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Donnerstag, 11.01.2018

„Das kann ich selbstkritisch einräumen“

Dynamos Sportchef Ralf Minge spricht über Markkanen-Ersatz, eine Anfrage für Duljevic und seine eigene Zukunft.

Von Sven Geisler, Marbella

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Klare Kante zeigt Dynamos Sport-Geschäftsführer Ralf Minge im Fall Eero Markkanen – und auch bei anderen Fragen im Interview in Marbella.
Klare Kante zeigt Dynamos Sport-Geschäftsführer Ralf Minge im Fall Eero Markkanen – und auch bei anderen Fragen im Interview in Marbella.

© Lutz Hentschel

Der Regen hat aufgehört. Während die Dynamo-Profis ihren freien Nachmittag bei Sonnenschein an der spanischen Mittelmeerküste genießen, hat der Sportgeschäftsführer ein straffes Programm. „Sauna, spazieren gehen, Bücher lesen, Bücher schreiben“, zählt Ralf Minge auf. Seit Montagmittag ist er mit im Trainingslager – und sein Plan natürlich ein ganz anderer. „Es ist eine gute Gelegenheit, Gespräche zu führen. Hier haben wir die Zeit und die Ruhe.“ Das gilt auch für die Fragerunde mit den mitgereisten Dresdner Journalisten auf der Terrasse am Mannschaftshotel „Guadalmina“ in Marbella.

Ralf Minge, wie fällt Ihr erster Stimmungstest aus?

Ich beobachte, wie die Jungs miteinander umgehen. Hier kann keiner flüchten. Es ist toll zu sehen, wie sie miteinander umgehen, keiner ist ausgegrenzt. Es hat uns in den vergangenen Jahren ausgezeichnet, dass wir über das Team gekommen sind, über eine Wohlfühlatmosphäre. Einige Spieler, die dachten, den nächsten Schritt gehen zu müssen, vermissen das jetzt.

Eero Markkanen ist nicht mehr dabei, ihm droht die Kündigung – auch eine Konsequenz im Sinne des Teamgeistes?

Ich denke, dass wir – also auch der Trainer – den Jungs genügend Spielraum, einen Toleranzbereich lassen. Aber wenn die roten Linien überschritten werden, bleibt uns nichts anderes übrig, als zu reagieren.

Wird Dynamo bis 31. Januar auf dem Transfermarkt reagieren oder auf das Comeback von Pascal Testroet setzen?

Wir freuen uns extrem, dass der Heilungsverlauf bei Paco bisher unproblematisch verläuft. Aber um ihn ab Tag X einzuplanen, war die Verletzung zu schwer. Wir haben den finanziellen Spielraum, zu reagieren, aber es spielen viele Faktoren eine Rolle. Außer der sportlichen Qualität eben die charakterliche Komponente. Wie schnell kann sich einer integrieren, passt er in die Gruppe? Wir dürfen bei Verpflichtungen keine Abkürzungen gehen wie bei Markkanen. Das kann ich selbstkritisch einräumen. Nach der Verletzung von Paco waren wir zu einer Ad-hoc-Entscheidung gezwungen. Die sportlichen Vorzeichen waren richtig gut, aber das Beispiel zeigt: Darauf darf man es nicht reduzieren.

Wie groß ist die Chance, dass noch ein Stürmer kommt?

Im Moment sehr gering. Wir prüfen alles, aber: Was ist in der Winterpause realistisch? Einen für anderthalb Millionen zu kaufen? So weit sind wir nicht.

Und außer Lucas Röser gibt es ja auch noch Peniel Mlapa …

Wenn man seine Biografie mit den Statistiken und Stationen sieht, dazu seine Statur, hat er noch viel Luft nach oben. Da brauchen wir nicht rumzueiern, und das sieht er auch selber so. Ganz klar: Von ihm erwarten wir das nächste Level. Weil er die Voraussetzungen und die Erfahrung hat.

Mit der Verpflichtung eines Innenverteidigers haben Sie nach dem Kreuzbandriss von Sören Gonther gewartet und erst jetzt Marcel Franke geholt. Warum haben Sie nicht früher einen vertragslosen Spieler verpflichtet?

Wir haben diese Option immer im Auge behalten für den Fall, dass der Supergau eintritt und mit Florian Ballas oder Jannik Müller etwas passiert. Wir sind das Risiko eingegangen und Gott sei Dank belohnt worden. Es wäre ein Kompromiss gewesen, der auch viele Unwägbarkeiten mit sich gebracht hätte. Bei Marcel müssen wir abwarten, wie es in der Praxis aussieht, aber die Vorzeichen sind exzellent.

Können Sie etwas zu den Spielern sagen, deren Verträge auslaufen?

