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Freitag, 13.10.2017

Capron wächst und wächst …

Selbermachen lautet die Devise beim Wohnmobilhersteller. Auf diese Weise werden viele neue Arbeitsplätze geschaffen.

Von Nancy Riegel

Die neue Logistikhalle wird gerade gebaut, ebenso die fünfmal so große Produktionshalle. Projektleiter Toni Pietsch (l.) und Capron-Geschäftsführer Daniel Rogalski (r.) haben ein wachsames Auge auf die Baustellen an der Berghausstraße.
Die neue Logistikhalle wird gerade gebaut, ebenso die fünfmal so große Produktionshalle. Projektleiter Toni Pietsch (l.) und Capron-Geschäftsführer Daniel Rogalski (r.) haben ein wachsames Auge auf die Baustellen an der Berghausstraße.

© Capron/Frank Kramer

Neustadt. Kaum ein Artikel in der SZ über den Wohnmobilproduzenten Capron kam in den letzten Jahren ohne das Wort „Wachstum“ aus. Und auch aktuell steht diese Entwicklung an der Berghausstraße wieder hoch im Kurs. An mehreren Stellen baut das Unternehmen und investiert Millionen. Und es braucht noch mehr Mitarbeiter als bisher.

Davon sind es aktuell schon 650 auf dem Werksgelände in Neustadt. Vor fünf Jahren, als Daniel Rogalski seinen Posten als Geschäftsführer antrat, lag die Zahl noch bei 240. Für Azubis wurde in dieser Woche eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit auf dem Betriebsgelände geschaffen (SZ berichtete). Damit auch in der Produktion mehr Platz geschaffen wird, errichtet Capron unter anderem zwei neue Hallen.

Neustadts größte Tischlerei findet sich bei Capron

Mehrere Hundert Meter weit fährt ein Wohnmobil im Werk, bis es fertig zur Auslieferung ist. Am Förderband installieren die Arbeiter auf die Karosserie Wände, Dach, Elektrik, Innenleben, bekleben die Außenwände und putzen noch einmal gründlich durch. Bauteile wie die Chassis werden angeliefert. Auch bei Möbeln wie Küchenschränken nutzt Capron teils externe Zulieferer. Diese Teile sollen vermehrt vor Ort produziert werden. Dafür wird in den kommenden Monaten eine neue Produktionshalle mit 10 000 Quadratmetern Grundfläche errichtet. Produziert wird dann auf rund 50 000 Quadratmetern. Bis Ende 2018 soll die Halle, die massiv gebaut wird, stehen. Dort hinein zieht auch die Abteilung Zuschnitt. Dort schneiden die Angestellten Rohre, Leisten und Holz zu. Pro Wohnmobil werden bis zu 350 Holzteile verbaut, die dann fast alle aus dem Werk stammen sollen. „Man kann sagen, wir sind die größte Tischlerei der Region“, überlegt Capron-Sprecher Frank Kramer.

Lkws bekommen ein Dach über den Kopf

Halle Nummer 2, ebenfalls gerade im Bau, schließt im Süden an den bestehenden Logistikbereich an. 60 bis 80 Lastwagen fahren das Neustädter Werk am Tag an. Die transportierte Ware liefern sie quasi direkt ans Band. Mit dem neuen Bau sollen diese Abläufe etwas geordneter zugehen. „So ist es möglich, Montagesets schon vor dem Einbauen in den Caravan zu bilden“, erklärt Rogalski. Das verlagert Arbeit vom Band in die Halle und schafft Platz in der Produktion. Außerdem können die Bauteile dann im Trockenen angeliefert werden. Das freut die Mitarbeiter.

Fleißige Hände werden immer gebraucht

Nicht primär die Einsparung der Kosten stünde bei der aktuellen Baumaßnahme im Vordergrund, erläutert Kramer. „Es geht vor allem darum, die Qualität selbst bestimmen und flexibel produzieren zu können.“ Jeder Caravan hat, schon bevor er die Hallen in Neustadt verlässt, einen Käufer. Und der hat einen individuellen Geschmack. Geschäftsführer Daniel Rogalski fügt hinzu, dass sich Capron die Möglichkeit offen lässt, in Zukunft nicht nur für eigene Caravans Möbel zu produzieren, sondern auch für andere Anbieter, auch außerhalb der Branche.

Die kürzlich erworbene Fläche an der revitalisierten Kirschallee, wo derzeit nur die Chassis gelagert werden, böte Potenzial für weitere Bauvorhaben des Unternehmens. Aber auch schon vorm Abschluss der aktuellen Arbeiten hat Capron seinen Mitarbeiterstamm aufgestockt. 200 Arbeiter wurden in den letzten zwölf Monaten eingestellt. Über 700 sollen es 2019 insgesamt sein, wenn die Produktionshalle fertig ist.

Besuch beim künftigen Zuhause auf Rädern

Und dann gibt es noch eine dritte, kleinere Baustelle auf dem Werksgelände. „Ein Wohnmobilkauf ist ein emotionaler Vorgang“, weiß Frank Kramer. Für die Käufer wird das Fahrzeug zum Zweitwohnsitz auf Rädern, es vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Individualität. Die Kunden würden deshalb oft gerne sehen, woher ihr Schützling eigentlich stammt. Für sie richtet Capron auf dem neuen Mitarbeiterparkplatz – mit 100 zusätzlichen Stellflächen – einen Platz ein, wo sie ihr neues Wohnmobil parken können, Frisch- und Abwasseranschlüsse finden und sich auf einer noch entstehenden Sitzgruppe die Zeit bis zur Werksbesichtigung vertreiben können.