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Dienstag, 13.02.2018 Kommentar

Das Gedenken ist frei

So komplex die Bombardierung Dresdens am 13. Februar war, so vielschichtig sind die Formen des Gedenkens. Warum es nicht die eine, richtige Form dafür gibt und auch nicht geben kann – ein Kommentar von SZ-Redakteur Oliver Reinhard.

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SZ-Redakteur Oliver Reinhard.
SZ-Redakteur Oliver Reinhard.

© Robert Michael

Dresdens großflächige Zerstörung vor 73 Jahren war ein furchtbares und zugleich unerhört komplexes Ereignis. Daher ist es durchaus angemessen, wenn auch das Gedenken daran ein sehr vielschichtiges Phänomen ist. Nicht nur die Dresdner kennen dafür verschiedene Formen. Schon in den Sechzigern entstanden parallel zu den staatlichen Massenkundgebungen andere Traditionen des
Erinnerns, etwa Kunstaktionen, Konzerte, Lesungen, Theater- und Tanzprojekte. Seit den Achtzigern bis heute entscheiden sich viele Menschen für ein stilles Gedenken. Und weil gerade in Dresden am
13. und 14. Februar 1945 deutsche Opferschaft und deutsche Täterschaft in zahllosen Fällen binnen weniger Stunden aufs Untrennbarste miteinander verschmolzen, wird heute zugleich an Dresdner
Opfer und an Täter erinnert.

Freilich verfälschen immer wieder Randgruppen die historischen Tatsachen, indem sie Dresden alljährlich öffentlich entweder als kollektiv unschuldige Opfer- oder als kollektiv schuldige Täterstadt hinstellen. Genau entlang ihrer Linien verläuft die deutlichste Grenze zwischen Gedenken und Missbrauch des Gedenkens. Insofern ist auch der Protest gegen derlei ideologische Instrumentalisierungsversuche eine legitime und aufgeklärte Form des Erinnerns. Und ein Beleg mehr dafür: Selbst wenn der Gedanke immer wieder auftaucht, oft als Wunsch – etwas wie „das“ Gedenken, gar ein normiertes „richtiges Gedenken“ an die Katastrophe gibt es nicht und kann es nicht geben.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 43 Kommentare

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  1. Dresdner45

    Selbstverständlich gibt es eine RICHTIGE FORM des Gedenkens! Das ist in sich zu gehen und gegeben falls in einer Kirche zur Ruhe kommen. Um 22.00 kann man auch in aller Ruhe den Kirchenglocken zuhören. Dass heute dieser Tag missbraucht wird, um angeblich gegen den Krieg zu demonstrieren, ist sehr, sehr unehrlich. Besonders bei einem Hintergrund, wo deutsche Soldaten schon wieder in anderen Ländern unterwegs sind und Deutschland der 3. Militärproduzent ist. Daran sollten sich die Personen erinnern, die sich in diese Menschenkette einreihen!

  2. Keine Ausreden

    Ein wohltuend unaufgeregter und sachlicher Kommentar, den Herr Reinhard verfasst hat, insbesondere indem er den 13. Februar 1945 als "unerhört komplexes Ereignis" bezeichnet. So sehe ich es auch. Das ist ein wichtige Antwort auf das in Dresden weit verbreitete und unerträgliche Gerede von der unschuldigen Stadt, das an den Realitäten weit vorbei geht.

  3. Ben

    Was mich als in Dresden lebenden Westdeutschen seit vielen Jahren irritiert, das selbst ostdeutsche Linke davon überzeugt sind, Dresden sei die am meisten bombardierte und zerstörte Stadt Deutschlands gewesen. Da hat nach der NS- wohl auch die DDR-Propaganda gründlich gewirkt: faktisch sind viele westdeutsche Städte wie Wesel am Niederrhein weit mehr zerstört worden, definiert sich aber nicht über diesen penetranten "Zerstörungsmythos", der Linken wie Rechten willkommener Grund für ausgelebten Antiamerikanismus ist. Selbst Köln, Hamburg, Bremen haben weit größere Zerstörungen hinnehmen müssen - nirgends dort gibt es dies intensive Festhalten am "Wir sind zu Unrecht Opfer gewesen". Wer Wind sät, wird Sturm ernten! :-(

  4. Kalle

    Selbstverständlich gibt es nicht die eine, richtige Form des Gedenkens. Meiner Meinung nach gibt es aber Formen und Veranstaltungen, die einem echten Gedenken entgegenstehen. Diese, das sind wir den knapp 25 000Toten schuldig, müssen immer wieder verhindert werden. Es kann kein ehrliches Gedenken neben Neurechten geben, die stolz auf die Krieges-Verursacher und stolz auf deren Schergen von der Wehrmacht sind. Die Bombardierung Dresden ist eben auch immer Mahnung, wohin Rechteideologen das Land führen, ob braun oder blau- der Weg führt in den Untergang. Das Gedenken kann nicht nur still, hinter irgendwelchen Mauern stattfinden, das Gedenken kann auch laut und kämpferisch auf der Straße stattfinden.

  5. 14jahre ddr

    Lieber Ben. das irritiert mich auch. Man könnte viele andere Städte aufzählen. Doch ich behaupte einfach mal das in keiner anderen deutschen Grossstadt die Narben dieses Sturmes so ewig zu sehen waren. Ich habe noch Ruinen der Semperoper des Schlosses erlebt. Diese Stadt ist zum Synonym sinnloser Zerstörung geworden und auch deswegen ist es wichtig zu erinnern warum es so gekommen ist. Welche Formen das Gedenken haben soll und wie oder was gedacht wird ist doch immer abhängig von der jeweiligen Zeit.

  6. Keine Ausreden

    @3 Ben, ich teile Ihre Auffassung. Andere Städte hat es ebenso stark oder sogar noch heftiger getroffen. Was am 13. Februar 1945 in Dresden passierte, war schrecklich, das ist keine Frage. Aber es passierte eben nicht nur in Dresden. Die DDR hat den unterschwelligen Antiamerikanismus gern gewähren lassen.

  7. Frank

    @14jahre ddr: ich denke da ähnlich wie Ben. Auch in Westberlin steht die KW-Gedächtniskirche, in Hamburg der Turm der St Nicolaikirche als zerstörte Kriesrelikte bis heute zur Erinnerung. Trotzdem definiert man sich da nicht so sehr über diese Zerstörung. Deine Argumentation ("in KEINER anderen Stadt", "Sinnlose Zerstörung" und Dresden als "Synonym" dafür) zeigt schon wieder den irrigen Versuch, Dresden als die zu Unrecht zerstörte Stadt darzustellen. PS: das es bis in die 90er Jahre noch jede Menge Kriegsruinen in Dresden gab, lag nicht am übermäßigen Zerstörungsgrad, sondern an der verfehlten DDR-Politik. Es ist schließlich nicht so, als ob man den Schutt nicht bis Anfang der 70er hätte vollständig beseitigen können, wie es westdeutsche Städte sehr rigoros getan haben. Dresdner Glockengebimmel am 13.2. hat immer a bissl a Geschmäckle, wie der Schwab sagen würde.

  8. Kalle

    @Ben Ja, solche Spinner gab und gibt es immer wieder, hier im Osten fühlen sich einige eben pudelwohl in ihrer Opferrolle. Auf deren politische Ausrichtung darf man jedoch nicht immer viel geben, die wissen es mitunter nicht besser oder sind einfach zu feige, um es sich einzugestehen, so möchten auch Afd-Anhänger hier zu gerne als echte Demokraten wahrgenommen werden. Die Neurechten und Neonazis sind bekannter Weise stark vertreten in Dresden. Die Bombardierung der Stadt wurde seit den 90ern von ihnen missbraucht, um sich in einen Opferkult hinein zu fantasieren und diesen zu etablieren. Die Opferzahlen wurden ohne haltbare Belege bis ins unermessliche hoch geredet, um dann vom „Bomben-Holocaust“ zu schwadronieren, um so die Verbrechen der Nazi und der Wehrmacht zu relativieren. Gerne spielt man diese Rolle besonders nachdenklichen oder still, es bleibt jedoch ein niederträchtiges und schäbiges Spiel. Vielleicht zur Beruhigung, auch im Osten sind diese Leute aber in der Unterzahl.

