• Einstellungen
Samstag, 13.01.2018

Bis 2025 rauchfrei

Von Sissi Stein-Abel, SZ-Korrespondentin in Christchurch

7

Stets am 1. Januar steigt in Neuseeland die Tabaksteuer.
Stets am 1. Januar steigt in Neuseeland die Tabaksteuer.

© dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Rauchschwaden sind auf der Nordinsel Neuseelands keine Seltenheit. Trotzdem ist das Land der Kiwis ein Nichtraucher-Paradies. Es ist die Natur der Inseln auf dem Pazifischen Feuerring, die Dampf- und Qualmwolken von heißen Quellen und Vulkanen in die Luft pustet. Wenn es im Nachbarland Australien glimmt und glüht, sind meistens Buschfeuer die Ursache. Zigaretten zu rauchen, ist hier wie dort nicht mehr angesagt. Restriktive Gesetze sorgen dafür, dass vielen Nikotinliebhabern die Lust auf Zigaretten vergeht. Manche können es sich schlicht nicht mehr leisten.

Auch diesmal haben die Raucher in beiden Ländern vor dem Jahreswechsel stangenweise Glimmstängel gekauft und gehortet, denn an jedem 1. Januar steigt die Tabaksteuer: in Australien, das den Countdown in Richtung Unerschwinglichkeit 2010 mit einer Erhöhung um 25 Prozent einläutete, um 12,5 Prozent, in Neuseeland, das 2016 damit begann, um 10 Prozent. Das geht so weiter, bis in Australien eine Zwanziger-Packung Zigaretten 40 Dollar (26 Euro) kostet. In Neuseeland ist der Preis einer Schachtel von rund 10 NZ-Dollar (6 Euro) vor zehn Jahren auf jetzt fast 30 NZ-Dollar (18 Euro) gestiegen.

Als erstes Land der Welt verbot Australien 2012 Markenwerbung auf Zigarettenschachteln, Neuseeland folgte umgehend. Längst waren hier die Packungen mit Schockfotos von schwarzen Zahnstümpfen, faulenden Raucherbeinen, verkrebsten Lungen und Augengeschwüren bedruckt, als die EU noch darüber diskutierte.

Ob diese gruseligen Bilder die erwünschte abschreckende Wirkung haben, bezweifelt auch in den beiden Ländern „Down Under“ so mancher Experte. Der alljährlich wiederkehrende Run vor der Neujahrs-Preiserhöhung lässt vielmehr darauf schließen, dass die ständig steigende Tabaksteuer das probatere Mittel ist, um den Rauchern das Verlangen nach Nikotin zu vermiesen, begleitet von umfassenden Verboten zum Schutz vor Passivrauchen und einem breiten Angebot an Entwöhnungstherapien.

Neuseeland führte als erstes Land der Welt bereits 1876 aus Brandschutzgründen ein Rauchverbot ein: Das damalige Regierungsgebäude, das Old Government Building in Wellington, wurde nämlich im Neorenaissance-Stil aus Kauriholz gebaut. Schon seit 1971 darf in Kinos nicht mehr für Zigaretten geworben werden, und Restaurants wurden 1990 rauchfrei, wenn sie keine separaten Raucher- und Nichtraucherräume anbieten konnten. Seit 2004 ist Rauchen in öffentlichen Gebäuden, am Arbeitsplatz, in Hotels, der Gastronomie (inklusive Nachtklubs und Casinos), an Universitäten und Schulen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Flughäfen, Bahnhöfen, in Einkaufszentren und Kinos verboten, seit 2011 auch in Gefängnissen.

In Australien ist die Situation ähnlich, wenngleich das landesweite Gesetz lediglich das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen verbietet. In Tasmanien wurde sogar ein Gesetzentwurf diskutiert, nach dem das Rauchen für Bürger ab dem Geburtsjahrgang 2000 tabu werden soll.

