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Mittwoch, 13.09.2017

„Das ist Gift fürs Eishockey“

DEL-2-Boss René Rudorisch ärgert sich zwar über den fehlenden Auf- und Abstieg, freut sich aber auch schon auf die neue Saison.

René Rudorisch läuft in der Woche und kickt am Wochenende – als Ausgleich zum Puckspiel, um das er sich sonst kümmert.
René Rudorisch läuft in der Woche und kickt am Wochenende – als Ausgleich zum Puckspiel, um das er sich sonst kümmert.

© Robert Michael

Die Deutsche Eishockey-Liga 2 startet am Wochenende in die neue Spielzeit. Die SZ sprach mit ihrem Geschäftsführer René Rudorisch über die bedeutendsten Änderungen und die weiter fehlende Durchlässigkeit zwischen den beiden Profiligen. Der 39-Jährige aus Elsterberg bei Plauen leitete bis 2014 die Eispiraten Crimmitschau und wechselte anschließend zur DEL 2. Seitdem pendelt er zwischen dem Arbeitsplatz in Neuss, den 14 Klubs und dem Wohnort Heuckewalde bei Zeitz.

Herr Rudorisch, Hand aufs Herz: Welches Ergebnis interessiert Sie an einem Spieltag am meisten?

Immer das Resultat in der Arena, in der ich bin. Ich gucke mir jedes Wochenende mindestens ein Duell an. Natürlich geht mein Blick nach Crimmitschau, aber nicht zwingend als Erstes. Das ist nun mal der Verein, bei dem ich 13 Jahre gearbeitet habe. Zum Auftakt bin ich in Frankfurt am Main. Dort nehme ich den Pokal von den Löwen als Sieger der alten Saison entgegen. Am Freitag beginnt der neue Kampf um den Titel.

Die DEL 2 ändert einige Dinge in der neuen Serie. Was fällt am meisten auf?

Die größte Umstellung ist das Vier-Mann-System bei den Referees. Bisher waren es ein Hauptschieds- und zwei Linienrichter. Jetzt ist es ein Hauptschiedsrichter mehr. Dadurch passen wir uns der DEL und dem internationalen Standard in Profiligen an.

Können die Klubs sich das leisten?

Uns ist bewusst, dass dieses System für die Vereine finanziellen Mehraufwand mit sich bringt. Ich bin aber sicher, dass uns das verbessert und diese höheren Kosten sich unterm Strich lohnen. Zudem kamen uns die Referees entgegen. Ein Hauptschiedsrichter erhielt früher 550, jetzt nur noch 410 Euro. Ein Linienrichter erhält 250 Euro.

Gibt es ausreichend Unparteiische?

Ja, die Anzahl genügt. Wir müssen uns die Qualität der Referees angucken und fördern Leistung. Wer die Duelle gut leitet, darf häufiger Partien pfeifen. Passt das Niveau nicht, rutscht ein Schiedsrichter aus der DEL 2 auch wieder heraus.

Jetzt gibt es 17 statt bisher 14 Spielerlizenzen pro Verein. Was bedeutet das, und welche Absicht steckt dahinter?

Bei einem Kader von 22 Profis müssen fünf und nicht acht Spieler unter 24 Jahre sein. Die alte Variante war sicherlich gut gemeint, brachte aber nicht den erhofften Erfolg. Nachwuchstalente setzen sich auch im Wettbewerb mit älteren deutschen oder ausländischen Profis durch. Ohne die entsprechende Philosophie bei den Klubs, jungen Leuten eine Chance zu geben, hilft eine Vorgabe von oben nichts, da der Nachwuchs häufig nicht die Rolle bekommt, die er für seine Entwicklung benötigt. Wir wollen diese Regel weiter lockern und müssen sie perspektivisch sogar ganz abschaffen.

Abgeschafft hat die DEL den Zwang zu Kooperationen mit DEL-2-Vereinen. Sie sind jetzt freiwillig. Warum?

Diese erzwungenen Partnerschaften führten zu Unzufriedenheit – auf beiden Seiten. Oft wurde diese Zusammenarbeit nicht mit Leben erfüllt. Beispielsweise bekam Crimmitschau höchstens einen Profi aus Wolfsburg. Jetzt schreibt die DEL drei Spieler vor, die eine Förderlizenz erhalten könnten.

Mit welchem Ergebnis?

Einige Erstligisten halten an den Kooperationen fest, etwa Berlin. Davon profitiert Weißwasser. Andere verzichten oder pflegen lose Kontakte. So stehen Bad Tölz, Dresden und Crimmitschau ohne Partner da. Ravensburg lehnt eine Kooperation ab.

Abgelehnt hatte die DEL erneut eine Auf- und Abstiegsregelung, die DEL 2 Einspruch eingelegt. Wie ist der Stand?

Unsere Klage liegt vor. Das dreiköpfige Sportschiedsgericht arbeitet inzwischen. Die DEL hat bis Mitte September Zeit, Position zu beziehen. Danach dürfen wir antworten. Dann kann die DEL erneut reagieren. Ein mündliches Verfahren würde im November stattfinden und eine Entscheidung im Dezember fallen. Urteilt die Kammer zu unseren Gunsten, kommt der Auf- und Abstieg zur Saison 2018/2019. Er fehlt uns seit 2006. Das ist Gift fürs Eishockey und europaweit einmalig. Dennoch bieten wir Bilanzzahlen auf sehr hohem Niveau.

Wie sehen die konkret aus?

Es heißt ja immer, die 14 DEL-2-Vereine würden nicht kostendeckend arbeiten. Als Liga ziehen wir bei 71 000 Euro Gewinn in der alten Saison ein positives Fazit, auch wenn es vier Klubs mit negativem Ergebnis gibt. In die neue Serie gehen die Standorte mit einem Gesamtbudget von 31,6 Millionen Euro. Das ist der höchste Betrag seit vier Jahren. Davon entfallen 17,8 Millionen Euro auf die Personaletats. Auch das ist die höchste Summe seit Beginn der DEL 2 und mit 54 Prozent ein gesunder Anteil.

Gesund ist offenbar auch die Durchlässigkeit zwischen DEL 2 und Oberliga.

Das Interesse der Oberligisten zeigt, dass diese Verzahnung im Eishockey funktioniert. Die Aufsteiger Freiburg und Bayreuth haben in den vergangenen beiden Spielzeiten bewiesen, dass Aufsteiger aus der dritten Liga in der DEL 2 mithalten können. Jetzt steigt mit Bad Tölz der dritte Verein hintereinander aus der Oberliga auf.

Das Interview führte Maik Schwert.

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