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Mittwoch, 13.09.2017

Cannabis statt Kotelett

Im ehemaligen Naunhofer Schlachthof von Wolle Förster haben sich Kanadier angesiedelt. Sie verfolgen große Pläne.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Im ehemaligen Löblein-Schlachthof Naunhof residiert seit Kurzem die Firma Maricann, ein Hersteller von Cannabis für medizinische Zwecke.
Im ehemaligen Löblein-Schlachthof Naunhof residiert seit Kurzem die Firma Maricann, ein Hersteller von Cannabis für medizinische Zwecke.

© Klaus-Dieter Brühl

Naunhof. Wer sind Wolle Försters neue Mieter im früheren Naunhofer Schlachthof? Die Frage bewegt die Gemüter, seit die große Werbung am Firmengelände steht, das dem bekannten Dresdner Nachtclubbesitzer gehört. „Maricann – A World of Good“ sagt aber erst mal auch Englischkönnern kaum etwas. Dr. Thomas Klumpp kann da schon mehr erzählen.

Seit Monatsanfang arbeitet der 60-jährige Bitterfelder Apotheker in Naunhof. 27 Jahre war er bei der großen Medizinfirma Bayer beschäftigt. Für Maricann aus Kanada ist er an einer heiklen, spannenden Sache dran: der gewerblichen Herstellung und Zulassung von Cannabis. „Natürlich nur für Apotheken und Patienten, die es verschrieben bekommen“, so Dr. Klumpp.

An ihrem Stammsitz in Toronto hat Maricann nicht mit solchen Beschränkungen wie in Deutschland zu kämpfen. Dort sind der Anbau und Vertrieb von Cannabis mit dem umstrittenen Inhaltsstoff THC seit einiger Zeit gesetzlich geregelt. Jenes Tetrahydrocannabinol ist eine psychoaktive Substanz – ein Rauschmittel aus der Hanfpflanze. Erst kürzlich wurde die Anwendung bei bestimmten Krankheitsbildern in Deutschland freigegeben. Die Bundesregierung schreibt bis Jahresende die Herstellung von 6 600 Tonnen pro Jahr aus – in einem geheimen Verfahren. Maricann hat sich beworben.

Produktion im Reinraum

Zu diesem Zweck wurde der „Standort Ebersbach“, so die Auskunft auf der Internetseite, gegründet. Die Firma beabsichtigt, den ehemaligen Großschlachthof zu kaufen, „wenn die notwendigen Genehmigungen erteilt sind“, sagt Maricann-Deutschland-Repräsentant Gerhard Müller. Die Nachfrage hiesiger Apotheken sei vorhanden. Der „Standort Ebersbach“ soll als Unternehmen zum legalen Cannabis-Anbau entwickelt werden, das aber auch Cannabis aus dem börsennotierten Mutterkonzern importieren darf, sollte dazu Bedarf bestehen.

Zwar hat die Firma beim sächsischen Wirtschaftsministerium und auch bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises das Projekt schon vorgestellt. Doch die Sache sei „nicht ganz einfach, eher komplex“, gibt Gerhard Müller zu. Immerhin müsse der Schlachthof dann umgewidmet werden. Ein Anbau, wie man ihn von illegalen Produzenten kenne, werde in Naunhof aber nicht erfolgen. „Wir beschäftigen uns mit medizinischem Anbau, dazu brauchen wir Reinräume wie in der Halbleiterherstellung“, so der Maricann-Vertreter. Man werde keinesfalls mit deutschen Betäubungsmittelgesetzen in Konflikt kommen.

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Allerdings geht die Firma schon fest davon aus, in Deutschland einen Fuß in die Tür zu bekommen. Gerade wird ein Assistent oder Assistentin für Betriebsleiter Dr. Klumpp gesucht. Auf der Website von Maricann, was übrigens die Abkürzung für „kanadisches Marihuana“ sein soll, war schon von einer Fertigstellung der Firma im Juli die Rede. Für die Kanadier wäre ein Erfolg in Naunhof auch wirtschaftlich ein Gewinn. 3,4 Millionen Euro sollen für den Gewerbepark bezahlt werden, dazu noch erhebliche Renovierungs- und Umbaukosten. Der Neubau einer vergleichbaren Anlage würde jedoch 120 Millionen Euro kosten. In den Schlachthof seien seinerzeit umgerechnet sogar 80 Millionen Euro geflossen.

In der Gemeinde Ebersbach stößt die Initiative auf Zustimmung. Doch Bürgermeisterin Fehrmann hält sich noch zurück. Es liefen ja noch Verkaufsverhandlungen. Zurückhaltend optimistisch ist auch der Wirtschaftsförderer des Landkreises Sascha Dienel. „Die Firma hat uns einen gewaltigen Bedarf vorgestellt – die Frage wird sein, wie groß der Markt wirklich ist“, so Dienel. Sicherlich wäre eine internationale Ausrichtung sinnvoll.

Geprüft wurde die Ansiedlung auch unter dem Gesichtspunkt der Förderung. Laut Dienel könnten zwei Anträge gestellt werden: einer über die Wirtschaft, einer über die Landwirtschaft. Dann spielt sicher auch die Schaffung von Arbeitsplätzen eine Rolle. In erster Stufe ist von 30 Jobs die Rede. Maricann sei sehr stark in Forschung und Entwicklung, weiß Sascha Dienel. Das könnte ein Angebot auch höherqualifizierter Beschäftigung zur Folge haben. „Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es schön, wenn die Produktion tatsächlich zustande kommt, das trägt zur Branchenvielfalt bei.“

Die Wirtschaftsförderung Sachsen hatte sich vor Jahren schon bei der Vermarktung des stillgelegten Schlachthofs mit einem Exposé engagiert. Das wurde bei allen passenden Investoren-Anfragen angeboten.

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