  9. Dresdner45

    (4)@Kalle, wir gedenken der Toten, welche in Dresden umgekommen sind. Ich Gedenke doch nicht der Zerstörung von Dresden! Dies sind materielle Werte, welche wieder korrigiert werden können. Wenn ein Mensch Tod ist, ist nichts mehr zu korrigieren. Warum nicht in Ruhe und Stille??? Immer sind einige Menschen der Meinung, dass sie sich selbst an einem solchen Tag in den Vordergrund schieben müssen. Selbst der OB Hilbert hat diesen Tag, mit seinem Aufruf, NICHT verstanden – Überhaupt NICHTS! PS. Im Übrigen ist Köln noch mehr zerstört worden.

  10. Der Freitag

    Keinesfalls will ich mich bei der SZ einkratzen, aber ich traue mich und freue mich, einen fachlich qualifizierten und emotional distanzierten Artikel lesen zu dürfen. Das scheint gefühlte Jahre her zu sein. Richtig oder Falsch, Gut oder Böse genügen leider zu oft den Schreiberlingen, um vermeintlich die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen zu dürfen. Wer sich unsicher ist, was alles im Namen der Freiheit und Demokratie getan werden darf, schaut sich - ganz distanziert - einmal die Zahlen der Zerstörung in Korea oder Vietnam an, wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg geschehen und dan sieht man sogleich, welche Üblichkeiten an der Tagesordnung waren, wenn es darum ging, den einen zu zeigen, wie Gut oder wie Böse die anderen waren. Damit kommt man also nicht weit. Stilles Gedenken ist aber ein guter Weg und sich dazu etwas Humanistisches Denken könnte dem Einen oder Anderen weiterhelfen.

  11. Huhu

    Menschen brauchen Bilder und Orte. Magdeburg im 30jährigem Krieg. Verdun im ersten. Dresden im zweiten Hiroshima für Atomare Katastrophe. Ganz einfach. Über daß gedenken kann man Streiten.

  12. Sören Göhler, Dresden

    Es wäre ja mal an der Zeit, die Wahrheit zu verkünden, nämlich wieviele Menschen tatsächlich zu Tode kamen, diesbezüglich die Archive zu öffnen, die bis heute nur "ausgewählten Personenkreisen" zur Verfügung stehen. @3, 6: Ich wüßte nichts, was ansatzweise für Proamerikanismus spräche, nichts, was die Ereignisse um den Zweiten Weltkrieg angeht, nichts, was die US-amerikanische Außenpolitik danach und bis heute angeht und auch nicht, was das dortige Gebaren seit der Gründung der USA betrifft.

  13. Klar

    @SZ-Redakteur Oliver Reinhard. Bitte erklären / erläutern Sie mir doch mal Ihre Konstrukte "komplexe Bombardierung" / "unerhört komplexes Ereignis" - WORIN bestand die Komplexität? Ich befürchte jedoch, daß ich keine Antwort erhalten werden...

  14. Realist

    Dresdner 45 muß man in einigen Punkten voll zustimmen Gedenkmärsche ect hinter dem Hintergrund das man nichts gelernt hat. Die jetzt auf die Strasse gehen sollten auch im Gedenken an die Toten Zivilisten u. Soldaten offen dagegen demonstrieren das sich deutsche Soldaten an Manövern an der Ostgrenze beteiligen. Auch der Einsatz am Hindukusch ist ein Wahnsinn u. hat schon Milliarden verschlungen.Es waren damals Politiker die Kriege inszenierten u. es sind auch heute Politiker die deutsche Soldaten in den Einsatz senden. Wobei klar zu sehen ist das aber deren Söhne nicht dabei sind (siehe von der Layen) Da muß man die Frage stellen wann wacht das deutsche Volk auf. Nichts gegen eine Verteidigungsarmee auf eigenem Territorium zu der auch der Grenzschutz gehören muß. Aber mehr nicht. Siehe doch was NATO Mitglied Türkei tut -eine deutsche Regierung mit Verantwortung für sein Volk müsste nun aus der NATO austreten,man will doch ohnehin ein europäisches Verteidigungsbündnis. S

