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Freitag, 19.05.2017

Benebelnde Wirkung

Die Meißner Suchtberatung will Siebtklässlern die Gefahren von Alkohol und Zigaretten näherbringen.

Von Ronja Münch

Suchtberaterin Mandy Forst und ihr Kollege mit aufklärenden Riesenglimmstängeln. Nicht nur um Alkohol, auch um die Gefahren des Zigarettennebels geht es bei dem Parcours.
Suchtberaterin Mandy Forst und ihr Kollege mit aufklärenden Riesenglimmstängeln. Nicht nur um Alkohol, auch um die Gefahren des Zigarettennebels geht es bei dem Parcours.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Ist es möglich, dass mit 0,3  Promille die Sehfähigkeit schon eingeschränkt ist? Ja, nein, vielleicht? So wurden die Besucher kürzlich beim Tag der offenen Tür der Suchtberatung der Diakonie in Meißen begrüßt. Schließlich geht es bei der Veranstaltung zur Aktionswoche Alkohol um eben dieses Thema: Wann wird Trinken gefährlich?

Die Suchtberatung hat sich dabei entschieden, nicht einfach nur Einblick in ihre Räume zu gewähren, sondern auch gleich ein neues Projekt vorzustellen. Ein Parcours mit dem Namen „Klarsicht“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Diesen gibt es in groß und klein, erklärt Suchtberaterin Mandy Forst. Die große Version wird von Mitarbeitern der Bundeszentrale selbst beispielsweise in Schulen durchgeführt. Nach einer solchen Veranstaltung wurde nun der Suchtberatung der Diakonie die Kofferversion angeboten, die sie selbst durchführen darf. Einige Mitarbeiter wurden bereits geschult.

Gut, ganz vollständig aufgebaut werden konnte der Parcours an diesem Tag nicht. Die Brillen, die das verschwommene Sehen im Rauschzustand zeigen sollen, können nicht ausprobiert werden. Dafür noch vier andere Stationen, wie sie auch Schüler der siebten Klasse zu sehen bekämen, für die der Parcours konzipiert ist. Eine davon hat das Thema „Werbung“. Was wird da zum Thema Alkohol- und auch Tabakkonsum vermittelt? Der Marlboro-Mann fällt Mitarbeiterinnen vom Jugendamt ein, die zum Tag der offenen Tür mal sehen wollen, wie die Suchtberatungsstelle aussieht. Aber auch ein Fluss im Wald, ein Bier auf dem Segelboot. Motive wie Entspannung, Coolness, Freiheit. „Was soll das heißen, bleib wie dein Bier?“, fragt Romy Schellenberger. Prickelnd, süffig? „Ich denke da eher an etwas ganz anderes.“ Nämlich den negativen Effekt von Alkohol.

Im Parcours sollen die Jugendlichen selber, mit Hilfe von Bildern und Zetteln aus dem Koffer, eine Brücke schlagen zwischen den Versprechen und der Wirklichkeit. Sie sollen sich der Wirkung der Werbung und der falschen Versprechungen bewusst werden. Alkohol mag helfen, Hemmungen abzubauen, zum Beispiel um endlich mal die Angebetete anzusprechen. „Aber vielleicht findet sie die Alkoholfahne gar nicht so toll“, so Schellenberger.

Auch in den anderen Parcoursstationen sollen die Jugendlichen selber aktiv werden, beispielsweise mit Hilfe von verschiedenen Bildern und Symbolen eine Geschichte erfinden. „Das sind ganz irre Sachen, die da gelegt werden“, sagt Annekatrin Weber. Natürlich geht es auch dort um Alkohol, ein bisschen auch um Zigaretten.

In der letzten Station wird schließlich auch die Anfangsfrage geklärt: Mit 0,3 Promille sieht man schon schlechter. Und wann hat man die erreicht? Ziemlich schnell, bei Frauen reicht da oft schon ein halber Liter Bier. „Was denken Sie denn, ab welcher Trinkmenge Missbrauch losgeht?“, fragt Angela Ziegler, eine weitere Mitarbeiterin der Suchtberatung. Für Frauen schon ab 20 Gramm Alkohol, für Männer ab 40 Gramm. Bei Frauen sind das gerade mal zwei Gläser Wein. „Das Einzige, wie man Sucht wirklich vorbeugen kann, ist keinen Alkohol zu trinken“, sagt sie.

Am Ende bekommen die Besucher noch einen Selbsttest. Und verzichten vielleicht demnächst auf das letzte Bier, das doch sowieso immer schlecht ist.

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