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Dienstag, 21.03.2017

Brandstiftung im siebten Stock

Am frühen Morgen muss die Feuerwehr in ein Hochhaus an der Bahnhofstraße ausrücken – und die Tür aufbrechen.

Von Christoph Scharf

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Ramponierte Wohnung mit Ausblick: So sah die Wohnung in einem Hochhaus an der Bahnhofstraße aus, als die Feuerwehr mit Löschen fertig war.
Ramponierte Wohnung mit Ausblick: So sah die Wohnung in einem Hochhaus an der Bahnhofstraße aus, als die Feuerwehr mit Löschen fertig war.

© Steinig/Feuerwehr

Die Fenster blieben am Montag zum Lüften offen stehen.
Die Fenster blieben am Montag zum Lüften offen stehen.

© Sebastian Schultz

Riesa. Aufregung im Stadtzentrum: Mit gleich fünf Fahrzeugen rückt die Riesaer Feuerwehr am frühen Montagmorgen an die Bahnhofstraße an. Von dort war um 5.59 Uhr ein Wohnungsbrand gemeldet worden – im siebten Stock. Die Kameraden sehen bereits von unten, dass aus einer Wohnung hoch oben der Rauch quillt. Sie hasten in Einsatzkleidung die Treppen hoch. Zwar gibt es einen Fahrstuhl – aber die Regeln sind klar: Im Brandfall darf er nicht genutzt werden. „Es könnte schließlich sein, dass einem beim Öffnen der Fahrstuhltür schon die Flammen entgegenschlagen“, sagt ein Feuerwehrmann.

Die Situation im siebten Stock stellt sich allerdings ganz anders dar, als die Kameraden oben sind. Die Wohnung ist verschlossen, niemand reagiert auf Klopfen oder Klingeln. Unter schwerem Atemschutz muss die Feuerwehr die Tür aufbrechen. Mittlerweile sind 20 Kameraden im Einsatz – hauptamtliche Kräfte von der Wache an der Rittergutstraße, aber auch freiwillige Kameraden von den Stadtteil-Feuerwehren Stadtmitte und Weida. Einige von ihnen waren gerade auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz, als der Pieper Alarm gab.

Die Tür ist offen. Aus der Wohnung quillt ihnen Rauch entgegen. Die Kameraden erkunden die Wohnung – und prüfen zunächst, dass sich niemand darin aufhält. Dann löschen sie die Glutnester mit einem C-Rohr ab. War es Brandstiftung? „Diese Frage kann nur die Polizei beantworten“, sagt Riesas Stadtwehrleiter Egbert Rohloff.

Noch am selben Tag untersuchen Experten der Kriminalpolizei den Brandort an der Bahnhofstraße. Auf ein Versehen oder einen technischen Defekt deutet der Zustand der Wohnung eher nicht hin: „Es hat an drei verschiedenen Stellen gebrannt“, sagt ein Feuerwehrmann, der vor Ort war. Nun ermittelt die Kripo wegen schwerer Brandstiftung. Auf das Delikt steht mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe – der Paragraf wird angewendet, wenn jemand in einem Haus zündelt, in dem Menschen wohnen. Laut Polizei liegen abschließende Angaben zur Brandursache aber noch nicht vor.

Ein Zeuge reagiert schnell

Demnach wurden beim Brand Teile des Mobiliars und der Innenausstattung beschädigt. Auch die Fassade des Hochhauses bekam etwas ab. Die Höhe des Schadens war am Montagnachmittag aber noch unklar. Laut Feuerwehr hätte die ganze Sache auch schlimmer ausgehen können – wenn das Feuer nicht so schnell bemerkt worden wäre. „Der Brand war noch in der Entstehungsphase“, sagt Wehrleiter Egbert Rohloff.

Zum Glück standen die Fenster offen, sodass ein Zeuge den herausquellenden Qualm bemerkte und schnell per Notruf die Rettungsleitstelle Dresden alarmierte. – Im sozialen Netzwerk Facebook hat der Brand für heftige Reaktionen gesorgt. So habe man mit den Mietern schon seit Wochen Ärger, schreibt ein mutmaßlicher Nachbar. „Das ist schon mehr als asozial. Solche jungen Leute dürften keine Wohnung bekommen. Sie gefährden die anderen Mieter mit.“

Da wird behauptet, dass Drogen und Alkohol im Spiel gewesen seien. Da wird befürchtet, dass der Vermieter auf den Kosten für die verwüstete Wohnung sitzenbleibe. Eine Facebook-Nutzerin schreibt, dass es dort in letzter Zeit „nur Theater“ gegeben habe und dass „Party gemacht“ worden sei, die man laut bis runter auf den Spielplatz gehört habe.

Noch am Montag hat sich der Mieter – ein 25-jähriger Deutscher – bei der Polizei gemeldet. Weil nach dem Feuerwehreinsatz das Schloss getauscht wurde, wäre er anders auch gar nicht mehr in seine Wohnung gekommen. Wird gegen ihn ermittelt? „Dazu darf ich nichts sagen“, so eine Polizeisprecherin.