• Einstellungen
Montag, 20.03.2017

Bewährungsstrafe für Busfahrer

War es Unaufmerksamkeit, Sekundenschlaf oder das Hantieren mit dem Handy? Die Ursache für das tödliche Busunglück auf der A4 bleibt ungeklärt. Der Fahrer wurde jetzt verurteilt.

Bei einem Unfall starb ein vierjähriger Junge.
Bei einem Unfall starb ein vierjähriger Junge.

© dpa

Weimar/Annaberg-Buchholz. Nach dem tödlichen Unfall eines mit Schülern besetzten Busses auf der A4 bei Erfurt ist der Fahrer zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht in Weimar hielt den 37-jährigen aus Österreich am Montag der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung schuldig. Der Busfahrer muss zudem 1 500 Euro an eine gemeinnützige Stiftung zahlen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Oktober 2015 das Unglück verursachte, bei dem der vier Jahre alte Sohn einer Lehrerin ums Leben kam. Alle anderen der mehr als 60 Businsassen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Fahrer selbst kam mit leichten Blessuren davon.

In dem Bus saß eine Schülergruppe aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz, die auf der Heimfahrt von einer England-Sprachreise war. Nach einem Überholmanöver war der Doppelstockbus in eine Böschung gefahren und umgestürzt. Für den nicht angegurteten Vierjährigen kam jede Hilfe zu spät.

Zum Abschluss des Prozesses beteuerte der 37-Jährige erneut, sich an den Unfall nicht erinnern zu können. „Ich kann mir das nicht erklären“, sagte der Angeklagte. Er könne daher auch nicht um Entschuldigung bitten, wenn er nicht wüsste, was passiert sei. Die Vorsitzende Richterin Inez Gloski sprach von einem nicht wieder gutzumachenden Fehler und einem Augenblicksversagen des Busfahrers.

Er habe beim Einscheren nach dem Überholen für vier Sekunden nicht reagiert, begründete die Richterin. Ob es Sekundenschlaf war oder der Fahrer durch das Handy abgelenkt gewesen sei, habe jedoch nicht aufgeklärt werden können, sagte Gloski in der Urteilsbegründung. Das Gericht war mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt. Staatsanwalt Uwe Strewe sprach von einem Horrorunfall, der vermeidbar gewesen wäre. Der Fahrer sei am Unfalltag seiner besonderen Verantwortung und seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen. Auch sei er zu schnell gefahren.

Die Verteidigung hatte hingegen auf Freispruch plädiert, da ihrer Ansicht nach auch ein technischer Defekt als Unfallursache infrage kommen könnte. Technische Mängel an dem Bus als Ursache für den Unfall hatte zuvor jedoch ein Gutachter ausgeschlossen. Laut dem Sachverständigen gab es am Unfallort auch keinerlei Reifen-, Brems- oder Schleuderspuren. (dpa)

Desktopversion des Artikels