  15. Friedenstaube

    Danke @12, ich bin ganz Ihrer Meinung. Und beim Gedenken an die sinnlos getöteten Menschen am 13. u. 14. Februar 1945 in Dresden geht es m.M.n. nicht um die Aufzählung, welche Stadt denn mehr zerstört wurde, wo mehr Menschen getötet wurden - nein es geht darum immer wieder aufzuzeigen, welche verheerende Wirkung Krieg hat. Gerade in der heutigen Kriegsgeschrei trächtigen Zeit, wo die USA laut über kleinere Nuklearsprengköpfe nachdenkt, um sie punktuell einsetzen zu können, damit die Heimat (USA) nicht tangiert wird, wo kräftig die Lüge eines Erstschlages durch Russland von den USA und unseren Medien verbreitet wird, wo in Bonn ein USA-Hauptquartier entstehen soll usw., da darf das Gedenken der Toten in Dresden nicht aufhören, sondern sollte u. a. auch als Werbung für Völkerverständigung, Abrüstung, ein friedliches Miteinander weltweit, sehr medienwirksam, über die Grenzen Sachsens hinaus, gestaltet werden!

  16. Torsten B.

    Geschichte wird vom Sieger geschrieben. So einfach ist das. Wenn heute davon gesprochen wird, Dresden sei keine unschuldige Stadt gewesen, stellt sich schon die Frage, warum nicht die militärischen Anlagen und Fabriken an der Stadtgrenze bombardiert wurden, sondern zu Fastnacht eine überfüllte Innenstadt mit abertausenden Flüchtlingen. Das Ende des Krieges war absehbar und Dresden lag laut Beschluss von Jalta in der sowjetischen Besatzungszone... Zweifellos hat Deutschland im 2. WK sehr viel Verbrechen auf sich geladen, die Bombardierung der Innenstadt von Dresden war aber eben auch so ein Verbrechen und sollte auch so genannt werden. Das Gedenken sollte den zig-tausend zivilen Opfern dienen und dort stattfinden, wo sie begraben sind. Ein Mahnmal gegen Krieg und Bombardierung könnte aber durchaus diskutiert werden.

  17. so ä dresdner

    man sieht in den Kommentaren mal wieder, 85 Jahre gut gepflegter und unwidersprochener Antiamerikanismus wirken. Nix gelernt.

  18. Kanonikus

    Ich glaube man darf eines nicht vergessen, ist war Krieg? Egal was Churchill gesagt, was Roosevelt dachte oder Stalin wollte, es ging gegen Nazideutschland in seiner gesamten Breite. Ein stilles Gedenken an Opfer von Gewalt von Kriegen und gleichzeitig Bekenntnis zum Frieden und damit verbundenen Initiativen, ohne Gewalt im Rahmen unserer Gesetzgebung, wäre das Optimum. Leider gibt es negative Tendenzen, ohne links und rechts zu unterscheiden, die dies verhindern.

  19. J.A.Woll

    Ich habe mir gerade noch einmal das wundervolle Video von unserer großartigen und klugen Katrin Eckart-Göring angesehen und angehört. Ich zitiere wörtlich: "Dresden das ist vor allem die Frauenkirche die wieder aufgebaut wurde nach dem die Nazis (!) sie zerstört haben und das ist das Symbol an das man heute denken soll.... " Zitat Ende. Nicht den Toten gedenken, den Kindern, Frauen und Vertriebenen, sondern Gebäuden... Und solche Politiker sagen mir wie ich zu gedenken habe und rufen zu Menschenketten und anderem "Gedenken" auf. Sollten die nicht erst einmal wissen wie es war ? Ja die Innenstadt sah grausam aus, jeder sollte sich einmal einen Bildband ansehen und daran denken das darunter in Kellern einfache Menschen waren. Aber Hetzern ist es eben egal, gleich von welcher Seite, Hauptsache Instrumentalisierung und in 50 Jahren, wenn keine Zeitzeugen mehr da sind, war es ......gut das ich dann die Lügen nicht mehr hören muß.

