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Mittwoch, 14.02.2018

Das Buch zum Karneval

Seit 61 Jahren wird in Rabu der Karneval zelebriert. Und das bei allem Spaß mit dem notwendigen Ernst. Und nun sogar bunt und schwarz-weiß gedruckt.

Von Sven Görner

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Radeburg hat am Wochenende wieder einen bunten und fantasievollen Umzug erlebt. Umso beachtlicher ist, was für tolle Bilder es bereits bei den ersten Umzügen in den 1960er-Jahren zu bewundern gab. So diese Raupe in der 3. Saison.
Radeburg hat am Wochenende wieder einen bunten und fantasievollen Umzug erlebt. Umso beachtlicher ist, was für tolle Bilder es bereits bei den ersten Umzügen in den 1960er-Jahren zu bewundern gab. So diese Raupe in der 3. Saison.

© Karnevalsbuch des RCC

Der Hubschrauber nahm in der 8. Saison Bezug auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio und Mexiko.
Der Hubschrauber nahm in der 8. Saison Bezug auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio und Mexiko.

© Karnevalsbuch des RCC

Aus der 3. Faschingssaison stammt auch das Narrenschiff der Garde.
Aus der 3. Faschingssaison stammt auch das Narrenschiff der Garde.

© Karnevalsbuch des RCC

Das Prinzenpaar war in der 5. Saison in diesem Saxofon unterwegs.
Das Prinzenpaar war in der 5. Saison in diesem Saxofon unterwegs.

© Karnevalsbuch des RCC

Radeburg. Mit der Prämierung der besten Umzugsgruppen und der Entkrönung des Prinzenpaares ist am Dienstagabend traditionell die närrische Saison in Radeburg zu Ende gegangen. Doch Rabu wäre nicht die Karnevalshochburg der Region, wenn man beim Radeburger Carnevals-Club jetzt einfach in den Ruhemodus wechseln würde. Denn nach etwas Luftholen und Ausschlafen kommen sicher schon die ersten Ideen für das Motto der 62. Saison und Präsident Olaf Häßlich kümmert sich wieder um die Auswahl des neuen Prinzenpaares. Wenn er den Trubel der vergangenen tollen Tage in Rabu nicht schon für ein konspiratives Gespräch genutzt hat. Egal wie, eines ist sicher: Nach dem Karneval ist vor dem Karneval in Rabu.

Aber wieso Karneval und nicht Fasching? Und wer hat das närrische Treiben vor 61 Jahren eigentlich ins Zille-Städtchen gebracht. Oder gibt es hier gar einen großen historischen Irrtum? Wer darauf Antworten sucht, sich neben dem ausgelassenen Feiern auch für das damit verbundene Brauchtum interessiert, oder wer befürchtet, nach dem Ende der fünften Jahreszeit an karnevalistischen Entzugserscheinungen zu leiden, dem kann geholfen werden. Schließlich nimmt man das närrische Treiben in Rabu so ernst, dass darüber sogar ein Buch erschienen ist. Zwar schon zum Start der 61. Saison, aber vielleicht hat ja der eine oder andere bisher bei all dem Feiern und den Vorbereitungen für den großen Straßenumzug noch nicht die Zeit und Muße gefunden, sich damit zu beschäftigen.

Mit seinen Recherchen hat Autor Klaus Kroemke so manche Anekdote aus der langen Geschichte wieder ans Licht geholt. Und auch Legenden widerlegt, die sich mit der Zeit verbreitet haben. Wie etwa die, dass Kurt Georg, Friseurmeister und närrisches Radeburger Urgestein, den Karneval nach Radeburg gebracht hat. „Richtig ist, dass er 1957 den Elferrat gegründet hat. Fasching wurde aber auch schon vorher in Radeburg gefeiert, wie Fotos aus den Privatarchiven von Kurt Georg belegen“, sagt Klaus Kroemke. Mit seinen Kostümierungen könnte er gleich mehrfach Preise abräumen.

Der Autor hat aber auch herausgefunden, dass die Karnevalstradition in Radeburg nicht nur ein paar Jahre älter ist als die Geburtsstunde des Elferrats, sondern dass die Narren in Rabu sogar denen am Rhein das Wasser reichen können. Schließlich wurde die 1825 ins Leben gerufene sogenannte Wintermittwochsgesellschaft nur zwei Jahre nach der Rosenmontagsgesellschaft in Köln gegründet. „Zwar war bei dieser noch nicht direkt von Fasching oder Karneval die Rede und man verkleidete sich auch nicht, aber man traf sich von Ende Oktober bis Februar.“ Von 1844 bis in die 1930er-Jahre wurde diese Tradition dann von der Casinogesellschaft fortgesetzt. Diese lud 1847 zum 1. Fastnachtsball und 1866 schließen zum 1. Maskenball ein. Damit war Radeburg endgültig unter der Narrenkappe. Klaus Kroemke: „Ab da veranstalteten auch andere Vereine der Stadt Maskenbälle.“

Die Entstehung des Buchs zum Karneval in Rabu ist indes inzwischen selbst ein Teil der Historie. Und nicht einmal ein kurzer. Denn den Anstoß dazu hatte RCC-Präsident Olaf Häßlich schon ein paar Jahre vor der 50. Saison gegeben, in die der Verein 2007 startete. „Am Ende waren es drei fette Ordner mit rund 600 Seiten und schließlich auch einige Zweifel“, sagt Klaus Kroemke. So gab es Bedenken, dass nicht alles, was erzählt wird, auch tatsächlich so passiert ist. Und selbst wenn – wollen das die Akteure dann auch noch in Buchform gedruckt dokumentiert sehen? Und schließlich: Ist das Interesse am Radeburger Karneval tatsächlich so groß, dass es übers Feiern und Gestalten von Umzugsbildern hinausgeht?

Das Manuskript verschwand so erst einmal in der berühmten Schublade. Bis die Narrenpolizei vor einem Jahr daran erinnerte, dass eine Chronik vorliegt, an der es sehr wohl ein öffentliches Interesse gibt. Und da sich inzwischen auch kleine Auflagen zu überschaubaren Kosten herstellen lassen, gibt es nun den ersten Band der Radeburger Karnevalsgeschichte. Die Nummerierung und auch die Tatsache, dass dieser nur den Zeitraum bis zur zehnten Saison abdeckt, legt nahe, dass weitere Bände folgen sollen. Geplant sind, so der Autor, derzeit noch zwei. Wann diese erscheinen werden, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich der jetzige verkauft.

Das Buch zum Karneval in Rabu gibt es beim Ideenwerk Kroemke in Radeburg. Der Preis beträgt 25 Euro.