• Einstellungen
Montag, 30.04.2018

Bierdusche im Presseraum

Die Düsseldorfer beginnen ihre Aufstiegsparty in Dresden. Und ein Ex-Dynamo plant jetzt für die Bundesliga.

Von Sven Geisler und Morten Ritter

Bierdusche zur Pressekonferenz: Als Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel von seinen Spielern nass gemacht wird, nimmt Dynamos Chefcoach Uwe Neuhaus lieber Reißaus – deshalb hört er die tröstenden Worte danach nicht.
Bierdusche zur Pressekonferenz: Als Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel von seinen Spielern nass gemacht wird, nimmt Dynamos Chefcoach Uwe Neuhaus lieber Reißaus – deshalb hört er die tröstenden Worte danach nicht.

© Robert Michael

Die Fotografen schlagen die Warnung in den Wind, logisch, sie wollen in der ersten Reihe sitzen, wenn es passiert. Die Pressekonferenz läuft bereits, Friedhelm Funkel sagt gerade: „Wie diese Mannschaft zusammengerückt ist…“ Da wird das Statement des Fortuna-Trainers von einem zaghaften Klopfen an der Tür unterbrochen. Bruchteile von Sekunden später stürmen seine Aufsteiger unter lautem Gejohle in den Pressekonferenzraum des DDV-Stadions, das Altbier spritzt, Dynamo-Coach Uwe Neuhaus nimmt Reißaus. Für die Düsseldorfer beginnt die Party in Dresden.

„Was soll ich zu der Truppe sagen“, fragt Funkel, als die Jungs raus sind und er pitschnass und auf den Stuhl gestützt weiterreden kann. „Sie ist einfach geil. Welcher Zusammenhalt in der Mannschaft herrscht, wie sie Rückschläge weggesteckt hat – sie hat sich den Aufstieg verdient.“ Für den 64 Jahre alten Trainer ist es bereits der sechste, nachdem er bereits mit Bayer Uerdingen (1992 und 1994), dem MSV Duisburg (1996), dem 1. FC Köln (2003) und Eintracht Frankfurt (2005) den Sprung ins Oberhaus geschafft hatte. Das ist Rekord.

Dynamo wird’s schaffen, wenn …

„Das ist unfassbar und zeigt, welche Qualität er besitzt“, sagt Neuhaus. Die tröstenden Worte seines Kollegen hört er nicht mehr. „Dynamo haben zwei Minuten gefehlt, einen verdienten Punkt hierzubehalten, der wichtig gewesen wäre für sie. So ist der Fußball“, meint Funkel und verspricht, Dynamo die Daumen zu drücken. „Ich bin fest davon überzeugt, dass sie es schaffen“, sagt er – und schränkt doch ein: „Wenn sie die Leistung bringen, die sie in der zweiten Halbzeit gezeigt haben.“

Schon auf dem Rückflug bringen die tanzenden Aufsteiger die von Sponsoren bezahlte Chartermaschine zum Wackeln, anschließend lassen sie im Szenelokal „Seifenfabrik“ im Düsseldorfer Stadtteil Flingern ihren Glücksgefühlen freien Lauf. Ehrenmitglied und Edelfan Campino gratuliert aus Shanghai, eine Liedzeile der Toten Hosen steht auf den Sieger-T-Shirts: „Und alles nur, weil ich dich liebe.“ Die rund 3 000 Fans, die in Dresden live dabei sind, stimmen einen anderen Hit an: „Nie mehr zweite Liga!“ Ein direkter Wiederabstieg wie 2013 soll unbedingt vermieden werden. Fortunas Vorstandschef Robert Schäfer, der in seiner Amtszeit bei Dynamo einiges für die Entschuldung des Vereins getan hat, steht mit einer Flasche Champagner in der Hand im Kabinengang und kämpft mit den Tränen. „Ich bin unheimlich stolz auf diese Mannschaft.“ Die finanziellen Rahmenbedingungen für die nächste Saison in der Bundesliga sind abgesteckt: Die Fortuna kalkuliert mit einem Etat von rund 65 Millionen Euro, wovon 30 anstatt bisher elf Millionen für Spieler und Trainerteam zur Verfügung stehen.

Schäfer ist deshalb zuversichtlich, Leistungsträger halten zu können, auch wenn die beim Sieg in Dresden starken Florian Neuhaus (Mönchengladbach), Genki Haraguchi (Hertha BSC) und Takashi Usami (Augsburg) sowie Jean Zimmer (VfB Stuttgart) nur ausgeliehen sind. „Bei allen gibt es eine Chance“, meint Schäfer.

„Wir werden eine gute Mannschaft haben“, sagt Funkel am Morgen danach beim Fußball-Talk des Fernsehsenders Sky, bevor er bei einem Tennismatch den Alkohol ausschwitzen wollte. Bis morgens um halb drei hatte der Erfolgstrainer mitgefeiert, ehe er sich mit Ehefrau Anja auf den Heimweg machte. (SZ, sid)

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Ihr Kommentar zum Artikel

    Bitte füllen Sie alle Felder aus.

    Verbleibende Zeichen: 1000
    Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein