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Freitag, 08.12.2017

„Bin mit Dynamo tief verwurzelt“

Jens Hieckmann, Trainer des SV Bannewitz, sitzt im Aufsichtsrat des Zweitligisten. Er geht beide Aufgaben mit viel Herzblut an.

Cheftrainer in der Landesklasse, Aufsichtsrat in Liga zwei: Jens Hieckmann wagt den Spagat zwischen Amateur- und Profifußball.
Cheftrainer in der Landesklasse, Aufsichtsrat in Liga zwei: Jens Hieckmann wagt den Spagat zwischen Amateur- und Profifußball.

© Andreas Weihs

Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge. Der SV Bannewitz ist mit 21 Punkten und 20:14 Toren als Tabellenachter der Fußball-Landesklasse in die Winterpause gegangen. Zum Jahresabschluss gelangen den Schützlingen von Trainer Jens Hieckmann drei Siege in Folge. Im SZ-Gespräch blickt der SVB-Coach zurück und auch schon über den Jahreswechsel hinaus.

Herr Hieckmann, die Winterpause kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, oder?

Könnte man so sagen, denn wir befinden uns aktuell in einer sehr guten Verfassung und sind schwer zu bespielen. Das hat viel mit Selbstbewusstsein zu tun. Gegen Wilsdruff zum Beispiel haben wir uns im Spielverlauf mental aus der an diesen Tag schlechten fußballerischen Performance gezogen. Dieses Selbstvertrauen musste sich meine junge Mannschaft erst wieder erarbeiten.

Der Punktspielstart verlief holprig. Warum?

Ich glaube, nach der guten Vorbereitung ohne Niederlage haben wir im ersten Spiel gegen Possendorf (1:2/d. A.) körperlich einfach nicht gegengehalten. Je schneller junge Spieler das akzeptieren, umso schneller kann man das abstellen. Wenn nicht, muss es eben richtig weh tun, so wie beim Tiefpunkt in Gröditz (0:3/d. A.). Dann hat es die Mannschaft begriffen, plötzlich „klapperte“ es wieder im Training. Zufrieden stellte ich fest, dass ich bei den Einheiten viel weniger eingreifen musste und die Jungs das meiste unter sich geregelt haben.

Gab es ein Spiel, das Sie Ihrer Mannschaft als „Vorbild“ für die Rückrunde ans Herz legen würden?

Nein, die Spiele sind ja nur das Ergebnis unserer gemeinsamen Trainingsarbeit. Für die Qualität des Trainingsablaufes bin ich zuständig, die Jungs müssen Lust auf Fußball haben. Omas Geburtstag oder ein Schnupfen darf keine Standardbegründung für mangelnde Trainingsbeteiligung sein. Bei uns sind im Schnitt 14 bis 16 Leute da. Das ist vorbildlich.

Wie zufrieden waren Sie mit Ihren Neuzugängen?

Alle wurden bestens aufgenommen. Die Truppe hat einen guten Charakter, da hat es keiner schwer. Die Entwicklung verlief dennoch unterschiedlich. Maximilian Genschmar wurde zum Stammspieler, Michel Böhme war bis zu seiner Verletzung einer der Leistungsträger. John Rabe hat sich wieder herangekämpft. Dagegen war William Brüggemann eher dauerverletzt, von ihm erwarte ich jetzt in der Rückrunde einen großen Schritt nach vorn. Paul Müller hat, trotz überragendem Einsatz, den Sprung nicht ganz geschafft. Das ärgert mich für ihn richtig, weil er als erste Verpflichtung feststand und sich immer voll reinhaut. Letztendlich hat uns jeder Spieler weitergeholfen und gleichzeitig auch profitiert.

Wie lautet die Zielstellung für die Endabrechnung?

Mir geht es um die Weiterentwicklung der Mannschaft und das sollte sich am Ende auch tabellarisch widerspiegeln. Platz acht ist verbesserungswürdig.

Holt Mittweida nach drei Vizemeisterschaften den Titel?

Nach vier Spieltagen konnte keiner wissen, dass Germania mit fünf Punkten Vorsprung in den Winter geht. Und ebenso wenig war abzusehen, dass Hainsberg in so ein Loch fällt. Die Rückrunde müssen alle noch spielen, der Meister steht definitiv noch nicht fest.

Wann beginnen Sie 2018 mit der Vorbereitung?

Meine Vorbereitung hat längst begonnen, denn es ist ja nicht mit der Arbeit auf dem Platz getan. Vorbereitungsspiele organisieren, mit Spielern reden und so weiter. Eigentlich stecke ich schon in der Vorbereitung der Saison 2018/19. Meine Jungs bekommen ab dem 20. Dezember trainingsfrei. Bis dahin wird der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen, wir wollen einfach nur in Bewegung bleiben. Am 11. Januar ist dann lockerer Auftakt und am 20. Januar bestreiten wir das erste Testspiel gegen Landesligist Großenhainer FV.

Sind alle Testspiele und Hallenturniere terminiert?

Der Verein hat für die Futsal-Landesmeisterschaft gemeldet. Dort spielen die Jungs, denen das Freude macht. Die Vorbereitungspartien sind fix, wir testen noch gegen den Radebeuler BC, den Dresdner SC und die SG Crostwitz. Das Nachholspiel gegen den Coswiger FV soll am 24. Februar über die Bühne gehen. Das finde ich schon bemerkenswert, denn offiziell geht es erst am 10. März weiter.

Sie gehören seit einigen Wochen dem Aufsichtsrat von Dynamo Dresden an. Wie kam es dazu?

Ich habe mich im November 2016 bei der Mitgliederversammlung zur Wahl gestellt und war aus dem Stand heraus gleich der erste Nachrücker. Nach dem Rücktritt von Lars Mai nehme ich jetzt diese Aufgabe wahr. Bei der Entscheidung, mich damals zu dieser Gremienwahl zu stellen, war ein Engagement in Bannewitz nicht abzusehen.

Welche Aufgaben haben Sie konkret?

Die Aufgaben ergeben sich aus der Satzung. Konkrete Einblicke möchte ich nicht geben, da bitte ich um Verständnis. Rechenschaft legt der Aufsichtsrat immer gegenüber seinen Mitgliedern ab.

Wie groß ist der zeitliche Mehraufwand für diese Aufgabe?

Der spielt für mich gar keine Rolle. Wer mich kennt, weiß, dass ich bei und mit der SG Dynamo tief verwurzelt bin und dass es eine emotional starke Bindung ist. Der Aufsichtsrat trifft sich mindestens einmal im Monat und in Zeiten, wo seine Zustimmung zum Beispiel bei Transfers erforderlich ist, sicher auch öfter.

Die kommende Winterpause ist drei Monate lang. Zeit für einen Familienurlaub?

Unsere Familie ist etwas über das Bundesgebiet verteilt, Weihnachten und die Feiertage nutzen wir, um uns zu treffen. Ansonsten ist kein Urlaub geplant, denn weder Ski- noch Rodelpisten sind mit meiner Person vereinbar.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.