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Samstag, 13.01.2018

Bombeneinsatz lässt Beiräte warten

Sie wollten über neue Sitzbänke sprechen. Daraus wurde nichts. Die unfreiwillige Wartezeit haben die Kommunalpolitiker an einem besonderen Ort verbracht.

Von Annechristin Bonß

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Ein Polizeiauto versperrte den Eingang zum Rathaus Cotta. Direkt dahinter im Vorraum stand der herrenlose Koffer.
Ein Polizeiauto versperrte den Eingang zum Rathaus Cotta. Direkt dahinter im Vorraum stand der herrenlose Koffer.

© SZ

Am Ende ging es ganz schnell. Nur wenige Minuten vergingen, dann war klar, Aufregung umsonst. Keine Bombe. Keine Gefahr. Am Donnerstagabend musste die Polizei zum Rathaus Cotta an der Lübecker Straße ausrücken. Dort hatte eine Mitarbeiterin gegen 17.15 Uhr einen herrenlosen Koffer entdeckt. Das kleine, rote Gepäckstück stand im Vorraum zu dem altehrwürdigen Gebäude. Wie lange, lässt sich nicht sagen. Kameras, die den unbekannten Besitzer hätten aufzeichnen können, gibt es in dem Rathaus keine. Vor fünf Jahren noch wäre dies ein Fall für das Fundbüro gewesen. Nun hieß es Sprengstoffalarm. Die Polizei räumte und sperrte das Rathaus. Auch die Ortsbeiräte mussten draußen in der Kälte bleiben. Eigentlich wollten die Kommunalpolitiker 18 Uhr zu ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr zusammenkommen.

Was Sorge und Aufregung für die einen bedeutete, brachte ansässigen Gewerbetreibenden unerhoffte Mehreinnahmen. Die Grünen verbrachten die Wartezeit beim Döner-Imbiss. Die anderen Parteien zogen in die nahe Kneipe von Ronny Schmidt. Seit 2012 betreibt er das Leutz auf der Rückseite des Rathauses. 18 Uhr macht er auf. Sonst füllt sich die kleine Kneipe erst zwei Stunden später. Nun durfte der Wirt viel früher knapp 20 Leute bewirten. Und Kneipenhund Angie mit allerlei Kunststückchen für Abwechslung sorgen. Ein unfreiwillig komisches Zusammensein. Samt Blechschild an der Wand, das passender nicht hätte sein können. „Öffentlicher Personen Sammelschutzraum“ steht darauf geschrieben. Ronny Schmidt kaufte es einst auf einem Trödelmarkt.

19.10 Uhr rückten schließlich die Sprengstoffexperten der Polizei an. Mit einem speziellen Sensor untersuchten sie die Tasche von außen und konnten Entwarnung geben. Das Gepäckstück war leer. Die Polizisten nahmen es mit auf die Wache. Eine halbe Stunde später startete die Ortsbeiratssitzung. Sie stimmten für mehr Grün im Dresdner Westen und mehrsprachige Infoschilder für Touristen. Und für neue Bänke auf öffentlichen Flächen, zum Beispiel im Bienertpark. Nur 60 Minuten vergingen, dann war die Tagesordnung geschafft. Und der Schreck vom Nachmittag vergessen. Die Polizei wird den Koffer entsorgen, sollte sich der Besitzer nicht melden. Einen Straftatbestand stellt der Vorfall jedenfalls nicht dar, teilt Sprecherin Ilka Rosenkranz mit.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Max Brambach

    Wie die Zeiten sich ändern: Heute darf man noch nicht einmal mehr einen Koffer stehen lassen.

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