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Dienstag, 02.01.2018

„Das Beste, was ich aus der Halle machen konnte“

Andrea Hartkopf hat für über eine halbe Million Euro einen Trampolinpark in Hoyerswerda eröffnet.

Von Anja Wallner

Andrea Hartkopf hat die einstige Gebrauchtwarenhalle im Wohnkomplex X in Hoyerswerda zum ersten Trampolinpark der Lausitz umbauen lassen.
Andrea Hartkopf hat die einstige Gebrauchtwarenhalle im Wohnkomplex X in Hoyerswerda zum ersten Trampolinpark der Lausitz umbauen lassen.

© HY-photo Gernot Menzel

Wenn der JumpUp-Trampolinpark in Hoyerswerdas WK X unter der Woche um 15 Uhr öffnet, dann hat Andrea Hartkopf praktisch schon einen ganzen Arbeitstag hinter sich. Morgens um 7 steht die Inhaberin in ihrer Sprunghalle an der Otto-Nagel-Straße, um die einzelnen Sprungflächen und -gruben der Anlage zu kontrollieren, die Tausende Schaumstoffwürfel wieder an Ort und Stelle zu bringen und Schaumstoffkrümel wegzufegen. Zwischendurch stehen an diesem Dienstag noch Termine bei Bank und Ämtern an. „Wartung und Unterhaltung sind sehr zeitintensiv“, sagt Andrea Hartkopf und stellt den Besen erst mal weg. „Da habe ich mich auf etwas eingelassen.“

Aber um Gottes willen, nein, keineswegs bereut sie, ihre frühere Gebrauchtwarenhalle am Stadtrand zum ersten Trampolinpark der Region umgebaut zu haben. Im Gegenteil: „Das war das Beste, was ich aus der Halle machen konnte.“ Etwa vor einem Jahr waren die Planungen für das Vorhaben angelaufen, wurden die ersten Kreditanfragen gestellt. Danach hieß es: Möglichst viele Gebrauchtwaren, von Omas Kaffeetasse bis hin zum schnörkeligen Telefonapparat, schnell verkaufen, bevor dann ab April nonstop zwei Monate ausgeräumt und entkernt wurde.

Dabei lief nicht alles glatt. Heute spricht Andrea Hartkopf ganz nüchtern über die Schwierigkeiten, aber damals sei ihr „schon ganz anders geworden“. Zum Beispiel musste die Halle Tiefe bekommen, damit die „Hüpfer“ auf den Trampolinen genug Raum nach oben haben. Dabei hat der TÜV ein Wort mitzureden. Also waren zeitweilig drei Bagger parallel in der Halle am Werk, um den Beton aus dem Boden zu hebeln… Brenzlig wurde es auch kurz vor der Eröffnung. Die Bauteile für die Sprunganlagen wurden nämlich aus Asien eingeschifft – und das Schiff geriet in einen Taifun, so dass sich die Lieferung verzögerte. „Zum Glück waren die Bauleute hier dann flink und schafften den Einbau in drei statt der geplanten vier Wochen.“

Beginn am Freitag, dem 13.

Am 13. Oktober vergangenen Jahres, an einem Freitag, öffnete der Trampolinpark mit freien Sprungflächen, einem Basketballfeld, einem Ninja-Parcours und anderen Möglichkeiten, sich hüpfend auszutoben auf 1 000 Quadratmetern, erstmals seine Tore. Andrea Hartkopf wertete es als gutes Omen, dass die Eröffnung ausgerechnet auf den „unglücklichen“ Freitag, den 13. fiel. „Angenehm gefüllt“ sei das „JumpUp“ seither gewesen; rund 2 600 Besucher seien bisher über die Trampoline gehüpft, die gleichzeitig von 20 Springern genutzt werden dürfen. „Mehr können es also nicht werden – nur nicht weniger“, erklärt die Chefin. Dass dies so schnell nicht eintritt, dafür hat das Weihnachtsgeschäft mit Gutscheinverkauf beigetragen. Nachmittags zwischen 14 und 17 Uhr hatte man kaum eine Chance. Fast alles ausgebucht.

Aus einem Umkreis von 150 Kilometern finden die Gäste den Weg in den Plattenbau am Nordrand von Hoyerswerda. „Selbst Schulklassen und Sportvereine“, staunt Andrea Hartkopf. Sogar aus Dresden kämen die Leute, obwohl dort ebenfalls ein Trampolinpark existiert. „Sie finden es hier überschaubarer, besser einsehbar.“ Die Rückmeldungen der Gäste sind nach Aussage von Andrea Hartkopf fast durchweg positiv. Auch der erste Sportkurs ist durch. Das macht natürlich Lust aufs Pläneschmieden bei der Betreiberin. Zum Beispiel, einen „Schul-Jump“ anzubieten, für Klassen am Wandertag, oder Ferienspiele.

