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Mittwoch, 14.02.2018

Bomben-Deal fürs Alte Lager?

Der Solarparkbetreiber Enerparc will im Alten Lager expandieren. Der Bürgermeister begrüßt das – vor allem aus Gründen, die im Boden liegen.

Von Eric Weser

Weiter nach links – in Richtung Süden – soll der bestehende Solarpark im Alten Lager Zeithain erweitert werden. Um Zustimmung dafür hat die Firma Enerparc im Zeithainer Gemeinderat geworben.
Weiter nach links – in Richtung Süden – soll der bestehende Solarpark im Alten Lager Zeithain erweitert werden. Um Zustimmung dafür hat die Firma Enerparc im Zeithainer Gemeinderat geworben.

© Lutz Weidler

Zeithain. Wird das Alte Lager in Zeithain beinahe vollständig zum Solarpark? Es sieht ganz danach aus. Das Hamburger Unternehmen Enerparc, das während der vergangenen anderthalb Jahren im Ort schon 180 000 Solarmodule errichtet und nach eigenen Angaben etwa 45 Millionen Euro investiert hat, will in dem einstigen Militärgelände weiter expandieren. Beim Eigentümer – der mehrheitlich im Besitz der Gemeinde Zeithain befindlichen Entwicklungs- und Verwertungsgesellschaft Altes Lager Zeithain (EVGZ) – ist man aufgeschlossen. Aus Sicht von Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel, der gleichzeitig auch EVGZ-Chef ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Die ungenutzten Flächen im Alten Lager so zu lassen, wie sie sind. Oder die Flächen für die Solarnutzung zu vergeben und so auch Geld zu verdienen. Hänsel macht keinen Hehl daraus, was er favorisiert. „Nahezu alternativlos“ nannte er das Verpachten an Enerparc diese Woche im Gemeinderat.

Platzfresser, aber auch Geldbringer

Die Solarmodule brauchen Platz, halten Kritiker gegen. Schon jetzt sind es mehr als die Hälfte der gut 140 Hektar, die im Alten Lager insgesamt vorhanden sind. Es gibt Befürchtungen, dass ein großer Solarpark Flächen für andere, vielleicht lukrativere Investitionen blockiert. Die Pachtdauer beträgt zwanzig Jahre.

Doch die Flächen im Alten Lager haben ein Problem. Die Böden sind mit Kampfmitteln belastet. Keine neue Erkenntnis, das Ausmaß ist aber offenbar gravierender als bisher angenommen. Das zumindest sind die Erkenntnisse des Solarparkbetreibers. Dessen jüngste Bodenerkundungen zeigen: Selbst im südlichen Teil des Alten Lagers – wo man lange Zeit weitgehend unbelastete Böden vermutet hatte – ist der Untergrund voller Munition.

Im Gemeinderat gab Enerparc einen Einblick in den Aufwand, der auf den bisherigen Solarflächen für die Kampfmittel-Beräumung betrieben wurde. In den bis dato fünf Bauabschnitten habe die Beräumung reichlich 2,5 Millionen Euro gekostet. Nach anfänglicher Überforderung – beim ersten Solarpark-Bauabschnitt habe es allein drei Baustopps wegen Kampfmitteln gegeben – hat die Firma das Thema gemeinsam mit Spezialfirmen inzwischen im Griff. – Das will man sich bei der EVGZ zunutze machen. Denn nach Ansicht von deren Chef Ralf Hänsel ist klar: Solange die Böden im Alten Lager kampfmittelbelastet sind, sind sie kaum zu vermarkten. Und wenn, dann fast nur, wenn die EVGZ Geld für die Kampfmittelbeseitigung mitbringt.

In einem Fall gilt das aber nicht: wenn Solarmodule im Alten Lager stehen. Dann ist der Kampfmittel-Beräumungsaufwand ein anderer, als wenn man dort etwa eine Fabrikhalle errichten wollen würde.

Fünf Hektar unbelastete Fläche

Deshalb steht nun ein Deal zwischen der EVGZ und Enerparc zur Diskussion: Der Solarpark-Betreiber bekommt Flächen, um sich in Richtung Süden des Alten Lagers auszudehnen. Dafür zahlt das Unternehmen Pacht an die EVGZ. Diese Pacht wiederum fällt etwas niedriger aus, weil Enerparc ein knapp fünf Hektar großes Areal im Südosten des Alten Lagers von Kampfmitteln beräumen wird und dieses Areal der EVGZ übergibt. Der Vorteil: Die Entwicklungsgesellschaft hätte damit knapp 50 000 Quadratmeter unbelastete Gewerbefläche, mit der sie künftig um Investoren buhlen kann.

Mit einem solchen Handel könnten sich offenbar Gemeinderäte fraktionsübergreifend anfreunden: Jörg Runow (CDU) und Dieter Wamser (BIG) signalisierten Zustimmung. Eine gewisse Skepsis zeigte Christian Wagner (CDU), der zwar grundsätzliche Sympathie für die Solarpark-Lösung äußerte. Ihm gehe nur alles etwas schnell, es brauche zunächst eine Diskussion im Gemeinderat, in welche Flächen die Entwicklung letztlich genau hineingehe.

Bei Enerparc wünscht man sich derweil, dass die Gemeinderäte sich nicht allzu viel Zeit mit ihrer Entscheidung lassen. Denn die Firma braucht für die Teilnahme am Ausschreibungsverfahren um die staatliche Förderung ihrer Anlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz Klarheit.

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