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Montag, 19.06.2017

Berliner Luft in Schmochtitz

Beim Musikfest am Bischof-Benno-Haus brachte ein Künstler das besondere Hauptstadt-Kolorit über die Rampe: Peter Thomsen.

Von Carmen Schumann

Moderator Peter Thomsen schlüpfte nicht nur in die Rolle des Hauptmanns von Köpenick, sondern gab auch Friedrich den Großen und einen Taxifahrer.
Moderator Peter Thomsen schlüpfte nicht nur in die Rolle des Hauptmanns von Köpenick, sondern gab auch Friedrich den Großen und einen Taxifahrer.

© Carmen Schumann

Schmochtitz. Mit solchen Gassenhauern wie „Im Grunewald ist Holzauktion“ oder „Immer an der Wand lang“ hat Peter Thomsen das Publikum sofort auf seiner Seite. Die Gäste des Schmochtitzer Musikfestes haben sich vorsorglich in Regencapes gehüllt, doch der Himmel öffnet an diesem kühlen Freitagabend seine Schleusen nicht mehr. Ehe sie es sich versehen kann, wird eine ältere Dame von dem Moderator zu einem kleinen Tänzchen herumgeschwenkt. Peter Thomsen ist ein waschechter Berliner. Wer wäre also besser geeignet, als er, die „Berliner Nächte“ zu moderieren? Zumal er ein echtes Multitalent ist. Mit Berliner Schnauze erzählt er Witze, die bei den Bautzenern gut ankommen, wie zum Beispiel den von den drei Jungs, die sich über ihre Väter und deren Berufe unterhalten. Der eine sagt: „Mein Vater taucht Weihnachtsmänner in Schokolade und verdient 1 000 Euro.“ Sagt der andere: „Mein Vater taucht Mercedes-Sterne in Galvanikflüssigkeit und bekommt 2 000 Euro.“ Der dritte sagt triumphierend: „Meiner arbeitet beim Senat, der bekommt 8 000 Euro und taucht jar nüscht!“

Peter Thomsen schlüpft bei seinen Moderationen in drei verschiedene Kostüme. Zu Beginn gibt er den Hauptmann von Köpenick Wilhelm Voigt. Später wird er in die Rolle von Friedrich dem Großen schlüpfen und noch später den Taxifahrer Benno Beidokat geben, der über seine mehr oder weniger prominenten Fahrgäste aus dem Nähkästchen plaudert. Dabei kann er aus seinem gesamten großen Repertoire schöpfen. Wie er sagt, tritt er in Berlin oft in dem kleinen Kabarett „Charly M.“ in der Karl-Marx-Allee auf. Der freiberufliche Schauspieler spricht aber auch die Hintergrundstimme bei Arte Geo und synchronisierte Jean-Michel Jarre. Noch zu DDR-Zeiten moderierte er die naturwissenschaftlich-unterhaltsame Sendung „Mannometer, wo er oft in Doppelrollen schlüpfte.

Sein Auftritt in Schmochtitz, das ja ein Stadtteil von Bautzen ist, war gleichsam eine Rückkehr nach sage und schreibe 39 Jahren. Denn Peter Thomsen war von 1974 bis 1978 als Sänger am Bautzener Theater engagiert. Er erinnert sich noch, dass er damals auf der Schülerstraße wohnte. Besonders gern erinnert er sich an Freundschaften, die er mit Bautzener Darstellern schloss, so unter anderem mit Jurij Kostoz oder Dieter Schlegel. Beide leben schon nicht mehr. Die Stadt habe ihm auch damals schon gefallen, obwohl sie ja zu der Zeit vom Verfall gezeichnet war. Nur einmal sei er seitdem vor sechs oder sieben Jahren auf der Durchreise in Bautzen gewesen. Die Stadt hätte sich enorm gemausert, findet er.

Das Musikfest in Schmochtitz lebt davon, dass es sich bei den Konzerten immer um ein bestimmtes Thema dreht. Reiste man in den vergangenen Jahren in fremde Länder, stand diesmal die deutsche Hauptstadt im Mittelpunkt. Um den schmissigen Melodien von Paul Lincke oder Walter Kollo den richtigen Background zu verleihen, verstärkte sich das Orchester des Sorbischen Nationalensembles (SNE) mit Musikern der Philharmonie Jelenia Gòra. Mit Bravour meisterte Tasso Schille vom Deutsch-Sorbischen Volkstheater das Dirigat des großen Orchesters. Er war kurzfristig für Dieter Kempe, den Dirigenten des SNE, eingesprungen, der aus gesundheitlichen Gründen nur im Publikum saß.

Die Berliner Nächte, organisiert vom Verein Via Regia Musikevents, gingen am Sonnabend noch einmal über die Bühne.

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