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Mittwoch, 27.12.2017

Bürgermeisterin verteilt Geschenke

Ehe der Weihnachtsmann am Heiligabend bei Familie Euchler in Kriebethal klopft, hilft die Chefin der Gemeinde im Pflegeheim.

Von Heike Heisig

Herta Schreiber gehört seit sechs Jahren zu den Bewohnern des Pflegeheimes in Kriebethal. Seit 2015 bekommen sie und die übrigen Heimbewohner am 24. Dezember Besuch von Bürgermeisterin Maria Euchler als Weihnachtsfrau.
Herta Schreiber gehört seit sechs Jahren zu den Bewohnern des Pflegeheimes in Kriebethal. Seit 2015 bekommen sie und die übrigen Heimbewohner am 24. Dezember Besuch von Bürgermeisterin Maria Euchler als Weihnachtsfrau.

© Dietmar Thomas

Kriebethal. Das ist ja gar nicht der Weihnachtmann, stellt eine der Bewohnerinnen des DRK-Pflegeheimes in Kriebethal fest. „Stimmt“, sagt Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler). Was sie ihren Kindern später auch erklärt, macht sie zunächst den Heimbewohnern deutlich: „Der Weihnachtsmann hat heute so viel zu tun. Das schafft er nicht allein.“ Für ihren Einsatz hat sich die Gemeindechefin eine rote Mütze mit langem Zipfel und weißer Bommel aufgesetzt. Der Rauschebart wäre sicher stolz auf diese Vertretung gewesen.

Ein Lächeln zaubert Maria Euchler damit aber auch auf die Gesichter der Heimleitung. Maria Glöckner, Chefin des Hauses, und Pflegedienstleiterin Andrea Langhals lassen es sich am Vormittag des Weihnachtstages nicht nehmen, jedem der 40  Bewohner selbst ein schönes Fest zu wünschen. Die Geschenke des Hauses übergeben die beiden Frauen mit Unterstützung von Maria Euchler. „Seit sie Bürgermeisterin ist, begleitet sie uns bei unserem Weihnachtsrundgang“, so die Heimleiterin. Sie sehe das als Anerkennung für die Bewohner und das Team gleichermaßen. Rund 28 Mitarbeiter – vom Pflegepersonal über Hauswirtschafter bis zum Reinigungspersonal – sind in der Einrichtung für einen reibungslosen Ablauf zuständig. Zu Weihnachten arbeitet ungefähr die Hälfte, die andere hat Silvester und Neujahr Dienst.

Diesmal bedankt sich die Leitung des Hauses bei den Bewohnern auch für deren Verständnis. Manches Mal ist es in den zurückliegenden Adventstagen laut geworden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Träger muss Auflagen erfüllen. Die betreffen vor allem den Brandschutz in dem seit 1996 als Pflegeeinrichtung genutzten Gebäude. So ist jetzt eine zweite Treppenanlage angebaut worden, damit die Bewohner in der oberen Etage eine weitere Fluchtmöglichkeit haben. Im Januar geht es weiter mit dem Austausch von Türen. Auch sie müssen Anforderungen des Brandschutzes entsprechen. Außerdem werden Brandmeldeanlagen installiert.

Damit allerdings wird es sich in nächster Zeit in Sachen Bauarbeiten in diesem Haus nicht erledigt haben. Der DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen plant eine Umstrukturierung (DA berichtete). Nach der wird es in Kriebethal keine Dauerbetreuung mehr geben. „Geplant ist“, sagt Heimleiterin Maria Glöckner, „15 Tagespflegeplätze einzurichten und 20 Plätze für die Kurzzeitpflege zu schaffen.“ Letztere sind für Menschen gedacht, die zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt einer zeitlich begrenzten Pflege bedürfen, ehe sie wieder ins eigene Zuhause oder zurück zur Familie können. Solche Plätze seien in der Region inzwischen rar. Einige seien weggefallen. Daher rechne das DRK mit einer sehr guten Auslastung des Angebotes.

Bei der Tagespflege handelt es sich – wie der Name schon sagt – um eine Betreuung tagsüber. Den Abend und die Nacht verbringen die Betroffenen dann wieder daheim.

„Wir haben mit den Bewohnern und deren Angehörigen über die geplanten Änderungen gesprochen“, sagt Maria Glöckner. An ihr und der Heimleitung insgesamt sei es jetzt, für die Bewohner neue Heimplätze zu finden. Sie will versuchen, Wünsche zu berücksichtigen und die Bewohner möglichst dort unterzubringen, wo sie ihren Angehörigen nahe sind, diese kurze Wege zum Besuch in einem neuen Pflegeheim haben. Von den Bewohnern oder deren Familien muss sich niemand kümmern.

Heim wird Tages- und Kurzzeitpflege

Zunächst einmal will das Rote Kreuz mit einem Anbau an seine Pflegeeinrichtung in Mittweida 27 Plätze schaffen. Dort können diejenigen Bewohner aus Kriebethal einziehen, denen der Neubau in Mittweida zusagt und die von der Örtlichkeit her keine anderen Wünsche haben. Wenn alle 40  Pflegebedürftigen, die jetzt in Kriebethal leben, anderswo einen neuen Pflegeplatz gefunden haben, kann der Umbau des Hauses in Kriebethal starten. Auf Termine möchte sich Maria Glöckner nicht festlegen. „Erst muss ja mal der Anbau in Mittweida fertig werden“, sagt sie.

Seit sechs Jahren wohnt Herta Schreiber aus Grünlichtenberg im DRK-Pflegeheim. Dass sie in absehbarer Zeit umziehen muss, bringt sie mitnichten aus der Ruhe. Auch der jetzige Blick auf die Papierfabrik wird ihr nicht fehlen. „Ich habe 21 Jahre lang dort drüben gearbeitet“, erzählt die 88-Jährige. „Doch vermissen? Nein, vermissen tu ich die Arbeit nicht.“ Nachdem sie von Maria Euchler ein Kompliment über ihr frisches Aussehen und ein Nackenkissen samt Süßigkeit als Geschenk erhalten hat, wünscht die Seniorin auch der Bürgermeisterin ein schönes Fest und erholsame Feiertage. Zuhause warten der Ehemann und die beiden Kinder, inzwischen drei und fünf Jahre alt. Den Christbaum hat die Familie gemeinsam schon geschmückt. Pünktlich um 10 Uhr hat sich der Weihnachtsmann angekündigt. Der bringt für jeden ein Geschenk vorbei. „Den Rest gibt es immer am Nachmittag nach dem Kirchenbesuch“, verrät Maria Euchler.

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