viel zu lange warten. In anderen Städten bekomme ich als Fußgänger mitunter sofort Grün, wenn keine Straßenbahn kommt. Warum geht das nicht auch an der Meißner Straße?“ Er habe bereits 2010 zu dem Thema an die Stadt geschrieben und nur Ausflüchte als Antworten erhalten. Sieben Jahre später hat Radebeul einige Ampeln erneuert. Auch die am Gradsteg ist eine neue Anlage. Das erkenne man zumeist daran, dass an der jeweils gegenüberliegenden Seite angezeigt wird „Signal kommt“, sagt Ingolf Zill, Leiter der Radebeuler Verkehrsbehörde.

Die Straßenbahn bremst alles andere aus auf der Meißner Straße


Grundsätzlich, so Zill, hat der Nahverkehr oberste Priorität. Da die Straßenbahn auf der Meißner Straße tagsüber im Zehn-Minuten-Takt fährt, bekommt sie aller fünf Minuten – jeweils von einer Seite – an den Ampeln die Vorfahrt. Trotzdem, sagt Andreas Schweizer, auch ohne Straßenbahn müsse er viel zu lange warten. Anderswo bekomme er gegenüber den Autos nach drei Sekunden das Grün zum Gehen.

Der Test zeigt, dass das Umschalten sehr unregelmäßig passiert


Die SZ hat zu drei verschiedenen Zeiten an der Kreuzung Gradsteg sowie an weiteren Kreuzungen in Radebeul und Coswig gemessen. Gestoppt wurde die Zeit jeweils bei stark rollendem Autoverkehr und bei wenig Autoverkehr. Die Zeiten wurden gemessen nach dem Drücken auf den gelben Taster zur Anforderung bis zum Erscheinen des grünen Lichts. Auch die Zeit zum Überqueren der Straße wurde gestoppt.

Am Gradsteg gab es von beiden Seiten der Straße völlig unterschiedliche Ergebnisse. Sie reichen von sechs Sekunden bis zum Erscheinen der Grünphase, auch zwölf Sekunden und 48 Sekunden wurden gemessen. Zum Überqueren der Straße blieben den Passanten stets zwischen sechs und acht Sekunden.

Im Vergleich dazu wurde ebenfalls an der Moritzburger Straße – 16 Sekunden bis zum Grün, 23 Sekunden zum Überqueren; an der Hauptstraße in Ost – eine Minute und 25 Sekunden bis zum Grün und 15 Sekunden zum Überqueren und an der Zinzendorfstraße – 18 Sekunden bis zum Grün und zehn Sekunden zum Überqueren gemessen.

Die günstigste Ampelschaltung für Fußgänger befindet sich an den Landesbühnen – nach drei Sekunden war Grün, 17 Sekunden blieben zum Über-die-Straße-Gehen.

Auch in Coswig sind die Verhältnisse für Fußgänger sehr unterschiedlich. Am Wettinplatz reicht die Wartezeit von sieben bis elf Sekunden, zum Überqueren ist zwischen elf und 16 Sekunden Zeit. An der Dresdner Straße dauert es richtig lange: von 51 Sekunden bis eine Minute sieben Sekunden bis zum Grün und zehn bis zwölf Sekunden fürs Rübergehen.

Ampeln führen einen Dialog und sollen für den Verkehr mitdenken


Die Programmierungen in neuen Lichtsignalanlagen seien so, dass sie auf unterschiedliches Verkehrsverhalten – und nicht nur die Straßenbahn – reagieren können, sagt Ingolf Zill von der Verkehrsbehörde. Das zeige sich beispielsweise an der Moritzburger Straße. Dort wurde die bisher jüngste Steuerung in Radebeul eingebaut. Dagegen beinahe uralt ist die Ampelanlage an der Hauptstraße in Ost, nicht viel besser jene an der Zinzendorfstraße.

Ingolf Zill: „An diesen beiden Positionen wird sich die Situation ändern, wenn die Meißner Straße samt Straßenbahn und Haltestelleninsel – diese an der Hauptstraße – umgebaut wird.“ Allerdings werde das nicht vor 2019 passieren. Vorher ist noch der Abschnitt in Radebeul-Mitte zwischen Rennerbergstraße und Dr.-Külz-Straße zur Sanierung dran. An der Dr.-Külz-Straße sei in letzter Zeit das Programm so geändert worden, dass die Fußgänger schnell Grün bekommen. Was die Autofahrer spüren.

Mindestens 70 000 Euro, so Zill, kostet eine neue Ampelanlage für eine Kreuzung. Radebeul bevorzugt den jeweiligen Umbau immer im Zusammenhang mit dem Straßenbau.

Generell, so Ingolf Zill, heißt es in den Bundesvorschriften lediglich schwammig: Die Zeiten an Lichtsignalanlagen „sollten möglichst kurz sein, nicht länger als 60 Sekunden“. Und Radebeuls OB Bert Wendsche zur Meißner Straße: „Bei 18 000 Fahrzeugen am Tag auf der Staatsstraße ist es nicht möglich, dem Fußgänger Vorrang einzuräumen. Hier muss immer ein Mittelding gefunden werden.“