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Dienstag, 17.04.2018

Betrüger zockt einsame Herzen ab

Ein 51-jähriger Intensivtäter hat den Begriff „Rückfalltempo“ neu definiert - jetzt wurde er verurteilt.

Von Alexander Schneider

© Symbolfoto: dpa

Während Beobachter beklommen die Stirn runzeln und sich fragen, ob es überhaupt möglich ist, vier Tage nach der Entlassung aus dem Gefängnis neue Taten zu begehen, setzt der Angeklagte an, dem Richter zu erklären, dass er in jenen Tagen eigentlich nach Dresden gezogen sei, um ein „neues Leben“ zu beginnen. Doch neu am neuen Leben war lediglich der Tatort. Das ist der Grund, warum sich am Montag auch das Amtsgericht Dresden mit dem Intensivtäter auseinandersetzen musste.

Am Dienstag, 22. August 2017, wurde der Deutsche aus der bayerischen Justizvollzugsanstalt entlassen, wo er drei Jahre und zehn Monate wegen Betruges und Urkundenfälschung in zig Fällen verbüßt hatte. Schon am folgenden Sonnabend, 26. August, stand eine Zeitungsannonce in der Dresdner Tagespresse, in der der Angeklagte Singles seine Dienste als Partnervermittler angeboten hatte. Für eine Jahresgebühr von 75 Euro werde er den passenden Partner finden. So weit, so enttäuschend.

Das Einzige, was der Mann fand, waren einsame Herzen. Mindestens eine Frau hat die Gebühr bezahlt – und wie zum Dank nutzte der Angeklagte ihre Bankverbindung und die einer anderen Frau für weitere Taten. Er füllte Überweisungsträger aus, fälschte die Unterschriften, ohne sie je gesehen zu haben – zweimal führte die Bank die Aufträge aus – so erhielt der Betrüger 520 Euro. Bei der Santanderbank klappten die gefälschten Überweisungen nicht, weshalb zwei weitere Betrügereien über mehr als 1 700 Euro scheiterten.

Der 51-jährige Fleischer ist gerichtserfahren. Schon 1985 wurde er wegen Betruges zu seiner ersten Haftstrafe verurteilt – 19 Einträge zählt sein Register, 16 Jahre saß er in bayerischen Gefängnissen. Nun wird eine sächsische Anstalt hinzukommen. Das Amtsgericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Für eine Strafaussetzung zur Bewährung genüge der Vorschuss an Vertrauen nicht, sagte der Richter. Rechtskräftig ist das Urteil jedoch nicht.

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