Wir werden sicher hier noch das eine oder andere Gespräch führen.

Bei Marvin Schwäbe, Paul Seguin und Franke, die ausgeliehen sind, hängt es mit von den anderen Vereinen ab – wie vorigen Sommer bei Stefan Kutschke. Haben Sie manchmal die Nase voll von Leihgeschäften?

Am liebsten würden wir jeden Spieler fest verpflichten, aber hinter jeder Ausleihe steht eine Idee. Es sind Spieler mit Potenzial, die wirtschaftlich in anderen Regionen angesiedelt sind, die wir ohne die wirtschaftliche Unterstützung der Stammvereine nicht realisieren könnten.

Werden Sie mit Andreas Lambertz über einen neuen Vertrag sprechen?

Na klar werden wir unsere Vorstellungen abgleichen. Er ist einfach ein Typ, und das war die Intention, ihn zu holen, weil uns dieses Profil, diese Erfahrung gefehlt haben. Das lebt er, wenn er spielt, und das Schöne ist: Er ist nicht selbstmordgefährdet, wenn er mal auf der Bank sitzt, sondern versucht, die Mannschaft zu pushen.

Abwehrtalent Noah Awassi gehört nicht mehr zum Kader. Was ist mit ihm?

Er hat bis einschließlich Mittwoch bei Rot-Weiss Essen mittrainiert, es gab auch andere Interessenten. Es war eine sportliche Entscheidung, dass wir für Kevin Ehlers die größere Perspektive sehen und ihn frühzeitig entwickeln wollen. Noah war vor zwei Jahren zum ersten Mal mit im Trainingslager. Die Jungs kriegen ihre Chance, und an einem gewissen Zeitpunkt muss man konstatieren, ob es Sinn macht.

Wird noch jemand den Verein bis Ende Januar verlassen? Der Hamburger SV soll an Haris Duljevic interessiert sein.

Das kann ich direkt entschärfen: Es wird kein weiterer Spieler den Verein verlassen. Dass Haris mit seinen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat, ist klar.

Gab es ein konkretes Angebot?

So konkret nicht. Das wären für mich belastbare Fakten. Wir haben aber auch von vornherein gesagt: Kein Thema, egal, was auf dem Tisch liegt. Haris tut es gut, hierzubleiben. In der bosnischen Liga war er freischaffender Künstler, aber in Deutschland gehört taktisch mehr dazu. Da ist er auf einem guten Weg.

Und wie geht es im Sommer weiter – auch bei Philip Heise?

Das steht auf einem anderen Blatt, darüber brauchen wir jetzt nicht zu sprechen.

Aber über Ihre eigene Zukunft. Wann verlängern Sie Ihren Vertrag?

Das ist doch uninteressant.

Sicher nicht …

Meine Einstellung ist immer noch die gleiche: Einige Punkte kann man nicht in einen Vertrag schreiben. Wir müssen unsere Aufbaukultur bewahren, Vertrauen spielt eine sehr große Rolle, Werte. Wir haben gut daran getan, nach dem Abstieg 2014 diese Demut und Bodenhaftung zu leben.

Grundsätzlich sind Sie also motiviert, weiterzumachen?

Die Frage nach Belastung und Belastbarkeit stellt sich. Es sind jetzt knapp vier Jahre am Limit, aber ich habe unheimlich tolle Mitstreiter. Sie bekommen sehr viel Verantwortung übertragen und das Allerschönste: Ich bin noch nicht einmal enttäuscht worden. Natürlich macht es mir Spaß, mit der Bande zusammenzuarbeiten.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. manders

    ich wünsche ralf minge ein glücklichers händchen als bei markranen,wobei man ehrlicherweise sagen muss ,das der spieler unter herrn neuhaus nie ne echte Chance bekommen hat!! und das was mlapa bis jetzt in den Testspielen abgeliefert hat rechtfertigt auch keinen einsatz.wenn unser spielsystem immer auf einen stürmer ausgelegt ist brauchen wir keine 5 angreifer ,selbst wenn testroet noch nicht fit ist. herr neuhaus soll einfach mal vasil kusej ne Chance geben ,vom Einsatz und willen zeigt der junge 150 Prozent Einsatz!! und das muss sich mlapa mit einem 3 jahresvertrag vorwerfen lassen ,da sehe ich keine spielfreude oder den bedingungslosen willen,einsatz .der stürmer muss keine 15 buden machen ,aber die Basics hat er auf dem platz zuzeigen mit oder ohne Vorbereitung!!!! ich habe auch 1100 km an und abfahrt zum Heimspiel gegen gegen st. pauli an einem donnerstag, dynamo = leidenschaft !! pro dynamo

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