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Freitag, 13.10.2017

Dampferflotte ist auf Kurs

2015 lief schlecht für die Schiffe, 2016 war etwas besser. Das aktuelle Jahr setzt den positiven Trend fort.

Von Christoph Springer

Der Dampfer „Stadt Wehlen“ auf der Elbe bei Meißen.
Der Dampfer „Stadt Wehlen“ auf der Elbe bei Meißen.

© Archiv/Claudia Hübschmann

Die wirtschaftlichen Aussichten der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS) sind so gut wie lange nicht. Während das Unternehmen 2015 fast 28 Prozent weniger Tickets verkaufte als im Jahr zuvor, lief bereits 2016 besser. Nun wird auch das vergangene Jahr übertrumpft. Marketingchef Robert Rausch stellt zwei Tage vor dem Ende der Hauptsaison ein erneut verbessertes Ergebnis in Aussicht. „Es ist noch nicht alles ausgewertet, allerdings lassen die Prognosen positiv in die Zukunft schauen“, sagt Rausch. Er rechnet mit einem Zuwachs zwischen ein und fünf Prozent.

Was ist der Grund für die positive Entwicklung?

Das Wetter hat gepasst. 2017 gab es kein so extremes Niedrigwasser wie im Jahr zuvor. 2016 konnten die Schiffe an mehr als 80 Tagen nur eingeschränkt fahren, an 13 Tagen ging sogar gar nichts. Das war in diesem Jahr anders. 48 Tage lang konnten die Schiffe nicht mit voller Auslastung auf Strecke gehen, es gab keinen Tag, an dem gar kein Dampfer ablegen konnte. Diese Zahlen spiegeln sich nun in der positiven Fahrgastbilanz wieder. 425 000 Fahrkarten verkaufte das Unternehmen im Ebbe-Jahr 2015, im vergangenen Jahr waren es 499 000. In diesem Jahr soll auf jeden Fall die 500 000er-Marke geknackt werden. Geschäftsführerin Karin Hildebrand stellte vor Saisonbeginn fest. „Wenn wir in diesem Jahr eine ähnliche Saison wie 2016 haben, dann können wir hoffnungsfroh in die Zukunft blicken.“ Dazu hat die SDS nun allen Grund.

Was passiert, wenn das nächste Niedrigwasser-Jahr kommt?

Dann wollen die Verantwortlichen der Dampfschiffahrt flexibel reagieren. Das heißt, dass vor allem Schiffe mit wenig Tiefgang fahren oder die Dampfer nicht bis zum letzten Platz besetzt werden dürfen. So war das auch schon beim Extrem-Niedrigwasser 2016. Die Schlösserfahrten, die eigentlich große Dampfer anbieten, hat damals die Diesbar übernommen – eines der kleinsten Schiffe der Flotte. Solche flexiblen Schiffswechsel planen die SDS-Verantwortlichen weiter. Parallel dazu bildet das Unternehmen ein finanzielles Polster, um Fahrpausen besser überbrücken zu können.

Wie reagieren die Passagiere auf diese Einschränkungen?

„Wir stellen uns immer besser auf die Gegebenheiten ein und treffen zumeist auch auf großes Verständnis bei den Fahrgästen“, sagt Rausch. Andererseits: Diese Flexibilität verlangt den Verantwortlichen viel ab. „Es war eine turbulente Hauptsaison“, stellt der Marketingchef fest. „Wir mussten enorme Anstrengungen im Servicebereich unternehmen, um immer alle Kunden zu erreichen.“ Denn bei Niedrigwasser stehen die Telefone in der SDS-Zentrale nicht mehr still. Dann wollen die Kunden wissen, ob die Schiffe fahren, wann sie fahren und auf welche Änderungen sie sich einstellen müssen.

Welche Strecken waren besonders gefragt?

Renner sind in jedem Jahr die Dresdner Touren auf der Elbe, die Stadtfahrt vom Terrassenufer nach Blasewitz und die Schlösserfahrt von der Altstadt bis Pillnitz. Die am besten gebuchte Tour war 2017 die Schlösserfahrt. „Das lag wahrscheinlich an der Kombination mit dem Eintritt in Schloss und Park Pillnitz.“ Sehr gut war laut Rausch auch die Nachfrage der Touren zur Sächsischen Weinstraße. „Das lag unter anderem daran, dass man die Dampfschiffahrt mit einem VVO-Ticket für die Rückfahrt oder einem Besuch der Porzellanmanufaktur in Meißen kombinieren konnte“, ist er überzeugt.

Wie geht es den Dampfern und Salonschiffen?

Nachdem die Dresdner Flotte 2016 zwei Brände auf den Dampfern Leipzig und Diesbar verkraften musste, gab es 2017 keine dramatischen Havarien. „Hier und da war mal ein Hilfsdiesel defekt“, berichtet Rausch. Zuletzt konnte der Dampfer Dresden zwei Wochen lang nicht fahren, weil die „Luftpumpe“ kaputt war. Das ist ein spezielles Bauteil, dass das Vakuum in der Dampfmaschine erzeugt. Und die „Pillnitz“ liegt bereits in der Werft in Laubegast auf dem Trockenen. Sie wird von Grund auf überholt, dazu wird auch die Dampfmaschine ausgebaut. „Das Untergestell der Maschine muss erneuert werden“, sagt der Marketingchef der Flotte.

Außerdem bekommen die „Rathen“ und die „Pirna“ neue Kioske. Darüber hinaus müssen an allen neun Dampfern die Schaufelräder wieder auf Vordermann gebracht werden.

Steigen im nächsten Jahr die Ticketpreise?

„Nach jetzigem Stand nicht“, sagt Rausch. Die Flotte will aber mit neuen Fahrkartenarten zusätzliche Passagiere locken. So ist eine Extrafahrkarte geplant, die künftig Alleinerziehende mit Kindern nutzen können.