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Donnerstag, 12.10.2017

Böhmermann besucht Dynamo

Der Satiriker nimmt nach seiner Hitler-Parodie die Einladung des Vereins an – der setzt Zeichen.

Von Sven Geisler

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Der Moderator Jan Böhmermann will Dynamo-Mitglied werden, wenn...
Der Moderator Jan Böhmermann will Dynamo-Mitglied werden, wenn...

© dpa

Ja, er kommt. „Dresden ist immer eine Reise wert“, erklärt Jan Böhmermann in einer Videobotschaft. Er will sich ein Heimspiel von Dynamo anschauen, der Termin wird gerade abgestimmt. Der Verein hatte den Satiriker eingeladen, nachdem der in seiner Sendung „Neo Magzin Royale“ im ZDF in einer Hitler-Parodie „meine Freunde in Dresden“ gegrüßt hatte: „Licht am Fahrrad, Licht am Fahrrad – Dynamo.“ Der Verein fühlte sich von dem 36-Jährigen in eine rechte, rassistische Ecke gestellt. Das sei Schubladendenken und werde Dynamo nicht gerecht, hieß es in einer Reaktion beim Nachrichtendienst Twitter.

Davon soll sich Böhmermann vor Ort überzeugen, und das hat er nun offenbar ernsthaft vor. Er komme natürlich, lässt er wissen. Und er werde sogar einen Mitgliedsantrag unterschreiben. Sein süffisanter Nachsatz: „Aber nur, wenn ich keinen Rassisten im Stadion sehe.“ Die Frage wäre, wie er den erkennt, aber das ist schon wieder Satire. Böhmermann provoziert, manchmal hart an der Schmerzgrenze wie mit seinem Schmähgedicht für den türkischen Präsidenten Erdogan, das politisch wie juristisch hohe Wellen schlug.

Dagegen blieb der Seitenhieb auf Dynamo außerhalb Dresdens weitgehend unbeachtet. Das könnte sich ändern, wenn Böhmermann tatsächlich im Stadion auftaucht. Wahrscheinlich noch nicht zum nächsten Heimspiel am Sonnabend gegen Ingolstadt, dabei wäre das ein passender Anlass.

Die Schwarz-Gelben laufen nämlich in einem Sondertrikot auf mit dem Schriftzug: „Love Dynamo – hate racism“. Das ist keine einmalige Aktion und schon gar keine Reaktion auf Böhmermanns Einwurf. Bereits seit 2011 setzt Dynamo mit der Faninitiative 1953international ein Zeichen für Weltoffenheit und gegen rassistisches Denken. Für diesen guten Zweck macht der Hauptsponsor in jeder Saison für ein Spiel die Brust frei. Es ist die sichtbarste der Aktionen, mit denen sich der Fußball-Klub für Weltoffenheit und Toleranz engagiert.

Böhmermann zielte wohl auf die Vorfälle beim WM-Qualifikationsspiel der Nationalelf in Prag, wo es vereinzelte „Sieg heil“-Rufe gegeben hatte. Die Polizei hat Dresdner ermittelt, die unerlaubt im Stadion waren. Dass sie zu den Rufern gehörten, ist weder erwiesen noch ausgeschlossen.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 19 Kommentare

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  1. Karl

    Na super. Schön, dass es klappt. Bin mal gespannt!

  2. 555

    AUFPASSEN: Nicht dass er diese EInladung für einen neuerlichen "Satirestreich" nutzt, indem die Fangemeinde ihm die Argumente "hautnah" auf dem silbernen Tablett serviert!!! ... oder er neuerlich provoziert? Aber soweit ich als regelmäßiger Stadionbesucher das beurteilen kann, ist derartige Artikulation schon lange nicht mehr im Stadion vorgekommen. (Bitte korrigiert mich, wenn ich ire!!!)

  3. Ute

    Bekommt er ein VIP- oder ein K-Block-Ticket geschenkt?

  4. Adrian

    Na also liebe DynamoFans. Ihr habt die Chance euch in nur 90 Minuten vollständig zu rehabilitieren für all die Fangewalt und Naziparolen der letzten Jahre. Ihr habt aber auch die Chance es komplett zu vermasseln. Böhmermann reicht euch die Hand. Wenn ihr es versaut, ist ganz klar, dass es euch um die Spaltung der Gesellschaft geht. Dass ihr demokratische Werte mit Füßen tretet. Und das unterstützt immer die Extremisten. Und auch wenn Böhmermann provozieren sollte, solltet ihr nicht darauf reinfallen! Beweist Selbstironie und einen kritischen Umgang mit euch selbst! Ihr könntet gleich am kommenden Wochenende damit anfangen.

  5. Martin H.

    Herzlich Willkommen, Herr Böhmermann. Ich freu mich auf Sie.

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