Die Regierungen beider Nationen haben klare Ziele formuliert: Australien möchte den Raucheranteil in der Bevölkerung (2014/15 bei 14,5 Prozent) bis zum Ende dieses Jahres auf 10 Prozent senken. Neuseeland (14 Prozent Raucher 2016/17) erweiterte den sogenannten „Smoke-free Environments Act 1990“ im Jahr 2009 um den Zusatz, bis 2025 rauchfrei zu sein. Dieser ehrgeizige Plan kam auf Drängen der Maori-Kommission im Parlament zustande, denn weitaus mehr Maori und Menschen der ersten und zweiten Generation von den Südpazifik-Inseln (in erster Linie Samoa und Tonga) sterben an den Folgen des Rauchens als Mitglieder anderer Ethnien. Während nur noch 14 Prozent der Gesamtbevölkerung rauchen, sind es bei Maori 35 Prozent und bei Pazifik-Insulanern 24 Prozent.

Es ist ein Spiegelbild der australischen Gesellschaft: Dem Gesamtschnitt von 14,5 Prozent stehen 39 Prozent rauchender Aborigines und Torres-Strait-Insulaner gegenüber. Das heißt, ausgerechnet die ärmsten Menschen geben das meiste Geld für Zigaretten aus.

Die jährlichen Steuererhöhungen zwingen sie jedoch nicht unbedingt in ein gesünderes Leben, sondern treiben vor allem junge Leute in die Kriminalität, wie die Nachrichten aus Neuseeland belegen: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine „Dairy“, ein Tante-Emma-Laden, zur Beschaffung von Zigaretten überfallen wird.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 1 von 2

Insgesamt 7 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Felix

    Ich wünsche mir für unser Land ein Ziel, einen Fahrplan dahin und dann klare Regeln. Rauchfrei, das wäre wirklich ein Traum. Und das geht nur darüber, keine Werbung mehr zu machen, den Rauchern die Lust daran zu nehmen (z.B. durch massiven Nichtraucherschutz - also kaum noch Gelegenheiten, irgendwo zu rauchen) - aber auch kostenlose Entzugstherapien für Raucher (-> das kostenlos aber zeitlich beschränkt, so dass man sich bei Zeiten dafür entscheiden muss). Und irgendwann dann das indirekte Verbot (sehr hoher Preis, ganz wenige Orte zum Rauchen) - meinentwegen auch ein direktes Verbot. Ihr Raucher ahnt gar nicht, wie sehr ihr das Leben von Nichtrauchern schwer/unschön macht - wie sehr der Gestank einen quält. Und der Umweltaspekt kommt dazu: Rauchen verpestet die Luft.

  2. xy

    Es wäre schön, wenn die DB das Rauchverbot auf ALLEN Bahnhöfen kontrolliert und streng ahnt. Leider kann man auf vielen Bahnhöfen nicht auf den Zug warten, ohne von allen Seiten zugequalmt zu werden.

  3. E.Benheiter

    Auf welchen Bahnhöfen (bzw. in welchen Ecken selbiger) bewegen Sie sich, # 2?

  4. Felix

    @E.Benheiter: Keine Ahnung, auf welchen Bahnhöfen xy sich bewegt, doch kann ich aus meiner Erfahrung gleiches berichten: An das Rauchverbot wird sich selten gehalten (mal abgesehen von den großen Bahnhöfen, wo man quasi in geschlossenen Räumen ist). Und selbst, wenn nur auf den Raucherinseln geraucht wird, was so gut wie nie der Fall ist (weil wahrscheinlich der Weg dorthin zu weit?), dann zieht der Rauch trotzdem durch den gesamten Bahnhof/Haltepunkt (je nach Windrichtung).

  5. E.Benheiter

    Komisch, @ Felix. Mir bekannte Bahnhöfe sind prima ventiliert (vorn rein, hinten raus oder gleich ganz offene Bahnsteige) bzw. so "ungemütlich" gestaltet, daß sich da niemand freiwillig aufhält (keine Sitzgelegenheiten etc.).

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 2

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein