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Mittwoch, 03.01.2018

Das ist das erste Sachsen-Baby 2018

Zwei Minuten vor Avrin in Dresden macht die Kamenzer Geburtenstation mit Lotta das Rennen. Die Malteserbilanz 2017.

Von Frank Oehl

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Das allererste Baby Sachsens im neuen Jahr ist Lotta aus Kamenz, Ortsteil Thonberg. Die Kleine kam am 1. Januar um 1.16 Uhr zur Welt. Sie wog dabei 3160 Gramm und ist 50 Zentimeter groß. Ihre Mama Dominique Münster freut sich wie die ganze Familie – und nun sogar die ganze Stadt.
Das allererste Baby Sachsens im neuen Jahr ist Lotta aus Kamenz, Ortsteil Thonberg. Die Kleine kam am 1. Januar um 1.16 Uhr zur Welt. Sie wog dabei 3160 Gramm und ist 50 Zentimeter groß. Ihre Mama Dominique Münster freut sich wie die ganze Familie – und nun sogar die ganze Stadt.

© René Plaul

Das Team der Kamenzer Geburtshilfe um Chefarzt Alexander Wagner (2.v.l.) verhalf im vergangenen Jahr insgesamt 446 Kindern auf die Welt. Das ist ein leichter Rückgang, weil der gefühlte Babyboom im Freistaat eher in den Ballungszentren zu spüren ist, wie es heißt.
Das Team der Kamenzer Geburtshilfe um Chefarzt Alexander Wagner (2.v.l.) verhalf im vergangenen Jahr insgesamt 446 Kindern auf die Welt. Das ist ein leichter Rückgang, weil der gefühlte Babyboom im Freistaat eher in den Ballungszentren zu spüren ist, wie es heißt.

© René Plaul

Kamenz. Welches Baby ist das erste im neuen Jahr in Sachsen? Die Nachrichten überschlugen sich auch an diesem Neujahrstag. Zunächst wurde das Krankenhaus in Dresden-Friedrichstadt als Ort des erfreulichen Geschehens vermeldet. Hier hatte die kleine Syrerin Avrin um 1.18 Uhr das Licht der Welt erblickt. Aber die Siegerehre, die dem Mädchen und seinen Eltern sowieso ziemlich wurscht sein dürfte, wurde medial zu früh vergeben. Natürlich muss man zunächst noch die großen Krankenhäuser in Leipzig und Chemnitz auf dem Schirm haben. Dort wurden die ersten Babys aber in der dritten bzw. sogar erst in der achten Stunde gemeldet, bevor es dort Schlag auf Schlag ging. Was aber passierte auf den kleineren Geburtenstationen?

Und tatsächlich: Das erste Baby in Sachsen wurde nicht in den Hochburgen, sondern im Ländlichen geboren – Lotta Münster aus Kamenz. Das Mädchen kam um 1.16 Uhr zur Welt und hat damit der kleinen Avrin den Titel sozusagen vor der Nase weggeschnappt. Das obige Foto zeigt Lotta mit ihrer stolzen Mutti. Lotta wog bei der Geburt 3 160 Gramm und ist 50 Zentimeter groß. Wie ihre Oma Daniela Schönach dem MDR mitteilte, sei der Geburtstermin eigentlich der 6. Januar gewesen. „Wir haben aber immer schon gewitzelt, dass sie bestimmt zu Silvester auf die Welt kommt, weil ihr Vater Martin in seiner Freizeit ein leidenschaftlicher Pyrotechniker ist und sie gern dabei sein möchte.“ Oha, da dürfte der 28-Jährige nun direkt zu Silvester doch etwas andere Sorgen gehabt haben, als ein krachendes Böllerwerk. Nun, Lotta ist gesund und munter, und die Geburt ist zügig über die Bühne gegangen, wie berichtet wird. Für die Eltern Dominique Münster und Martin Schönach ist es übrigens das erste Kind. Und womöglich wird es ja nicht das letzte sein ...

Das wünscht sich gewiss auch das Team der Geburtenstation im Kamenzer Malteser-Krankenhaus St. Johannes, wo im Jahr meist etwa 450 Mädchen und Jungen zur Welt kommen. 2017 waren es genau 446, wie Chefarzt Alexander Wagner berichtet. Wobei sich Mädchen (225) und Jungen (221) fast die Waage hielten. „2016 hatten wir 459 Neugeborene, also etwas mehr.“ Daraus eine generelle Tendenz abzuleiten, sei aber nicht möglich, dazu bräuchte es einen längeren Zeitraum. Eines aber werde durchaus deutlich: „Der mancherorts beschworene Babyboom ist vor allem ein Phänomen der Großstädte.“ Die Anziehungskraft der Ballungszentren für viele junge Leute sei ungebrochen, und das beeinflusse natürlich die Geburtenrate dort und hier in ganz entscheidendem Maße.

Mit Empathie hat auch das Team der Malteser das Aus der Geburtenstation in Bischofswerda zur Kenntnis genommen. „Einerseits stehen wir gern für Interessenten aus dem Raum Bischofswerda bereit, andererseits ist es sehr bedauerlich, wenn solche harten wirtschaftlichen Entscheidungen getroffen werden müssen“, meint Alexander Wagner. Die Geburtshilfe sei gewiss der am meisten positiv besetzte Bereich der Medizin, aber eben auch ein sehr kostenintensiver. „Der Materialaufwand ist eher nicht so erheblich, aber man muss halt ein ganzes Team vorhalten.“ In Kamenz zum Beispiel kümmern sich – teilweise in Teilzeit – acht Ärzte, elf Hebammen und drei Krankenschwestern um die Geburtshilfe. Und dies seit Jahrzehnten. Bei den Maltesern wurde immer entbunden, und das bleibe auch in Zukunft so.

Besonders befördert wurde dabei auch im vergangenen Jahr die natürliche Geburt. Ganze 62 Kaiserschnitte machten nur 14 Prozent der Geburten aus, was nicht nur weit unterm Sachsenschnitt liegt, sondern auch unter dem vergleichbarer kleinerer Häuser ohne ausgewiesenes Geburtsrisikomanagement, also ohne Kinderklinik. „Die Spontangeburt ist das Beste für Mutter und Kind. Das ist und bleibt unsere Überzeugung.“ Auch im vergangenen Jahr blieb das Team von größeren Komplikationen verschont, alle Babys kamen gesund zur Welt. Sechs sogar im Wasser, aber der Anteil sei gleichbleibend niedrig. „Wir bieten dennoch alle möglichen Geburtsalternativen an, wenn die werdenden Mütter dies wollen.“ Auch in diesem Jahr wird das Equipment planmäßig erneuert – z.B. für das Hör-Screening, die Beatmungstechnik und für die Neugeborenenüberwachung.

Die beliebtesten Vornamen
MÄDCHEN JUNGEN
Leni 5 Ben 5
Hannah 3 Luis 4
Mila 3 Nick 4
Lena 3 Elias 4
Lias 3 Arthur 3
Aaron 3
Samuel 3
Leo/Lio 3
Die Aufstellung enthält Kinder, die 2017 im Kamenzer Malteserkrankenhaus St. Johannes geboren wurden, unabhängig vom Wohnort der Eltern.

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