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Donnerstag, 12.10.2017

Damit der Theaterplatz wieder strahlt

Die Wilsdruffer Firma Ostmann und Hempel restauriert alte Metallobjekte. Gerade hat sie einen besonderen Auftrag.

Von Hauke Heuer

Daniel Ostmann (33), Metall-Restaurator und Sohn des Firmengründers, restauriert und reinigt Lampenaufsätze der großen Kandelaber vom Dresdner Theaterplatz. Die Firma Ostmann und Hempel ist fast immer mit von der Partie, wenn in Dresden und Umgebung denkmalgeschützte Objekte wieder hergerichtet werden.
Daniel Ostmann (33), Metall-Restaurator und Sohn des Firmengründers, restauriert und reinigt Lampenaufsätze der großen Kandelaber vom Dresdner Theaterplatz. Die Firma Ostmann und Hempel ist fast immer mit von der Partie, wenn in Dresden und Umgebung denkmalgeschützte Objekte wieder hergerichtet werden.

© Andreas Weihs

Wilsdruff. Alte Bronzefiguren, kunstvoll gefertigte Fensterrahmen und barocke Geländer, wie man sie nur an Schlössern oder ähnlichen Prunkbauten findet – ein Gang durch die Restaurationswerkstatt von Ostmann und Hempel ist eine Zeitreise durch die Geschichte des Kunsthandwerks. Hier bekommt alles Alte wieder frischen Glanz oder wird komplett neu hergestellt.

„Wir machen eigentlich alles, was mit Metall zu tun hat“, erklärt Uwe Ostmann (58). Gemeinsam mit Frank Hempel (49) hat er 2008 seinen ehemaligen Arbeitgeber, den bekannten Restaurator Fuchs und Girke in Ottendorf-Okrilla, verlassen und sich seine eigene Existenz aufgebaut.

„Der Zeitpunkt war nicht gut gewählt“, erinnert sich Ostmann. In der Finanzkrise hatte die öffentliche Hand, oft wichtigster Auftraggeber für Restaurationsbetriebe, weniger Geld für große Projekte. So gestalteten sich die ersten Monate schwierig. „Trotzdem schrieben wir nach einem Jahr schwarze Zahlen“, sagt Ostmann stolz.

Ein Blick in die Referenzen des Unternehmens zeigt, dass Ostmann und Hempel in den vergangenen Jahren eigentlich überall die Finger im Spiel hatten, wenn in Dresden und der Umgebung Denkmäler saniert wurden. Die restaurierten und teils neuen Lampen vom Zwinger gingen durch die Hände der Wilsdruffer. Viele Wandleuchter im Dresdner Schloss wurden von den Restauratoren wieder auf Vordermann gebracht. Derzeit werden historische Geländer vom Herzogin Garten in der Werkstatt herausgeputzt. Auf dem Hof lagern sechs der großen Kandelaber, die sonst den Theaterplatz an der Semperoper in Dresden beleuchten. Sie bekommen eine komplett neue Verkabelung. Doch die Firma Ostmann und Hempel ist auch bundesweit aktiv, etwa in den Schlössern von Potsdam, Babelsberg und Berlin.

Um den verschiedensten Anforderungen gerecht zu werden, die die Denkmalpflege an die Restauratoren stellt, ist das Unternehmen mit seinen 16 Mitarbeitern breit aufgestellt und verfügt über verschiedene technische Möglichkeiten. In der Firma arbeiten Schlosser, Schmiede, Kunsthandwerker und auch eine Historikerin, die die Restaurierungsarbeiten dokumentiert. In eigenen strom- und gasbetriebenen Brennöfen können Formen und Figuren aller Art angefertigt werden – nicht nur Repliken, sondern auch Werke von modernen Künstlern. In verschiedenen Sandstrahl- und Lackieranlagen erhalten die Objekte ihre edlen Oberflächen. Auch Schweißarbeiten führen die Mitarbeiter selbst aus. Derzeit wird aus Stahlrohren eine sogenannte Gewölbeabstraktion für die Busmannkapelle in Dresden gebaut.

Am Goldenen Reiter mitgewirkt

Ostmanns persönlicher Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn war die Neuvergoldung des Goldenen Reiters in Dresden im Jahr 2001: „Wir hatten eigentlich erwartet, dass sich eine Urkunde im Marschallstab befindet. Politiker, Pressevertreter und Schaulustige hatten sich versammelt, um das Dokument zu Gesicht zu bekommen. Doch der Stab war natürlich leer. Ich glaube nicht, dass sich jemals etwas darin befunden hat“, schmunzelt Uwe Ostmann noch heute über diese kuriose Situation.

Sein Sohn Daniel (33) ist in die Fußstampfen des Vaters getreten. Auch er wechselte von Fuchs und Girke in den neuen Betrieb. Später studierte er Metallrestauration und arbeitet jetzt als Projektleiter – ein echtes generationenübergreifendes Unternehmen.

Dabei hatte sich Uwe Ostmann selbst eher aus der Not heraus für diesen Beruf entschieden. „Ich habe nicht an der Jugendweihe teilgenommen und war nicht besonders angepasst. So durfte ich kein Abitur machen“, erinnert er sich und fügt hinzu, „die Arbeit mit Metall hat mich fasziniert. So habe ich in Freiberg Kunstschmied gelernt und später im VEB Denkmalpflege in Dresden gearbeitet – eine Nische für Handwerker, die nicht in das System passten. Dort wurde ich zum Werkstattleiter.“

Wirklich wehmütig wird er nicht, wenn er an diese Zeiten denkt. Nur eines war früher besser: „Nach der Wende wurde sehr viel restauriert, allerdings stieg auch der Leistungsdruck. Projekte, die früher in Jahren verwirklicht wurden, müssen heute in wenigen Monaten beendet werden.“

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