Erste bauliche Veränderungen an den Trampolinen waren auch schon nötig, das bringt die Erfahrung aus dem Nutzerverhalten mit sich.

Ehemalige Stammkunden der Gebrauchtwarenhalle staunen, was aus dem vollgestopften Trödelladen geworden ist. Rings um das „JumpUp“ allerdings, nun ja, sieht es so aus, wie es in einem abgerissenen, praktisch nicht mehr existenten Stadtteil eben aussieht. Straße ins Nichts, Brachen mit kunterbunt durcheinanderwachsendem Grün, Pfähle, an denen mal Straßennamensschilder angebracht waren. Schon mutig, in eine so unwirtliche Gegend privat mal eben rund 700 000 Euro reinzubuttern.

Verwaltungs-Dampf ablassen

Grundsätzlich findet Andrea Hartkopf die Leere um sie herum jedoch gar nicht schlecht. Wo niemand ist, kann sich niemand über Besucherverkehr beschweren. Aber: „Der WK X interessiert die Stadt nicht mehr, der ist raus aus der Planung“, meint die JumpUp-Betreiberin. Winterdienst? Darum kümmert sich Andrea Hartkopf, der ja auch der benachbarte Indoor-Spielplatz „Tobix“ gehört, schon lange selbst. Sorge bereiten ihr die funzeligen Straßenlampen. „Hier hinten ist es stockdunkel.“ Kinder hätten da Angst, es habe schon Beschwerden in der Richtung gegeben. „Die Stadt macht‘s aber nicht heller, die stellt selbst nur Forderungen“, sagt Andrea Hartkopf. So soll sie nach ihrer Aussage einen barrierefreien Eingang schaffen. „Den gibt‘s aber hinten schon. Warum soll ich jetzt in eine Riesen-Rampe investieren?“

Einen Windfang in den Eingangsbereich zu bauen sei ihr jedoch nicht gestattet worden, wegen der Veränderung der Fassade … Auch Markierungsstreifen für die Stellflächen hätte sie aufbringen sollen, obwohl das am „Tobix“ nicht notwendig gewesen sei … Als Gewerbetreibende fühlt sie sich in Hoyerswerda eher „abgespeist“. Dabei habe sie sieben Voll- und zwei Halbtagsstellen geschaffen und bringe auch Kundschaft ins Lausitzbad, den Zoo oder das Lausitz-Center, weiß sie aus Gesprächen mit ihren Gästen. Wer einmal hier sei, der suche nach der Hüpf-Stunde eben auch noch andere Einrichtungen in der Stadt auf.

„Die große Industrie, auf die offenbar alle warten, die wird nicht kommen. Vorhandenes Gewerbe, das die Stadt aufrechterhält, sollte demnach unterstützt werden.“ Sie möchte keine Auszeichnung, sondern ein Gefühl der Wertschätzung der Leistung, wenn sie sich mit einem Anliegen ans Rathaus wendet.

Was wünscht sich Andrea Hartkopf noch für das neue Jahr? „Der Anfangsboom möge weitergehen“, sagt die Unternehmerin. Außerdem möchte sie mit dem Ausbau der Angebote vorankommen und sie betont, dass sie keine Kinderanlage betreibe. Das Publikum sei bisher eher jünger, Kinder. Erwachsene hätten Hemmungen vor dem Hüpfen. „Leider“, sagt Andrea Hartkopf. Denn gerade zum Fitbleiben sei Trampolinspringen super. Also, Erwachsene, meint sie: „Traut euch!“

Von Urlaub, von Weniger-als-zwölf-Stunden-Arbeitstagen ist bei der Wunschaufzählung keine Rede. „Brauche ich nicht, ist eigentlich nur Stress mit der Packerei und Fahrerei“, meint die Hoyerswerdaerin. Ihr reiche mal ein Tag ohne Telefon, dafür mit einem schönen Buch oder auch ein ruhiges Mittagessen auswärts.

Außerdem hat sie noch etliche Ideen für weitere Projekte im Kopf, deutet sie verschmitzt an. Alle zwei Jahre habe sie etwas Neues gewagt. Aus ihrer Gaststätte „Zur Börse“ wurde das Spielhaus „Tobix“, danach entstand nebenan das „JumpUp“. Nun, dann hat Andrea Hartkopf ja noch reichlich eineinhalb Jahre Zeit, um ihre neuen Ideen zu drehen und zu wenden …