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Donnerstag, 17.05.2018

Container im Fünfminutentakt

Am Riesaer Hafen wird täglich tonnenweise Ware umgeschlagen. Daran ändert auch Niedrigwasser wenig.

Von Stefan Lehmann

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Gewichte bis zu 45Tonnen können die Kräne im Hafen heben. Dieser Container kommt aus Torgau und soll die Elbe hinab Richtung Hamburg verschifft werden – sobald die Elbe wieder genug Wasser führt.
Gewichte bis zu 45 Tonnen können die Kräne im Hafen heben. Dieser Container kommt aus Torgau und soll die Elbe hinab Richtung Hamburg verschifft werden – sobald die Elbe wieder genug Wasser führt.

© Sebastian Schultz

Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Stephan Weikert gehört zur Terminalleitung im Riesaer Hafen.
Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Stephan Weikert gehört zur Terminalleitung im Riesaer Hafen.

© Sebastian Schultz

Die Containerstapel wirken teils chaotisch, haben aber System.
Die Containerstapel wirken teils chaotisch, haben aber System.

© Sebastian Schultz

Riesa. Eine schrille Warnglocke ertönt, als sich der blaue Lastenkran gemächlich auf dem Gleis in Bewegung setzt. Nach gut 100 Metern macht das Ungetüm halt, der Kranarm schwenkt nach links und senkt sich. Die beiden Männer am Boden warten schon, der eine links, der andere rechts vom Lkw-Anhänger. Mit routinierten Handgriffen befestigen sie vier schwere Ketten an den Ecken des Containers. „Bei mir sieht’s gut aus“, ruft einer der beiden. Ein kurzes Signal an den Kranführer, dann hebt der Container ab – und wird wenige Meter daneben zu Boden gelassen, wenige Meter neben der Hafenkante.

Hier wird sie erst einmal warten, erklärt Stephan Weikert von der Terminalleitung. „Der Container soll mit dem Schiff weitertransportiert werden.“ Normalerweise fahren regelmäßig Schiffe in Richtung Hamburg den Riesaer Hafen an. Doch weil die Elbe seit einigen Tagen zu wenig Wasser führt, wurde der Linienbetrieb Ende vergangener Woche eingestellt. Viel zu tun gibt es trotzdem, auch wenn es am Mittwochvormittag verhältnismäßig ruhig ist. „Ich schätze, ab 11 Uhr wird es hier wieder richtig turbulent“, sagt Stephan Weikert. Dann seien die meisten Lkw-Fahrer mit ihren Pausen durch.

Der Kran hat mittlerweile schon den nächsten Container angehoben und auf den Lkw geladen, der eben noch seine Fracht gelöscht hatte. Der Fahrer hatte eben noch Waren aus Torgau rangeliefert, jetzt geht es nach Haldesleben, erzählt er. Später wieder Torgau. Anhand der Kennziffer und des seltsamen Aufbaus auf dem Containerdach erkennt der Terminalleiter, was da vermutlich aus Torgau nach Riesa transportiert wurde: Flachglas des Konzerns Saint-Gobain.

Die Container sind wegen ihrer Höhe ein Spezialfall, erklärt Stephan Weikert. Ein normaler Lkw könnte sie nicht ohne Weiteres transportieren. „Container mit einer Ladungshöhe über 3,20 Meter müssen aufs Schiff.“ Alles andere wäre ein viel zu großer Aufwand. Der Hafenbetreiber SBO hat deshalb diesen Lkw-Pendelverkehr eingerichtet: Ein spezieller, etwas flacherer Auflieger ermöglicht den Transport von Torgau nach Riesa. Von dort geht’s aufs Schiff. – Mit seiner Prognose liegt Weikert am Ende richtig. Ab kurz vor 11 Uhr rollen die Lastwagen im Fünfminutentakt aufs Hafengelände. Kaum haben sie an einer dafür vorgesehenen Fläche gestoppt, kommt schon ein sogenannter Greifstapler heran – eine Art mobiler Kran – greift die Ladung und fährt damit davon. Wenige Augenblicke später landet ein neuer Container auf dem Lkw-Auflieger.

Was von außen chaotisch wirkt, hat System. „Es gibt ein Schema, nach dem die Containertypen auf dem Hafengelände aufgestellt sind“, erklärt Stephan Weikert. Was die Fahrer aufladen, das entscheiden die Kollegen in einem kleinen Büro an der Hafeneinfahrt. Sie wissen auch ganz genau, was jeder geladen hat. Anhand einer Nummer lässt sich jeder einzelne Container identifizieren. Die ersten Zeichen weisen auf die Reederei hin, die Zahlenfolge danach macht den Container unverwechselbar. „Wie bei einem Autokennzeichen“, sagt Weikert.

Trotzdem müssen die Hafenarbeiter manchmal nach bestimmten Containern suchen. Schon früh am Morgen wird durchgeplant, welche Container tagsüber auf Zug, Schiff oder Lkw gebracht werden müssen – abhängig davon, wann die Ware am Zielort sein muss. Wegen des Niedrigwassers und des Feiertags am Donnerstag werden Weikert und seine Kollegen viel jonglieren müssen. „Es sind Container für fünf Züge da, es kommen aber weniger.“ Immerhin, in einer Woche komme wahrscheinlich ein Sonderzug, das bringe etwas Entlastung. Allein über die Straße jedenfalls funktioniert der Umschlag nicht: Bis zu 75 Container passen auf einen Zug, auch ein Schiff kann bis zu 72 Container laden.

Der umstrittene Bau des Riesaer Terminals würde an der Arbeitsweise im Hafen wohl einiges ändern. „Aus zwei würden sechs Gleise werden“, sagt Weikert. Damit hätten die Hafenmitarbeiter mehr Spielraum. Denn wenn derzeit ein Zug im Hafen steht, dann muss er schnell abgefertigt werden, weil sonst das Gleis blockiert ist – und andere Ware folglich nicht umgeschlagen werden kann. Außerdem kämen am neuen Terminal große Portalkräne zum Einsatz. Gegen sie würden die blauen Ungetüme fast schon zwergenhaft aussehen.