• Einstellungen
Donnerstag, 15.02.2018

Bollwerk gegen Fluten

Bad Schandaus Lidl-Neubau steht im Überschwemmungsgebiet. Wurde der Hochwasserschutz schöngerechnet?

Von Gunnar Klehm

Ein Wall aus Steinen und eine Stahlbetonmauer sichern den neuen Markt an der Elbe in Bad Schandau.
Ein Wall aus Steinen und eine Stahlbetonmauer sichern den neuen Markt an der Elbe in Bad Schandau.

© Norbert Millauer

Bad Schandau. Dieser Entwurf war offenbar nur Makulatur: Bad Schandaus Stadträte hatten bei der ersten Präsentation des Bauvorhabens für das Areal zwischen Basteistraße und Elbe noch ein Bild von einem Lidl-Neubau gezeigt bekommen, der auf Stelzen errichtet wird. So sollte ein Hochwasser bis zu einem bestimmten Maß Verkaufs- und Lagerräumen nichts anhaben können. Der eigentliche Bebauungsplan aber sah von Anfang an etwas anderes vor: Der Markt wird ganz normal auf einem Fundament gebaut.

Das hat einige Beobachter des Baugeschehens verwundert. Schließlich handelt es sich um einen sensiblen Bereich im Überschwemmungsgebiet. Im etwas tiefer liegenden Lidl-Markt nebenan stand 2013 die Flut 15 Zentimeter hoch im Verkaufsraum. Skeptiker halten den Hochwasserschutz für den Neubau, der im April öffnen soll, für schöngerechnet.

Auf dem Grundstück befand sich zuvor die Produktionsstätte der Fahrzeugsitze GmbH. Nach dem verheerenden Elbehochwasser 2002 zog der Betrieb nach Langburkersdorf um. In Bad Schandau verfielen die nun leerstehenden Gebäude. Lidl als neuer Eigentümer ließ alles abreißen. Hat sich mit dem Neubau der Hochwasserschutz verbessert oder eher verschlechtert?

Der Postelwitzer Andreas Kaulfuß vermutet Letzteres. Ein so massiver Baukörper könne im Verhältnis zur vorherigen Bebauung nur dann genehmigungsfähig sein, wenn man die Bauten des Fahrzeugsitze-Betriebs in einen kompakten „Betonwürfel“ umgerechnet hat, wie er sagt. Auch die Strömungsverhältnisse würden sich nun bei Hochwasser verschlechtern, mutmaßt er. Das könne Anliegern Probleme bringen.

Positive „Massebilanz“


Das Landratsamt Pirna teilt diese Sichtweise nicht. Wie der Stabsstellenleiter Strategie- und Kreisentwicklung, Matthias Otto, auf SZ-Nachfrage erklärt, sei für das Bauvorhaben die hochwasserangepasste Bauweise geprüft worden. Den Rahmen gäbe dabei das Wasserhaushaltsgesetz vor. Zudem habe die Wasserbehörde im Baugenehmigungsverfahren die Anordnung der Gebäude geprüft. Von einer Verschlechterung der Verhältnisse könne keine Rede sein. „Im vorliegenden Fall wird sich wegen des Abbruches der alten Bausubstanz und der Vergrößerung des Abstandes zur Elbe das Fließ- wie auch das Abflussverhalten verbessern“, erklärt Otto zum Hochwasserschutz. Zudem seien auf dem Baufeld Flächen entsiegelt und Altlasten beseitigt worden. „Die Massenbilanz ist positiv“, erklärt Otto. Das sei auch dokumentiert.

Das gelte selbst dann noch, wenn die Fläche östlich des neuen Marktes bebaut wird. Bisher ist dort zwar nichts geplant. Im Bebauungsplan ist aber bereits ein Baufeld ausgewiesen. Bei Lidl spricht man von einer „Vorratsfläche“.

In der Begründung zum Bebauungsplan von 2016 heißt es, dass „eine vollkommen hochwassersichere Bebauung nur mit sehr hohem Aufwand“ möglich sei und dass die Aufständerung eines Gebäudes „das Landschaftsbild und die Siedlungsstruktur empfindlich stören“ könne.

In der Bauausführung spielte die Hochwasservorsorge immer wieder eine Rolle. So wurden beispielsweise im unteren Wandbereich weniger saugstarke Betonsteine statt herkömmlicher Ziegel verwendet. „Zudem wird Gebäudetechnik in hochwassersicherer Höhe über den neuen Umkleide- und Aufenthaltsräumen des Personals installiert“, erklärt Sven Graap, Projektleiter Bau bei der Handelskette Lidl.