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Freitag, 29.12.2017

Das Elbland profitiert von Überläufern aus Dresden

Zuzügler aus der Landeshauptstadt machen den Landkreis jünger. Die demografische Entwicklung halten sie nicht auf.

Von Dominique Bielmeier und Tobias Winzer

Meißen. Dresden zieht. Das zeigt die neueste Bevölkerungsprognose: Rund 582 600 Einwohner soll die Landeshauptstadt demnach im Jahr 2030 haben. Ende 2015 lag die Zahl noch bei knapp 544 000. Eine Entwicklung, von der auch das Umland profitieren dürfte. Denn viele Dresdner ziehen irgendwann in einen angrenzenden Landkreis. Die Sächsische Zeitung analysiert, was das für den Kreis Meißen bedeutet.

Die Zahlen: Radebeul gewinnt die meisten Dresdner

Radebeul, Radeberg, Heidenau, Bannewitz, Freital, Wilsdruff und Weinböhla – so heißen zurzeit die größten Gewinner, was Zuzüge aus Dresden in den Landkreis Meißen angeht. Die Lößnitzstadt Radebeul sticht dabei besonders heraus. Berechnet man alle Umzüge zwischen Radebeul und Dresden zwischen Mitte 2014 und Mitte 2017, ergibt sich ein Plus von 923 Menschen – das ist der Spitzenwert aller Umlandgemeinden. Radebeul musste in den letzten Jahren deshalb Wohnungen bauen und Bauplätze zur Verfügung stellen. Aktuell gibt es so gut wie keine Bauflächen mehr. Die Stadt möchte noch ein kleineres Wohngebiet an der Kötitzer Straße errichten.

Auf Platz zwei landet Freital mit 601 Menschen. Die meisten neuen Dresdner kommen – hinter Freiberg (245) – ebenfalls aus dem Kreis Meißen: Sie ziehen von Riesa in die Landeshauptstadt. In den vergangenen drei Jahren bis Mitte 2017 waren das 216 Menschen.

Die Gründe: Bezahlbare Mieten und freie Wohnungen

Vom Sommer 2016 bis zum Sommer dieses Jahres sind nach Angaben der Stadt Dresden gut 1 000 Menschen mehr ins Umland gezogen, als in die Landeshauptstadt kamen. „Das betrifft vor allem Familien mit Kindern“, so das Dresdner Rathaus. Ein Grund: In Dresden ist es schon jetzt schwierig, kleinere Wohnungen für Singles und größere für Familien zu finden. Für etwa jeden Fünften sind günstigere Mieten ausschlaggebend für einen Umzug, wie aus der letzten Bürgerumfrage hervorgeht. Außerdem sind der Wunsch nach mehr Ruhe und Naturnähe Gründe für den Wegzug.

In Radebeul, Meißen, Coswig oder Riesa, so erklärt die Stadt Dresden in ihrem neuesten statistischen Bericht, gebe es einen hohen Anteil an Mietwohnungen, weshalb der Fortzug wohl weniger mit Eigentumsbildung als mit der Verfügbarkeit preiswerter Wohnungen zu tun habe. „Aber auch in diesen Städten erfolgt natürlich der Erwerb von Wohneigentum.“

Die Folgen I: Die Bevölkerung schrumpft weiter – aber langsamer

Genau 245 244 Menschen lebten laut Statistischem Landesamt am 1. Januar 2016 im Landkreis Meißen. Die Bevölkerungsvorausberechnung von 2016 zeigt zwei Varianten auf, wie sich die Zahl der Einwohner im Kreis bis 2030 voraussichtlich entwickeln könnte, abhängig von Faktoren wie Geburtenhäufigkeit und Wanderungsbewegungen im Bundesgebiet und dem Ausland.

Beide Szenarien berechnen, dass im Jahr 2030 weniger Menschen zwischen Radebeul und Strehla wohnen dürften, noch rund 237 000 beziehungsweise 226 000. Der Grund: Die Bevölkerung im Landkreis wird immer älter, es sterben mehr Menschen, als geboren werden. Eine Entwicklung, die die Zuzügler aus Dresden zumindest bremsen könnten. Denn die Stadt verliert vor allem Menschen im Alter zwischen 30 und 44 – mit ihren Kindern.

Die Folgen II: Steigende Nachfrage nach Kitaplätzen

Der Zuzug junger Familien wird sich auch bei der Nachfrage nach Kita-Plätzen bemerkbar machen. Laut sächsischem Gesetz über Kindertageseinrichtungen haben nämlich alle Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens.

Deshalb gibt es in Radebeul, der Lieblingsstadt der Dresden-Überläufer, bereits 30 Einrichtungen für über 3 000 Kinder. Die wenigen freien Plätze zeigt die Stadt auf ihrer Internetseite an. In Meißen sind bereits neue Kitas im Bau. Noch geht die Bedarfsplanung für Kindertageseinrichtungen aber davon aus, dass auch die Zahl der Kleinsten sinken wird.

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