  20. TheBeastFromTheEast

    Eine "unschuldige Stadt" kann es genauso wenig geben, wie eine "schuldige" - sagt der Jurist in mir. Auch das gehört zur Komplexität der furchtbaren Ereignisse. Wir sehen am 13.2. auch, wozu Ideologien geführt haben, die anderen Menschen das Lebensrecht absprachen. In aller Allgemeinheit. Vielleicht könnten wir versuchen, diese Erkenntnis auch an den 364 Tagen des Restjahres zu vertreten. Den Toten kann´s - so schauderhaft es klingt - egal sein, ob wir gedenken oder nicht. Wir Lebenden können aber Lehren ziehen aus dem Gedenken für unser Leben. Und uns dann bspw. überlegen, ob es richtig sein kann, Menschen - das heißt: Männer, Frauen, Kinder - , die sich nichts zu schulden kommen lassen haben, in Kriegsgebiete zurück zu schicken, in denen ihnen das gleiche Schicksal droht, wie den Opfern des 13.2. "Nie wieder Krieg - vor meiner Haustür!" ist da keine Option.

  21. Dresdner

    Ich boykottiere jedwede "Gedenk"-Feierei und jeden "Trauer"-Selbstmitleid Dresdens. An Dresdens Bombardierung war nichts außergewöhnlich. Entweder man gedenkt allen Opfern des Krieges oder keinem. Ehrlich wäre es, wenn Dresden am selben Tag auch der Bombardierung Warschaus, Londons, Coventry, Hamburgs, usw. gedenkt. Und wenn das Gedenken leise und privat abliefe. So ist das nur eine Zeremonie des Selbstbetruges.

  22. Harry369

    @Torsten B. und genau das ist der Punkt! So sehe ich das auch. Hier hat der Kriegsgewinner Schuld auf sich geladen und das darf auch benannt werden. Hat mit Antiamerikanismus meines Erachtens nichts zu tun. Wie viele Städte wurden noch im April 45 in Schutt und Asche gelegt, Halberstadt, Usti u.s.w. Wieviele unschuldige Menschen sind sinnlos in Vietnam, Laos, Kambodscha, Irak, Afghanistan und vielen weiteren Ländern durch diesen Irrsinn umgekommen. Es sollte einfach um stilles Gedenken gehen. Ein getötetes Kind kann keine Schuld auf sich geladen haben...

  23. Dresdner

    @22: Man kann auch Serbien/Kosovo benennen. "Schuld" hat hier die deutsche Armee auf sich geladen. Ich erinnere an bombardiere Schulen, Traktoren, Flüchtlingstrecks usw. durch die deutsche Luftwaffe um das Jahr 1999.

  24. Horstl

    Die Kommentare lassen für die Zukunft nichts Gutes erahnen (vor allem für den Osten) .

  25. Stefan Krüger

    Männer und Väter waren 1945 im Krieg. Die Stadt war voller Frauen, Kinder, Alten und Flüchtlingen, die sich vor der Roten Armee nach Dresden gerettet hatten. Wer den Massenmord an diesen Menschen auf eine „großflächige Zerstörung“, die ein „unerhört komplexes Ereignis darstellt“, reduziert, ohne die anglo-amerikanischen Täter beim Namen zu nennen, und dabei gleichzeitig über „Randgruppen“ schwadroniert, die „historische Tatsachen verfälschen“, muss sich nach den Gründen für seine unmenschliche Interpretation der Geschichte fragen lassen. Reinhard gehört seit Jahren zu den „Gerechten“, die in linksextremer Manier noch immer die Schuld für dieses sinnlose Morden den Opfern selbst zuzuschieben versucht. Zum Nachdenken: Man stelle sich vor, jemand würde Ausschwitz als „unerhört komplexes Ereignis“ darstellen, ohne die Schuldigen konkret zu benennen. Dieser Jemand würde in der SZ vermutlich keine „Kommentare“ mehr schreiben.

  26. Zur Erinnerung

    Dresden war von der Wehrmacht zur Festung erklärt worden. Evakuierungen unterblieben aus diesem Grunde. Als Festungsstadt und wichtiger Verkehrsknotenpunkt wurde Dresden am 13. Februar 1945 bombardiert. Dieses Ereignis wurde zu einem der letzten großen Themen der NS-Propaganda.

