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Donnerstag, 14.09.2017

Bischofswerda verschenkt den Lenin

Die Statue des Revolutionsführers wird dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig übergeben. Dort soll das Denkmal in einer Ausstellung groß raus kommen.

Exklusiv für die SZ hoben Bauhof-Mitarbeiter 2013 die Plane, unter der sich die Lenin-Statue befindet. Ab 2018 soll sie in Leipzig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Exklusiv für die SZ hoben Bauhof-Mitarbeiter 2013 die Plane, unter der sich die Lenin-Statue befindet. Ab 2018 soll sie in Leipzig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

© Archivfoto: Thorsten Eckert

Bischofswerda. Seit Dienstagabend ist es amtlich: Bischofswerda schickt Lenin auf Reisen. Die Statue des Revolutionsführers, die bis in die 90er Jahre auf dem einstigen Kasernengelände an der Bautzener Straße stand, übergibt die Stadt dem Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig. Der Verwaltungsausschuss des Stadtrates beauftragte OB Holm Große, die Schenkung vorzubereiten. Die Entscheidung fiel einstimmig, teilte Rathaus-Sprecher Sascha Hache am Mittwoch auf Anfrage mit. Wann Lenin seine Reise antritt, ist noch nicht entschieden. Sämtliche Kosten, die mit dem Umzug verbunden sind, trägt die Stiftung Haus der Geschichte, zu der das Zeitgeschichtliche Forum in der Messestadt gehört.

Dort war man im vergangenen Jahr durch Zeitungsartikel auf das Denkmal, das seit rund 20 Jahren im Bauhof liegt, aufmerksam geworden. „Unser Haus sieht in dem Denkmal ein erhaltenswertes zeithistorisches Zeugnis und ein außergewöhnliches Werk der Bildhauerkunst“, sagte Dr. Daniel Kosthorst, Pressesprecher des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, der SZ. Nach derzeitiger Planung soll die Skulptur in die neue Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums integriert werden, deren Eröffnung im Herbst 2018 geplant ist. Einziger Vorbehalt: Sollte es sich bei der Übernahme herausstellen, dass eine Präsentation in der Ausstellung aus technischen Gründen nicht möglich ist, würde das Objekt in die Sammlung der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland übergehen und für zukünftige Ausstellungsprojekte zur Verfügung stehen, erläutert Daniel Kosthorst.

Die vom Schmöllner Steinbildhauermeister Manfred Wagner 1970 geschaffene Statue zeigt Wladimir Iljitsch Uljanow nicht monumental stehend, wie man es von vielen Lenin-Denkmalen her kennt. Der Künstler entschied sich für einen sitzenden Lenin, der ein Buch in der Hand hält und nachdenklich schaut. Es war ein Geschenk des damaligen Rates des Kreises Bischofswerda an die in der Stadt stationierte sowjetische Garnison. Anlass war der 100. Geburtstag Lenins.

Das Zeitgeschichtliche Forum hatte die Stadt Bischofswerda um eine Schenkung gebeten. Die im Ausschuss vertretenen Stadträte stimmten zu, verzichten auf einen finanziellen Betrag. „Klar wäre es schön gewesen, Geld zu erhalten. Aber in Leipzig ist eine tolle Plattform, um mit Lenin die Besucher der Ausstellung auf Bischofswerda aufmerksam zu machen“, sagte Sascha Hache. Die Herkunft der Statue soll in der Ausstellung vermerkt werden. Dieser Marketingeffekt sei nicht mit Geld aufzuwiegen, so der Sprecher. (SZ)