  27. Dr.Watson

    Seit 70 Jahren bekommen wir Deutschen ein Schuldkomplex eingeredet. Das fängt schon in der Schule an. Der zweite Weltkrieg ist nur zu verstehen, wenn man ihn im Zusammenhang mit dem ersten Weltkrieg sieht. Auch die sogenannten Befreier und Allierten sind nicht so unschuldig wie immer getan wird. Kolonien ausgeraubt und Völkermord haben andere Länder hundert Jahre vor Adolf Hitler begangen. Wie viel Kriege wurden nach 1945 von den guten Allierten geführt? Wie viel Bomben sind in Vietnam und Korea gefallen? Letzte Woche: Türkei marschiert in Syrien ein, Israel bombardiert Syrien. Protest von den Linken und Grünen Fehlanzeige. 500.000 zivile Deutsche Luftkriegsopfer werden nicht bedauert, Grund wäre wenige hundert Opfer in Coventry als Ausgangspunkt. Die Bombardierung von Innenstädte egal wo, egal von wem sind Kriegsverbrechen. Rache ist Teil von Kriegshandlungen von allen Kriegsparteien. Gestern und heute. Wo ist die Entschuldigung der Engländer für Bomber Harris? Er hat ein Denkmal.

  28. ddfrog

    @28: Also jetzt mal ganz langsam: 1. Wenn Sie einen Schuldkomplex haben, sind Sie zu bedauern. 2. Tote aus verschiedenen Kriegen gegeneinander aufzurechnen ist schäbig und hilft bei der Versöhnung der Völker nicht weiter. 3. Wer bedauert hier wen nicht? 4. Der Bombenkrief der dt. Luftwaffe im WW2 beschränkte sich nicht auf wenige 100 Tote. 5. Die Bürger Coventrys haben ne Menge Geld gespendet für den Wiederaufbau der Frauenkirche. Vermengen Sie das nicht mit dem Harrisdenkmal in London! Leider sind Sie ein Beispiel dafür, dass wir von Versöhnung noch weit entfernt sind.

  29. Schwejk

    @20: Danke, auf den Punkt! @25: im Krieg geht es nie "gerecht" zu. Und Auschwitz war nicht "unerhört komplex" wie Sie hier in vernebelnder Weise unlautere Querschlüsse ziehen wollen, sondern unerhört unmenschlich! Als in Auschwitz massenhaft Menschen von deutscher SS und deren Helfern umgebracht, in Warschau ein ganzes Ghetto von der deutschen Wehrmacht ausgelöscht wurde, haben auch die Dresdner dazu beigetragen, dass diese Kriegsmaschine am Laufen blieb. Pustekuchen "unschuldige Kulturstadt"! Legitimation hat sich Dresden zuletzt höchstens dadurch erworben, dass es einigen wenigen Dresdner Persönlichkeiten (nicht DEN Dresdnern!) gelungen ist, etwas wie Versöhnung im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche zu stiften. An DEN Dresdnern liegt es jetzt, diesen positiven Geist nicht wieder zu zerstören.

  30. J.G.

    Mein (Stief)Vater ist in der Bombennacht mit seiner Mutter und seinen 2 Schwestern dieser Hölle -wie durch ein Wunder- lebend entkommen. Meine Mutter hat von Pesterwitz aus dieses Inferno miterleben müssen. Es vergeht noch heute kaum ein Familientreffen, wo dieser organisierte Völkermord nicht Gesprächsthema ist. Alle die von dem Thema nur "rumfaseln", sollten schweigend gedenken. Schweigend !!!

  31. Reinhard Oliver

    Was will uns der O.R. mit seinem unterkomplexen 'Kommentar' zu einem komplexen Ereignis sagen ?

  32. EausD

    Meine Mutti wurde Zeuge und Opfer der Angriffe auf Dresden. Sie hat als sehr junger Mensch diese Schreckensnacht erlebt. Das Erlebte teilte sie mit uns, ihren Kindern und Enkelkindern. Wirhaben nie irgendwo demonstriert, sondern besinnen uns im Familienkreis, dort gedenken wir auch den Opfern. Wir feilschen auch nicht darum, wieviele Opfer es gab oder welche Stadt mehr zerstört wurde. Die, die in unserer Familie die Angriffe überlebt haben hadern mit der Grausamkeit und Zerstörungswut der Angreifer. Wieso wurde die Albertstadt (alles Kasernen und militärische Speicher), der Flughafen (ebenfalls militärisch genutzt) nebst der dazugehörigen Ausbildungsstätte (Reichsfliegerschule) nicht angegriffen? Deutschland war längst zwischen den Alliierten aufgeteilt. Man wollte Russland wohl diese Stadt nicht überlassen. Deutschland hat nichts dazugelernt. Wir sind Exportweltmeister für Waffen und militärisch nutzbare Ausrüstungen und ermöglichen Kriege und damit Zerstörung und Vernichtung.

  33. Keine Ausreden

    @30, bei allem Respekt vor dem, was Ihre Angehörigen erlebt haben - der Begriff "Völkermord" ist völlig daneben in Bezug auf den Bombenangriff auf Dresden.

  34. FO

    Was bitteschön soll an der Bombardierung Dresdens "komplex" sein? Es war ein furchtbarer Massenmord. Es war ein sorgfältig geplantes und unbarmherzig durchgeführtes Kriegsverbrechen an wehrlosen Zivilisten wenige Wochen vor Kriegsende. Daran ist nichts komplexes.

  35. Klar

    Nennen wir es einfach TERROR. Und das ist nicht (nur) meine Meinung: "Um die Moral der Bevölkerung zu brechen, inszenierten die Engländer ab 1942 den Bombenterror gegen deutsche Städte." [www.spiegel.de/spiegel/bombenangriff-auf-dresden-1945-ueberall-leichen-ueberall-tod-a-1193229.html] Und Terror ist (zumindest heutzutage) strafbar! P.S. Wie zu erwarten, wurde NICHT erklärt, was "komplex" hier überhaupt(!) bedeuten soll - also wohl nur eine Floskel zur 'Verharmlosung'...

  36. Schwejk

    @32, 34, 35: es geht nicht darum, individuelle Schicksale nicht anzuerkennen oder kleinzureden. In beinahe jeder Familie gibt es Erzählungen über Angehörige, die im Krieg verwundet oder getötet wurden oder als vermisst gelten, auch in meiner. Es ist angesichts der bis heute gepflegten Legenden allerdings nötig, das Geschehen einzuordnen. @35: soweit mir bekannt ist, hat die dt. Luftwaffe vom August 1940 bis Mai 1941 fortwährend Einsätze gegen südenglische Städte geflogen; in der letzten Phase wurde gezielt der "Bauch" von London, Docks, Markt- und Lagerhallen in der Stadt, aber auch andere große Städte angegriffen und dabei in bis zu 3 Angriffswellen (pro Nacht!) bis zu 1000 t Bomben abgeworfen. Falls Sie sich fragen, wer das "Drehbuch" für die Bombardierung von Dresden geschrieben hat... Vielleicht gelingt es Ihnen, das anzunehmen, was die Nagelkreuzbewegung von Coventry und die Frauenkirche in DD verkörpern: Vergebung. WIR müssen alles tun, damit sich DAS nicht wiederholt.

  37. Goro Löwe

    Hallo Ben, wenn Sie mir jetzt noch erklären, dass sich die Amerikener seit 200 Jahren für den Frieden in der Welt tatkräftig einsetzen, dann wechsle ich den Glauben!

  38. Klar

    @35: (1) Selbstverständlich waren auch die Angriffe gegen südenglische Städte TERROR. Weshalb Ihr Hinweis - habe ich das etwa verneint? Und dafür rollten dann ja auch Köpfe - im wahrsten Sinne des Wortes... (2) Die Frage nach dem "Drehbuch für die Bombardierung von Dresden" wurde gestern im MDR beantwortet: die Alliierten - mit Mustervorlage Hamburg (Feuersturm) inkl. Versuchen in den USA, um den "passenden Mix aus Brand- & Sprengbomben für die max. Zerstörung" zu ermitteln... (3) Ohne Gerechtigkeit (gleiches Recht für alle) kann es keine echte(!) Vergebung geben - nur Unterwürfigkeit...

  39. Schwejk

    @38: ...Sie meinen vllt. "Perfektionierung", so zynisch das klingen mag. Das "Drehbuch" wurde 1937 über Guernica begonnen (Göring räumte später ein, dass es auch um den TEST der Einsatzfähigkeit der Luftwaffe ging), über Warschau (1939, knapp 26.000 tote Zivilisten) und Rotterdam (1940) fortgeschrieben und kam zum berühmt-berüchtigten Höhepunkt in Coventry (1940; Göbbels erfand "coventrieren" für total vernichten). Warum wohl wurde die damals 600 jährige Altstadt von Rotterdam fast ausschließlich mit Brandbomben beworfen? Vergebung hat etwas damit zu tun, dass man anerkennt, keine endgültige Gerechtigkeit herstellen zu können, schon gar nicht nach so langer Zeit. Es kommt darauf an, für die Zukunft aus den Geschehnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

  40. Klar

    @39 Nein - ich meinte es so, wie ich es schrieb! Haben Sie die Doku überhaupt gesehen?![www.mdr.de/mediathek/fernsehen/video-175268_zc-7748e51b_zs-1638fa4e.html] Für Sie speziell 'sehenswert' ab 21:30 (22:18 -> Dresden soll "hamburgisiert" werden / 22:27 -> Erklärung der 'Experimente') - aber wahrscheinlich 'glauben' Sie nicht mal dem MDR?! "Endgültige Gerechtigkeit" gibt es ohnehin nicht, aber solange TERRORISTEN wie Bomber-Harris noch Denkmäler haben, sind (a) niemals die "richtigen Schlüsse" gezogen worden und somit (b) keine Grundlagen für eine "Vergebung" vorhanden!

  41. Klar

    @36/39 (Nachtrag) "WIR müssen alles tun, damit sich DAS nicht wiederholt." Korrekt - aber 'raten' Sie mal warum die "Schwerter zu Pflugscharen"-Bewegung 'verschwunden' ist. Und ziehen dann die (hoffentlich) richtigen Schlußfolgerungen...

  42. Schwejk

    @40: Sie wollen nicht erkennen, dass es für die furchtbare Bombardierung deutscher Städte bereits "Vorbilder" durch die deutsche Luftwaffe in europäischen Ländern gab?! Wenn Sie sich in selbsttäuschender Weise nur auf den zeitgeschichtlichen Abschnitt ab Sommer 1943 (Aktion "Ghomorrha" zur Zerstörung Hamburgs) konzentrieren, können Sie vllt. zu Ihren falschen Schlüssen kommen. Mit Ihrer alttestamentarischen Haltung "Auge um Auge, Zahn um Zahn" oder eben "solange ein Denkmal für Bomber-Harris steht, kann es keine Vergebung geben" kommen die Gesellschaften im aufgeklärt-humanistischen Zeitalter nicht weiter. Sie sind somit im schlechtesten Sinn "von gestern"! Wir Deutschen profitieren sehr stark davon, dass ost-, süd- und westeuropäische Familien DEN DEUTSCHEN vergeben konnten - trotz immer wieder aufploppender Entschädigungsforderungen, wie z.B. aus Griechenland oder Polen. @41: auf Ihre Erklärung bin ich aber gespannt...

  43. TheBeastFromTheEast

    Es ist zum Mäusemelken: Die Bombardierung Dresdens ist EIN Beispiel dafür, was Krieg bedeuten kann. Was Menschen einander antun können. Vergeben? "Bomber" Harris ist seit 1984 tot - dem kann´s egal sein. Alle Briten mit einer Kollektivschuld zu belasten, ist genauso sinnfrei, wie Kollektivschuld eben geht. Wichtig ist aber, daß auch wir Nachgeborenen Lehren ziehen aus dem, was passiert ist. Und diese Lehren können sogar in einer globalisierten Wirtschaft liegen, in der "Daimler Benz" eben keine "deutsche" Firma ist, sondern ein "global player". In der Nationalismus eben keine Rolle mehr spielt - auch wenn Pegida in Jeans und Turnschuhen "made in India" durch Dresden spaziert. Der Toten gedenken heißt deshalb: Ein Klima zu schaffen, in dem es nicht noch einmal zu solchen Ereignissen kommt.

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